Norbert Reithofer breit

Die Weichen für den Wechsel sind gestellt: Norbert Reithofer hinterlässt seinem Nachfolger Harald Krüger ein bestelltes Haus. Bild: BMW Group

Das Finale war wie gemalt. Einer der ersten Frühlingstage in München und weiß-blau auch die Stimmungslage bei BMW. Für das abgelaufene Jahr 2014 lieferte der bayrische Autobauer Prachtzahlen auf breiter Ebene ab. Nie verkaufte die BMW Group mehr Autos als 2014 (2.117.965 Autos, der Konzernumsatz kletterte um 5,7 Prozent auf 80.401 Milliarden Euro und natürlich bedeuten auch die 10,3 Prozent Steigerung beim Konzernergebnis vor Steuern einen neuen Rekordwert (8.707 Milliarden Euro). Auch beim letzten kleinen Rätsel – der EBIT-Marge des Konzerns – überraschte der Autobauer positiv. Denn die Bayern standen durchaus im Verdacht, ihren Absatzzuwachs mit schweren Incentives erkauft zu haben. Offenbar haben sie auch hier die Balance gefunden: Die 9,6 EBIT-Marge im Automobilsegment, die Finanzchef Friedrich Eichiner verkündete, liegen am oberen Ende der selbstgesteckten Erwartungszone von 8 – 10 Prozent.

Wo alles so gut läuft, sollen auch die Mitarbeiter nicht darben: Selbstverständlich gab es auch für die eine Prämie in neuer Rekordhöhe.

Nun kennt man ja das Spielchen, dass zum Abschied eines hochverdienten Unternehmenslenkers die Zahlen gerne mal aufgehübscht wurden.

Wohl nicht nur deshalb hob Reithofer bei seinem finalen Auftritt als BMW-Chef hervor, dass man auch im laufenden Jahr neue Bestmarken in allen Bereichen anstrebe.

In seiner sachlichen, aber selbstbewussten Art erinnerte der scheidende Unternehemschef, der, wenn er im Mai an seinen Nachfolger Harald Krüger übergibt, nahtlos an die Spitze des Aufsichtsrats rückt, an die entscheidenden Weichen, die in seiner Ägide gestellt wurden. So sei die Strategie Number ONE voll aufgegangen. Im Zeitraum zwischen 2007 und 2014 stieg der Absatz um 40 Prozent. Mit einer ausgefeilten Nischenstrategie – die derzeit freilich etwas ausgereizt wirkt – gab es fünf Rekordjahre in Folge.

Reithofers wichtigste Entscheidung auf der Produktseite: die wirtschaftliche gute Lage des Autobauers nutzte er, um massiv in den E-Auto-Bereich einzusteigen und den i3 und den i8 auf die Straße zu bringen. Anfangs wurde er für die Strategie belächelt. Zwar tun sich die Modelle beim Absatz schwer, technologisch hat sich BMW mit dem Move aber in die erste Reihe befördert. Und: bei kommenden Plug-in Hybrden profitiert der Autobauer von den Erfahrungen mit der Elektrifizierung, beim Leichtbau von den Erfahrungen mit Karbon. Bereits der im September kommende 7er BMW hat einen erheblichen Karbonanteil.

Aber nicht nur bei den Produkten und der Produktstrategie bewies Reithofer Umsicht und Weitsicht. Seine ganze Souveränität zeigte sich im Gefolge der Finanzkrise 2007, dem in Folge zusammen brechenden US-Markt, getoppt von der schweren Euro-Krise.

Sicher durch Krisen gesteuert

Auch da verordnete Reithofer früher als andere einen harten Sparkurs. 8.000 Stellen wurden gestrichen, Milliarden Euro eingespart. Trotz der tiefen Einschnitte sorgte die moderierende Art des Chefs dafür, dass der Sparkurs nach außen weitgehend geräuschlos über die Bühne ging. Die Münchner waren es denn auch, die am geschmeidigsten aus der harten Phase heraus kamen. Lohn ist die klare Führerschaft im Premiumsegment.

Das soll auch 2020 so sein. Reithofer kann aus der Warte des Aufsichtsrats verfolgen, ob “sein Mann” Krüger, die glänzende Vorlage nutzen kann.

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Aus München berichtet Frank Volk