| von Wolfgang Gomoll

Bei Skoda läuft es nach wie vor hervorragend: In den ersten neun Monaten haben die Tschechen beim Umsatz um 17,6 Prozent zugelegt und 14,8 Milliarden Euro eingenommen. Die Konzernzentrale in Wolfsburg sieht diese Erfolgsgeschichte mit einem lachenden und weinenden Auge. Die Tschechen rücken mit ihren Autos den eigenen Bestsellern, wie Golf, Passat & Co. auf die Pelle. Doch so ungern die VW-Konzern-Oberen die drohende Kannibalisierung sehen mögen, der Druck von Herstellern wie Kia oder Hyundai wird immer größer und da braucht VW die tschechische Tochter, um diese Flanke bei den preisbewussten, aber dennoch anspruchsvollen Käufern zu decken. „Es geht in erster Linie gegen die Koreaner“, stimmt ein Skoda-Vorstand fast schon kämpferisch zu.

Um diese Aufgabe erfüllen zu können, muss aktuelle VW-Technik ins Auto. Das hat man jetzt auch in Wolfsburg erkannt, ohnehin lässt sich der selbstbewusste Skoda-Chef Bernhard Maier nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen. Das Resultat merkt man beim Entern des Innenraums. Zwei mal zehn lautet die Formel beim Octavia: Die virtuellen Instrumente werden auf einem zehn zoll großen Display dargestellt und die Infotainment-Schaltzentrale ist ein Touchscreen mit identischen Abmessungen. Bei der Bedienung folgen die Tschechen dem Trend der Smart-Devices und stellen die Programme als Apps beziehungsweise Kacheln dar, die auch nach Gusto verschoben werden können. So kann sich der Fahrer seine eigene Infotainment-Oberfläche konfigurieren. „Man muss sich um ein Uhr nachts am Flughafen ins Auto setzen und sofort mir der Bedienung klarkommen“, macht Technikchef Christian Strube klar. Bei der Vernetzung spielt der Octavia ebenfalls in der ersten Liga: Navigationskarten-Aktualisierungen werden drahtlos ins Auto übertragen, die Bedienung kann auch per Sprachbefehle oder Gesten erfolgen. Neben Apple CarPlay und Android Auto sorgen fünf USB-C-Anschlüsse für die Vernetzung mit den Smartphones und Tablets.

Wie wichtig der Topseller für die tschechische VW-Tochter ist, merkt man daran, dass der Octavia als erster Skoda ein Head-up-Display bekommt. Die Skoda-Ingenieure übernehmen VW-Technik nicht einfach und haben den Touch-Schieberegler, mit dem unter anderem die Lautstärke und die Temperatur eingestellt werden, länger gestaltet als beim Golf 8, was bei der Bedienung hilft. Ganz schmeißen die Tschechen die klassische Bedienung nicht über Bord, was man an den Tasten unter dem zentralen Display sowie den 14 Knöpfen und Drehreglern in den Speichen des kapazitiven Lenkrads erkennen kann. Eine gute Idee sind die Lautstärke-Drehregler im Volant.

Neben dem Voll-Matrix-LED-Licht haben die Tschechen den Octavia auch bei den Assistenzsystemen aus dem VW-Regal aufgerüstet: Deswegen feiern Helfer wie der Side- und Emergency Assist oder der adaptive Abstandsassistent (bis zu 210 km/h) beim Octavia 4 ihre Premiere. Die autonomen Fahrhelfer werden im „Travel Assist“ gebündelt, was vor allem beim Stau hilft, wo der Octavia selbstständig bremst, anfährt und auch die Spur hält. Die Technik achtet auch beim Linksverkehr auf Gegenverkehr und behält auch Fahrradfahrer, die am Fahrzeug vorbeihuschen wollen, im Blick.

Mit einer Länge von 4,69 Metern ist der neue Octavia um rund zwei Zentimeter länger als der Vorgänger. In der Breite hat der Octavia um 1,5 Zentimeter zugelegt: Das sind gute Nachrichten für alle Ladevolumen-Fans: Das Kofferraumvolumen wächst bei der Limousine um zehn Liter auf 600 Liter und beim Kombi bietet das Ladeabteil in seiner Grundkonfiguration 30 Liter mehr Platz und bringt es jetzt auf 640 Liter. Im Innenraum und vor allem in der zweiten Reihe konnte man schon beim Vorgänger fürstlich reisen. Dass die Kniefreiheit im Fond nochmal um fünf Millimeter zugelegt hat, ist sicher kein Fehler. Beim ersten Probesitzen konnten wir es uns im Fond gemütlich machen. Die Ambiente-Beleuchtung erhöht den Wohlfühlfaktor im Octavia. Das berührungsempfindliche Lenkrad überprüft, ob der Fahrer das Steuer noch im Griff hat und kann mit dem Emergency-Assist einen Nothalt einleiten.

Wenn man sich die Motoroptionen des Octavia anschaut, ist die Nur-Benziner-Doktrin aktuell vom Tisch. Beim Octavia wird es zwei 48-Volt-Mildhybride mit dem 1.0 TSI Evo (81 kW / 110 PS) und dem 1.5 TSI Evo (110 kW / 150 PS) geben, dazu kommt zunächst ein Plug-in-Hybrid, der als Verbrenner den 1.4 TSI hat und 150 kW / 204 PS leistet und rein elektrisch 55 Kilometer schafft. Später wird ein zweiter PHEV mit gleichem Benziner und 180 kW / 245 PS folgen. Skoda hält ostentativ die CNG-Flagge hoch: Der 1,5 TSI G-TEC hat 96 kW / 130 PS und soll mit einer Reichweite von 523 Kilometern eine Alternative für Langstrecken-Fahrer sein. Bei den konventionellen Antrieben kommt der Octavia in den Genuss der aktuellen VW-Motorengeneration: Die drei TSI-Benziner leisten zwischen 81 kW / 110 PS und 140 kW / 200 PS. Bei den Diesel-Aggregaten hält Skoda den 2.0 TDI mit Ausbaustufen zwischen 85 kW / 116 kW und 147 kW / 200 PS parat. Beim Octavia wird es sowohl Versionen mit Allradantrieb als auch mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geben.

Dazu kommt, dass der Cw-Wert im Durchschnitt um 14 Prozent gesunken ist. Beim Skoda Octavia beträgt er 0,26, bei der Limousine sind es 0,02 weniger. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Octavia-Fahrer entscheiden sich für die Kombi-Variante. Deswegen kommt diese im zweiten Quartal 2020 ein paar Wochen vor der Limousine auf den Markt. Aufgrund der Aufrüstung wird der neue Octavia teurer sein als der Vorgänger, der als Kombi momentan mindestens 23.680 Euro kostet. Es ist davon auszugehen, dass die 25.000-Euro-Grenze fällt.