| von Stefan Grundhoff

Volvo hatte es vor 25 Jahren mit seinem XC70 Cross-Country vorgemacht und Audi war überaus erfolgreich mit dem A6 Allroad den lehmigen Spurrillen gefolgt. Daraus wurde klassenübergreifend der Trend der Geländewagen-Blender und auch in kleineren Fahrzeugklassen kommt es bei vielen Kunden gut an, wenn die Limousine oder speziell der Kombi mit Offroaddetails zum Pseudo-Klettermaxen wird. Auf diesen Spuren wandelt seit Jahren auch Volkswagen und bot zunächst die kleinen Modelle Polo und Beetle sowie später auch den Golf mit Offroadcharme an. So ist es auch bei der neuen Golf-Generation acht, die in der Alltrack-Version als Zwillingsbruder des Variant jedoch kein kompletter Optikblender ist, sondern zumindest über ein Plus an Bodenfreiheit, Unterfahrschutz und einen Allradantrieb verfügt. Ansonsten gibt es die üblichen Dreingaben der noch jungen Golf-Generation, deren ehemals in Mexiko produzierter Variant ein echter Lademeister ist, der speziell Familien gefallen dürfte.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat der Golf Variant deutlich an Länge zugelegt. Von dem Längenzuwachs von über sechs Zentimetern profiziert daher auch der rustikale Ableger des 4,64 Meter langen Golf Alltrack, der mit einem Laderaum von 611 Litern schon ein bis zwei Klassen oberhalb angesiedelt ist und sogar die meisten SUV in Sachen Praktikabilität ins  Schwitzen bringt. Wer die Rückbank umklappt, kann den Kofferraum auf bis zu 1.642 Liter erweitern - das sind 22 Liter mehr als beim Vorgänger. Doch nicht nur im Gepäckabteil ist jede Menge Raum, auch im Innenraum lässt es sich aushalten. Durch den auf 2,69 Meter angewachsenen Radstand gibt es speziell im Fond mehr Beinfreiheit. Der Reisekomfort in der ersten Reihe - klasse. Die Komfortsitze sind bequem für Personen jeglicher Größe.

Der VW Golf Alltrack ist obligatorisch an die wohl interessanteste Motorvariante gekoppelt, denn angetrieben wird die geheime Leidenschaft so machen Freizeitjägers von dem Dieselkraftpaket des Golf GTD, dessen Motorleistung in der neuen Generation auf 147 kW / 200 PS gewachsen ist. Obligatorisch ist der Selbstzünder an Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Der Vierzylinder gefällt mit selbstbewusstem Klang, kraftvollen Durchzug und exzellenten Verbrauchswerten. Der Normverbrauch liegt trotz üppiger Abmessungen, die ihn der Kompaktklasse entrissen und in das Segment darüber gewuchtet haben, bei sehr guten 4,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Bei 1.750 U/min steht das maximale Drehmoment von 400 Nm zur Verfügung - stetig bis zu 3.500 U/min. Mit vielmehr Drehzahl ist man in einem solchen Diesel ohnehin nicht unterwegs. Aus dem Stand spurtet der über 1,6 Tonnen schwere Allrad-Kombi in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 229 km/h. Mit dem 55 Liter großen Tank hat der Gelegenheitsgeländegänger eine realistische Reichweite von über 1.000 Kilometern - bei sehr guten Fahrleistungen und bester Langstreckentauglichkeit. Da sieht es für Wettbewerber mit Elektro- oder Hybridantrieb düster aus.

Basispreis: 40.000 Euro

Dass der Alltrack allein mit dem 200-PS-Diesel zu bekommen ist, hat seinen Grund. Die mehr als 1,6 Tonnen Leergewicht sind das eine, doch mit entsprechender Zuladung von bis zu 579 Kilogramm und einer gebremsten Anhängelast von zwei Tonnen wären die schwächeren Benziner keine Idealbesetzung, wenn es in den harten Alltagsbetrieb geht. Der starke Zweiliter-Diesel ist für den Kombi, der auch auf rutschigen Feldwegen zum Hochsitz gefallen kann, ideal. Perfekt dazu abgestimmt und dezent im Hintergrund sein Tagwerk verrichtend: das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe, mit dem man auch einmal flott oder gar sportlich unterwegs sein kann. Dabei verteilt der Allradantrieb seine Motorleistung variabel zwischen Vorder- und Hinterachse, was bei dynamischer Fahrt auch im Sportprogramm etwas schneller passieren könnte. Wer häufiger im unbefestigten Geläuf unterwegs ist, sollte sich jedoch vorher darüber im Klaren sein, dass das Plus an Bodenfreiheit für viele Offroadeinsätze für Bauer, Jäger oder Handwerker nicht reicht und dann auch der Unterfahrschutz unter dem Triebwerk zu wenig ist, weil die optionale Verstelldämpfung nicht de Bodenfreiheit erhöhen kann. Allen gefallen dürfte jedoch das stramm abgestimmte Fahrwerk, die direkte Servounterstützung der Lenkung sowie die verschiedenen Fahrprogramme, die sich über einen etwas lieblos positionierten Schalter am Armaturenbrett anwählen lassen.

Darüber hinaus gibt es die bekannten Dreingaben der aktuellen Golf-Generation mit seinem zehn Zoll großen Infotainment-Bildschirm sowie dem Head-up-Display, das die wichtigsten Informationen auf die Windschutzschiebe projiziert. Dabei ist der Alltrack so vernetzt wie seine Brüder. Neue Funktionen kommen drahtlos per Update ins Auto und die Vorlieben des jeweiligen Fahrers werden in einer Cloud abgespeichert und können bei Bedarf oder Fahrzeugwechsel abgerufen werden. Bei den Assistenten ist der Alltrack so aktuell, wie es das Kompaktsegment zulässt. Der Stauassistent übernimmt bis 60 km/h die Steuerung des Autos im Stehen und Fahren, während der adaptive Tempomat bis 210 km/h aktiv ist. Der Linksabbiegerassistent wird durch eine größere Abdeckung des Frontradars ermöglicht und das Sensorschutzschild achtet auch auf Radfahrer, die am Auto vorbei wollen, dabei berechnet die Technik anhand der Geschwindigkeit und Fahrtrichtung den Standort des Radlers und stellt so sicher, dass es keinen toten Winkel an der Flanke des Fahrzeugs gibt. Viel Sicherheitsausstattung für den stattlichen Preis von 39.337 Euro, der sich durch eine entsprechende Komfortausstattung problemlos auf bis zu 50.000 Euro aufstocken lässt. Immerhin gibt es serienmäßig Ausstattungsdetails wie LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Alufelgen, heizbare Komfortsitze, Navigationssystem, schlüssellosen Zugang und verschiedene Fahrerassistenzsysteme.

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