BMW hat sein M-Paket, Audi die S-Line und auch VW die R-Line. Was solchen Marken recht ist, ist Skoda nur billig. Also gibt es jetzt auch bei den bisher doch eher bieder auftretenden Tschechen eine Sportline. Allerdings vorerst nur für das Flaggschiff Superb. Die Ausstaffierung des Top-Modells ergibt Sinn, denn der Mittelklasse-Kreuzer hat das schnittigste Design aller Skoda-Modelle und fand innerhalb 15 Monaten weltweit über 100.000 Käufer. In Deutschland ist der Kombi das deutlich gefragtere Modell. Hierzulande entscheiden sich über 80 Prozent der Superb-Fans für die Variante mit der großen Heckklappe und machen den Superb Combi zum ernstzunehmenden Gegner für den VW Passat, die Mercedes C-Klasse oder den Audi A4. Die Kombination aus Platz und vernünftigem Preis-Leistungs-Verhältnis sticht also. "Der Superb übertrifft unsere kühnsten Erwartungen", heißt es bei Skoda Deutschland.

Jetzt gibt es den Bestseller im Sportler-Outfit: Große 19 Zöller füllen die Radhäuser aus, der Rahmen des Kühlergrills ist schwarz, ebenso der Diffusor und die die Nebelscheinwerfer sind ebenfalls schwarz hinterlegt. Dunkel getönte Scheiben und der obligatorische Heckspoiler in Wagenfarbe runden die Optik ab. Zur SportsLine gehören außerdem noch die adaptiven Dämpfer und eine elektromechanische Progressivlenkung und eine Tieferlegung um zehn Millimeter. Beides tut dem Super Combi optisch und dynamisch gut. Vor allem, wenn man im 206 kW / 280 PS Top-Modell mit Allradantrieb sitzt. Die Kraft tut dem 1.635 Kilogramm schweren lifestyligen Gepäcklaster gut. In den meisten Fahrmodi spielt der Superb ohnehin die Komfort-Karte, doch sobald "Sport" angewählt wird, strafft der Familien-Athlet spürbar die Sehnen und Muskeln. Schließlich ist das der Fahrmodus, der nominell am besten zu dem Ausstattungspaket passt. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ergänzt den aufgeladenen Zweiliter-Benziner sehr gut und kaschiert die kurze Pause beim Einatmen vor dem Sprint so gut es geht. Drückt man das Gaspedal durch, stürmt der Tscheche mit dem Elan des maximalen Drehmoments von 350 Newtonmetern los. Nach 5,8 Sekunden erreicht der Skoda Landstraßentempo und schafft maximal 250 km/h. Mit einem Norm-Durchschnittsverbrauch von 7,2 l auf 100 Kilometer findet der Sportsgeist auch ohne böses Erwachen an der Zapfsäule statt.

 

Was schnell auffällt, ist, dass der Superb auch in der schärfsten Einstellung nicht zum Zahnfüllungs-Killer mutiert. Das Pfeifen um die Ecken bereitet richtig Freude, vor allem dank der traktionsspendenden Arbeit des Allradantriebs mit der Haldex-5-Kupplung. Mit einer Länge von 4,86 und einem Radstand von 2,84 Metern hat der Superb Combi nicht zwingend die besten Voraussetzungen zum Wedeln. Doch geleitet von der knackigen Lenkung, die zwar straff-präzise und wenig mitteilsarm ist, lenkt der Superb Combi gelehrig ein und zieht willig und gutmütig seine Bahnen. Geht das Tempo nach oben und der Kurvenradius nach unten, schiebt der Superb über alle vier Räder nach außen. Wie agil die Allrad-Version ist, merkt man, wenn man den etwas kopflastigen Diesel um die Ecke jagt. Ein nettes Gimmick sind die Leistungs-Anzeigen im Sport-Modus. Auf Wunsch werden auf dem Achtzoll-Monitor der Turbo-Ladedruck, die G-Beschleunigung und die abgerufene Motorkraft angezeigt.

Der Seitenhalt der Sitze ist ausreichend und so wird die Kurvenhatz nicht zur Rutschpartie auf dem Mobiliar. Allerdings verursacht der Klang des Vierzylinders nicht gerade Gänsehaut-Gefühl. Bei den Assistenzsystemen kann der Superb mit seinen Konkurrenten mithalten, doch bei der digitalen Anmutung der Instrumente müssen die Tschechen bei Facelift etwas nachlegen. Monochrome Anzeigen verströmen einen Retro-Charm, der nicht jedermanns Sache ist. Wobei die Funktionalität kaum Wünsche offen lässt. Der Preis von 45.290 Euro (1.100 Euro mehr als für die Limousine, für die das Ausstattungspaket ebenfalls erhältlich ist) ist angesichts des Gebotenen fair.