VW Wolfsburg

Die Rückrufaktion des VW-Konzerns infolge des Abgas-Skandals kommt nicht wirklich in die Gänge. Bild: Volkswagen

Nach einer mehr als zweimonatigen Hängepartie im Diesel-Skandal von Volkswagen hat der Rückruf für rund 15.000 Golf-Modelle begonnen. Zunächst sollen die Besitzer der Fahrzeuge vom Typ TDI Blue Motion in ganz Europa per Post über die vorgezogene Software-Umrüstung informiert werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gilt der Rückruf in Deutschland damit für knapp 4.000 Golf der sechsten Generation. Genaue Zahlen und Angaben zu den Modellen wollte VW zunächst nicht veröffentlichen.

Der Konzern hatte sich mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf die neue Planung geeinigt, weil es beim ursprünglichen Zeitplan massive Probleme gibt. Für den eigentlich bereits ab Ende Februar vorgesehenen Start der Werkstattbesuche für rund 160.000 Passat-Modelle fehlt trotz umfangreicher Tests nach wie vor eine Freigabe durch das KBA.

Zeitgleich zu den Briefen an die Kunden schaltete VW am Dienstag auch das für die Software-Umrüstung benötigte Update für die etwa 2.000 Vertragswerkstätten frei. "Grundsätzlich sind sie dann ab sofort in der Lage, die Aktion bei den Modellen durchzuführen", sagte ein VW-Sprecher. Das Update gilt aber nur für ausgewählte Modelle des Golfs mit 2,0 Liter-Motor und Schaltgetriebe. Die große Masse des weltweit meistverkauften VW-Modells mit der Betrugssoftware muss damit weiter auf den Rückruf warten.

Nachdem im vergangenen September der weltweite Abgas-Skandal bei Volkswagen bekannt geworden war, hatten die Wolfsburger 2016 zum "Jahr des Rückrufs" ausgerufen. Doch der Rückrufplan ist in den ersten vier Monaten alles andere als glatt verlaufen.

Nachdem im Januar der Pick-up Amarok - rund 8.500 Modelle sind hier betroffen - noch planmäßig startete, muss das anschließend angesetzte Volumenmodell Passat bis heute auf die KBA-Freigabe warten. Offizielle Begründungen gibt es keine. Nach dpa-Informationen sind unter anderem erhöhte Kraftstoff-Verbrauchswerte nach dem Update dafür verantwortlich.

Nach Angaben eines Sprechers der VW-Nutzfahrzeuge wurden bis Anfang Mai rund 6.300 Amarok mit einer neuen Software ausgestattet. Anfang April erteilte das KBA zudem für rund 90.000 betroffene Fahrzeuge der VW-Töchter Audi und Seat die Genehmigung für den Rückruf.

Die große Masse der weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeuge - davon rund 2,5 Millionen in Deutschland - muss damit weiter auf eine Freigabe warten. In der vergangenen Woche hatte auch VW-Chef Matthias Müller erstmals offiziell Probleme beim Rückruf eingeräumt: "Wir sind damit noch nicht so weit, wie wir es gerne wären."

Zahlen nannte Müller aber nicht. Nach Informationen aus Konzernkreisen bezifferte VW intern den Verzug zwischenzeitlich bereits auf rund 250.000 Fahrzeuge. Müller schloss deshalb auch nicht aus, dass der Rückruf nicht wie angekündigt im laufenden Jahr abgeschlossen werden kann.

In Europa dauert die Software-Umrüstung für die 2,0- und 1,2-Liter-Maschinen laut VW rund 30 Minuten. Bei den 1,6-Liter-Motoren muss zudem ein neues Bauteil eingesetzt werden, weshalb die Umrüstung hier rund eine Stunde in Anspruch nehmen soll. Für die Kunden ist der Werkstattbesuch kostenlos, anders als in den USA sollen sie aber keine Entschädigungen erhalten.