Sowohl in den USA als auch in Deutschland testet Bosch seit Anfang 2013 das automatisierte Fahren mit Erprobungsfahrzeugen im öffentlichen Straßenverkehr. Bild: Bosch

Sowohl in den USA als auch in Deutschland testet Bosch seit Anfang 2013 das automatisierte Fahren mit Erprobungsfahrzeugen im öffentlichen Straßenverkehr. Bild: Bosch

“Das automatisierte Fahren kommt über den boomenden Markt der Fahrerassistenz”, so Hoheisel weiter. Der Umsatz von Bosch lege in diesem Bereich aktuell jährlich um ein Drittel zu. Großer Nachfrage erfreuen sich zum Beispiel die Sensoren von Bosch: Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen ein Rekordvolumen von mehr als 50 Millionen Umfeldsensoren für die Fahrerassistenz ausgeliefert. 2015 werde sich wie schon 2014 der Absatz von Radar- und Videosensoren erneut verdoppeln. Bei Radarsensoren, wie sie zum Beispiel für die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung (ACC) zum Einsatz kommen, ist Bosch nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Im kommenden Jahr soll der 10-millionste Radarsensor (77 GHz) vom Band laufen.

Bosch arbeitet bereits seit längerem am Automatisierten Fahren – allein und zusammen mit Partnern. Zuletzt hatte Bosch am 7. Juli ein Forschungsprojekt unter Leitung von Bosch angekündigt, das die Grundlagen für eine besonders effiziente Nutzung moderner leistungsfähiger Hardware schaffen soll. An dem Projekt AMALTHEA4public arbeiten 21 Partner aus Deutschland, Schweden, Spanien und der Türkei. Die deutschen Projektpartner konzentrieren sich dabei vorrangig auf die Anforderungen der Automobilindustrie. AMALTHEA4public läuft bis August 2017.

Auch die Mitarbeiterzahl im Bereich Automatisiertes Fahren wächst: An der Weiterentwicklung der Fahrerassistenz arbeiten bei Bosch inzwischen rund 2.000 Entwickler ? gut 700 mehr als noch vor zwei Jahren. “Auf dem Weg hin zu selbstfahrenden Autos werden wir noch viele neue Assistenzsysteme auf den Markt bringen”, kündigt Hoheisel an. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen fließen bei Bosch eins-zu-eins in die Entwicklung des automatisierten Fahrens und geben ihr einen Schub, so der Automobilzulieferer.

2020 sollen Autos bereits automatisch auf der Autobahn fahren, so wie es Bosch-Prototypen seit Anfang 2013 auf der Autobahn A81 und der US-Interstate I280 tun. Voraussetzung ist, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen mit den technischen Möglichkeiten Schritt halten. Limitierend wirkte sich bislang etwa die Wiener Straßenverkehrskonvention von 1968 aus. Demnach müssen Fahrer ständig die Kontrolle über ihr Auto haben, was hochautomatisiertes Fahren ausschließt. Anpassungen der nicht nur für Deutschland gültigen Rechtsgrundlage deuten sich aber an: Automatisierte Fahrfunktionen sollen erlaubt werden, wenn der Fahrer sie aktiv übersteuern oder ausschalten kann. Eine entsprechende Überarbeitung der Regelung wird aktuell diskutiert. Eine weitere Hürde stellt die Validierung dar. Zur Serienfreigabe eines Autopilot-Systems müssten nach gängigen Methoden mehrere Millionen Testkilometer absolviert werden. Auch hier arbeitet Bosch an neuen Ansätzen.

Automatisiertes Fahren kann Leben retten

Motivation für die Entwicklung des automatisierten Fahrens bei Bosch ist die Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr. Weltweit sterben jedes Jahr schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen durch Verkehrsunfälle. In 90 Prozent der Fälle ist menschliches Fehlverhalten schuld. “Die richtige Unterstützung in kritischen Verkehrssituationen kann Leben retten”, sagt Hoheisel. Laut Prognose der Bosch-Unfallforschung kann die zunehmende Automatisierung die Unfallzahlen weiter senken, allein in Deutschland um bis zu ein Drittel. Automatisiertes Fahren macht den Straßenverkehr aber nicht nur sicherer, sondern auch effizienter. So erhoffen sich US-Studien bei Autobahnfahrten dank vorausschauender Fahrstrategie Kraftstoffeinsparungen von bis zu 39 Prozent.

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ks