Michael Brecht, Daimler

Fordert Rücknahme der jetzt in Brasilien ausgesprochenen Kündigungen: Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht. Bild: Daimler

Die Forderung machte der Betriebsrat via Pressemitteilung publik, kurz nachdem der Autobauer den Rausschmiss von 1.500 Mitarbeitern zum 1. September bekannt gegeben hat. Dieses Vorgehen, poltert Brecht, sei “für die Belegschaft und das Untrernehmen gleichermaßen untragbar”. Er forderte die umgehende Rücknahme der Kündigungen und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Seit Monaten schwelt ein Konflikt zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern bei Mercedes-Benz do Brasil über die Folgen des drastischen Rückgangs des brasilianischen Nutzfahrzeugmarkts für die Belegschaft im Produktionswerk Sao Bernardo do Campo. Dieser ist nun eskaliert: am vergangenen Freitag (21. August) wurde 1.500 Beschäftigten die Kündigung zum 1.September zugestellt.

Daraufhin ist die Belegschaft des Werkes mit rund 10.000 Beschäftigten mit Beginn der Frühschicht am Montag (24. August) in einen unbefristeten Ausstand getreten, um die Unternehmensleitung zur Rücknahme der Kündigungen zu bewegen. Seit Beginn des Jahres verhandeln Unternehmensleitung und die Metallarbeiter-Gewerkschaft CNM/CUT über die Zukunft der Beschäftigung im brasilianischen Nutzfahrzeug-Werk.

Hintergrund der Entwicklung ist ein drastischer Rückgang des brasilianischen Marktes für Nutzfahrzeuge. Erwartet wird, dass er in diesem Jahr um über 40 Prozent gegenüber 2014 schrumpft ? ausgehend von einem ohnehin schon vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Leitung von Mercedes-Benz do Brasil und die Gewerkschaft CNM/CUT haben bisher verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen zur Anpassung des Personalstands an die veränderte Situation vereinbart. In den letzten Jahren haben mehr als 2.000 Beschäftigte über freiwillige Ausscheidungsvereinbarungen das Unternehmen verlassen. Inzwischen hat die brasilianische Regierung auf die insgesamt schwierige Situation im Land mit einer neuen Initiative zur Kurzarbeit reagiert. Auch dieses Instrument wurde bei Mercedes-Benz do Brasil bereits genutzt. In den letzten zwei Wochen ruhte die Produktion im Werk Sao Bernardo.

Michael Brecht: “Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Regierung in Anlehnung an das Vorbild aus Deutschland das Instrument der Kurzarbeit geschaffen hat. Solche Maßnahmen, die die Interessen der Belegschaft und der Firmen berücksichtigen, gehen in die richtige Richtung.”

Ende Mai 2015 eskalierte die Situation erstmalig als 300 Beschäftigten gekündigt wurde. Die Betroffenen protestierten mit dem Aufbau einer Zeltstadt vor dem Werk gegen diese Entscheidung. Weitergehende Maßnahmen zur Personalanpassung, die das Unternehmen zuletzt einforderte und die mit weiteren erheblichen Entgeltkürzungen verbunden wären, wurden von den Mitarbeitern mit einer deutlichen Mehrheit von abgelehnt.

Das Unternehmen fordert nun erneut Lohnverzicht zur Bewältigung der strukturellen Probleme bei MB Brasil. Die CNM/CUT hat dies vor dem Hintergrund des im Juli ergangenen Votums der Belegschaft in Verhandlungen entschieden abgelehnt, woraufhin die Unternehmensleitung die Verhandlungen in der vergangenen Woche platzen ließ und am Freitag die 1.500 Kündigungen aussprach, so der Gesamtbetriebsrat in der Mitteilung.

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fv