| von Stefan Grundhoff

Volkswagen ist Golf und Golf ist Volkswagen - das Herz der Marke und der Dreh- und Angelpunkt aller internen Entwicklungen. Das hat sich selbst nach dem Hissen der ID-Flaggen nicht geändert und gilt daher mehr denn je auch für die achte Generation des Golf. Das Kompaktklassemodell sieht nicht mehr ganz so markig und maskulin aus wie sein Vorgänger  Golf VII, doch in Sachen Technik geht Volkswagen einmal mehr in die Vollen. Die zunächst fünf erhältlichen Motorvarianten mit einer Elektrifizierung sollen gleichermaßen Fahrfreude bereiten und mit niedrigen Verbräuchen Kunden locken. Bestes Beispiel: der VW Golf 1.0 eTSI, der mit 110 und 90 PS im Handel steht.

Weniger Golf ist aktuell nicht zu bekommen. Der kleinste und schlappste aller Golfe ist die Version mit drei Zylindern, gerade einmal einem knappen Liter Brennraum und 81 kW / 110 PS - exakt jener Motorleistung, die in den 70er Jahren ein Golf GTI bot. Seither ist der Golf in sieben weiteren Generationen mächtig gewachsen, deutlich schwerer geworden und bietet mittlerweile eine Komfort- und Sicherheitsausstattung, von der man noch vor Jahren nur träumen konnte. Doch einst reichten die 110 PS und kaum mehr als 180 km/h Höchstgeschwindigkeit zum automobilen Glück. Doch wie ist es heute?

Wer richtig beim Verbrauch sparen will, kommt auf längeren Strecken um einen Dieselmotor nach wie vor nur schwer herum und bekommt mit dem Golf GTD eine ideale Symbiose aus Fahrspaß, Dynamik und Knauserdurst. Wer elektrisch kurze Strecken zurücklegen will, entscheidet sich für eine der beiden Plug-In-Hybrid-Varianten Golf eHybrid oder GTE mit stattlichen 204 oder 245 PS. Das Basismodell des VW Golf 1.0 eTSI kommt dagegen ohne Stecker aus und verfügt über ein 48-Volt-Bordnetz, das den kleinen Turbomotor beim Start und geringen Geschwindigkeiten mit einem elektrischen Boost unterstützt.

Besonders auffällig, dass der akustisch allzu präsente Dreizylinder im Segelbetrieb - somit bei geringen und mittleren Geschwindigkeiten ohne Druck auf das Gaspedal - ausgeht und der Drehzahlmesser ein kurzzeitiges Nickerchen des Verbrenners anzeigt. Wird das Gaspedal wieder getreten oder verzögert, kuppelt sich der Motor in Sekundenbruchteilen durch den Startergenerator wieder ein, ohne dass der Fahrer davon etwas merken würde.

Lohnt der 48-Volt-Mehrpreis?

Der ein Liter große Turbomotor stellt seinem Fahrer immerhin ein maximales Drehmoment von 200 Nm zur Verfügung, das zwischen 2.000 und 3.000 U/min anliegt. Aus dem Stand geht es damit in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und der Fronttriebler erreicht eine stattliche Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Davon konnte der einstige VW Golf I GTI mit seinen 81 kW / 110 PS selbst als Sportversion nur träumen. Das sieht beim Verbrauch nicht anders aus, denn die zahlreichen Energiesparmaßnahmen sorgen dafür, dass sich der Golf 1.0 eTSI, der auch noch in einer abgespeckten Version mit überschaubaren 66 kW / 90 PS zu bekommen ist, auf 100 Kilometern mit 5,3 Litern Superkraftstoff zufriedengibt. Und das, obschon sich der Wolfsburger im Laufe der Jahre mächtig Speck angefuttert hat. Statt der einstigen rund 900 Kilogramm bringt der Golf VIII als Basismodell schon aufgrund seiner deutlich gewachsenen Abmessungen (4,28 Meter lang), serienmäßigen fünf Türen sowie Komfort- und Sicherheitsausstattung knapp 1,3 Tonnen auf die Waage.

Dafür gibt es aber auch im Innenraum jede Menge Platz für ein Modell aus der Kompaktklasse. Der 2,62 Meter lange Radstand sorgt dafür, dass zumindest zwei Erwachsene und zwei Kinder bequem in dem Viertürer sitzen können und im 380 Liter großen Laderaum immerhin noch einiges Gepäck unterkommt. Serienmäßig sind LED-Scheinwerfer, animierte Instrumente, Klimaanlage und allerhand Sicherheitsdetails. Beim 1.0 eTSI ist zudem das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig an Bord, das gelungen auf den kleinen Benziner abgestimmt ist und für niedrige Drehzahlen sowie schnelles Schalten unter Lastanforderungen sorgt. Der Aufpreis für das 48-Volt-Bordnetz, das obligatorisch an das Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist, fällt mit mehr als 2.600 Euro daher üppig aus, denn selbst in der kargen Ausstattungsvariante Style kostet der VW Golf 1.0 eTSI dann 26.972 Euro. Wer sich für den ebenfalls 110 PS starken Basis-Golf ohne 48-Volt-Technik mit 81 kW / 110 PS entscheidet, bezahlt mit weniger Ausstattung dann sogar nur 22.050 Euro oder 19.881 Euro für die 90-PS-Variante, die ohnehin nur als Sparversion verfügbar ist. Bleibt die Frage, ob einem das 48-Volt-Bordnetz den Hightech-Aufpreis wert ist.

Besser ist man angesichts der Fahrzeugklasse ohnehin eine Leistungsstufe höher unterwegs und hier bietet Volkswagen seinen Golf als 1.5 eTSI ab Herbst nicht nur mit 150 PS, sondern auch mit 130 PS an. Einer von beiden dürfte ganz nach Kundengusto der Favorit sein. Dann kommt man auch um den Dreizylinder herum und hat mit 1,5 Litern Hubraum und vier Brennkammern ab allerdings rund 28.000 Euro mehr Fahrspaß und einen unverändert niedrigen Realverbrauch - auch ohne Stecker und ohne Diesel.

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