| von Wolfgang Gomoll

Über kaum ein Thema wird in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert wie über das Automobil. Die einen sehen in dem Vehikel den Ausdruck persönlicher Freiheit, für andere ist das Gefährt der Klimakiller Nummer eins. Wie steht es eigentlich bei den Autofahrern? Kommt die Klimadebatte am Lenkrad an oder lassen sich die Deutschen den Spaß an der Mobilität nicht verderben? Wie es um die Stimmung bei den Autofahrern bestellt ist, zeigt seit 46 Jahren der alljährliche Report der Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT).

Das Barometer, das das Marktforschungsinstitut GFK erstellt hat, ist eindeutig: 79 Prozent der Pkw-Halter macht das Autofahren Spaß, allerdings beklagen 80 Prozent das hohe Verkehrsaufkommen und die zunehmenden Staus. Angesichts dieses Ergebnisses lässt aufhorchen, dass sich 84 Prozent der Autofahrer ohne ihr Fahrzeug in ihrer Mobilität eingeschränkt fühlen. Offenbar mangelt es in den Augen der Autofahrer an noch einem schlüssigen Massentransportkonzept.

Bei der Elektromobilität ist das Interesse eher überschaubar. Lediglich zwölf Prozent der Neuwagenkäufer haben sich intensiv mit einem E-Mobil befasst, geht es um einen gebrauchten Stromer, halbiert sich dieser Wert sogar. Noch desaströser fällt die Befragung für den Wasserstoffantrieb aus: Da sind es fünf Prozent der Neuwagen- und drei Prozent der Gebrauchtwagenkäufer, die sich genauer damit auseinandergesetzt haben.

Auto immer noch beliebt

Dass die CO2-Debatte dennoch das Kaufverhalten beeinflusst, zeigt die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der Neuwagenkäufer (68 Prozent) sogar bereit sind, mehr Geld für einen Wagen auszugeben, der weniger Sprit verbraucht - bei den Gebrauchtwagenkäufern würden immerhin noch 58 Prozent den Geldbeutel weiter öffnen. Spannend wird es, wenn es um die CO2-Emissionen geht. Da sitzen die Spendierhosen bei weiten nicht so gut: Denn nur 53 Prozent der Neuwagenkäufer und nur 39 Prozent der Deutschen, die sich für einen Gebrauchtwagen entscheiden, würden für eine Reduzierung der Abgase mehr Scheine auf den Tisch legen.

Dennoch geben die Deutschen für ihr liebstes Kind nach wie vor gerne Geld aus. Der tatsächlich bezahlte Durchschnittspreis für einen Neuwagen liegt bei 33.580 Euro - der Spitzenwert seit Bestehen des DAT-Reports. Bei einem gebrauchten Auto sind es 12.470 Euro - ebenfalls der Topwert. Nicht besonders begeistert sind die deutschen Autofahrer von der Idee, ihr Gefährt mit anderen zu teilen: Lediglich 16 Prozent der Neuwagenkäufer und 18 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer könnten sich mit diesem Konzept anfreunden. Immerhin ist bei beiden Gruppen die Akzeptanz im Gegensatz zu 2015 gestiegen, als die Werte bei den Neuwagenkunden noch im einstelligen Bereich lagen.

Das Internet wird wichtiger

Und wie sieht es mit den Assistenzsystemen aus? Ist das Land der Dichter und Denker technikaffin oder doch eher gegenüber den Sensoren, Kameras und Computerchips skeptisch eingestellt? Satte 90 Prozent der Neuwagenkäufer befürworten die elektronischen Helfer, da sie das Agieren im Verkehr sicherer machen. Von den Pkw-Haltern sprechen sich immer noch über drei Viertel (77 Prozent) für die Assistenten aus. Wenn es um die höheren Reparaturkosten geht, die solche Systeme verursachen können, haben die Halter der Fahrzeuge offenbar schon ihre Erfahrungen gesammelt, denn 74 Prozent stimmen dieser These zu, während es bei den Neuwagenkäufern lediglich 59 Prozent sind.

Beim Autokauf müssen die Youtuber und Blogger ihr schiefsitzendes Baseball-Käppi geraderücken, denn nur sechs Prozent der Neuwagenkäufer ziehen Blogs, Foren oder soziale Netzwerke zurate, YouTube-Videos schauen sich elf Prozent an. Testberichte lesen doppelt so viele und am wichtigsten ist die Webseite des Autobauers (54 Prozent) beziehungsweise der Konfigurator (46 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Fahrzeuge, die sich die Deutschen neu in die Garage stellen, werden ganz oder teilweise finanziert. Betrachtet man das Gesamtbild und addiert man alle geleasten und finanzierten Fahrzeuge, werden 77 Prozent aller Neuwagen entweder geleast oder finanziert, nur 23 Prozent wurden ohne Finanzierung erworben. Vor allem das Privatleasing ist im Jahr 2019 mit 22 Prozent deutlich gestiegen.