Immer weniger wollen einen Diesel-Pkw fahren.

Die Neuzulassungen für Diesel-Pkw gehen dramatisch zurück: Mit 44,6 Prozent liegt der Dieselanteil auf dem niedrigsten Wert seit April 2011.

Seit April 2011 war der Anteil der in Deutschland neu verkauften Diesel-Pkw nicht mehr so tief wie jetzt. Mit 44,6% im September 2016 liegt der Diesel-Anteil auf seinen niedrigsten Wert seit 66 Monaten. Obwohl bereits im Monat August mit 45,3% ein 65 Monatstiefstand vorlag, sind die Anteile im September weiter eingebrochen. Der Diesel verliert in rasantem Tempo Marktanteile.

Pkw-Diesel-Anteile in Deutschalnd seit Oktober 2015.
Abb. 1: Die Entwicklung der Pkw-Diesel-Anteile in Deutschalnd seit Oktober 2015. Bild: CAR

Noch im Januar des Jahres 2015 wurden 50,6 Prozent aller Neuwagen als Diesel gekauft. Mit Dieselgate hat die große Käufer-Verunsicherung eingesetzt. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sich die Talfahrt in den nächsten Monaten weiter beschleunigt. Der Diesel-Antrieb ist zum Risikofaktor geworden. Diskussionen um blaue Umweltplaketten, um Diesel-Fahrverbote in deutschen Großstädten nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts in Düsseldorf, die permanente Verletzung der Luftreinhaltqualität in mehr als 40 deutschen Ballungszonen mit dem Stickoxid-Hauptverursacher Diesel immer stärker zu.

In Abb. 1 des CAR (Center Automotive Research) an der Universität Duisburg-Essen ist der Verlauf der Einbruch der Dieselanteile seit Ausbruch des Dieselskandals im Jahr 2015 eingezeichnet. Gleichzeitig ist hier eine Prognosefunktion, aufbauende auf den letzten 12 Monaten nach Dieselgate erstellt worden und in Abb. 1 eingezeichnet. Das Ergebnis: Bereits vor dem Ende des Jahres 2017 wird der Dieselmarktanteil in Deutschland unter 40 Prozent fallen. Dabei ist die Prognose eher konservativ, denn die Geschwindigkeit der negativen Meldungen zum Diesel steigt, Fahrverbote und blaue Plaketten rücken näher.

Brisant: Kaum technische Lösungen für echten Fahrbetrieb

Wie brisant das Thema Diesel für die Autobauer ist, zeigen die Abgastests zu Diesel-Neuwagen von unabhängigen Prüf-Instituten. Selbst die Euro-6-Dieseltechnologien verletzen im echten Fahrbetrieb in Großstädten deutlich die EU-Grenzwerte. Auf der einen Seite würden die Kosten davon laufen, sollten die großflächigen Zusatzreinigungen eingebaut werden. Zum anderen wären laut dem CAR die einigermaßen akzeptierbaren, zeitlichen Umrüstungspläne bei den neuen Fahrzeugen für die meisten Autobauer so gut wie ausgeschlossen.

  BMW X5 sDrive 25d Opel Mokka 1.6 CDTI Renault Espace dCi 160 Renault Megane dCi 160 Seat Leon 2.0 TDI VW Tiguan 2.0 TDI 4M Volvo XC 90 D5
Stadt (g/km) 0,247 0,209 2,41 1,215 0,19 0,066 0,629
Grenzwert (NOx g/km) 0,08 0,08 0,08 0,08 0,08 0,08 0,08
Überschreitung 3,1-fache 2,6- fache 30,1- fache

15,2- fache

2,4-fache keine

7,9- fache

 

Wie schlecht die Dieseltechnik im realen Fahrbetrieb beim Schlüsselthema Stickoxid (NOx) funktioniert zeigt die Tabelle. Das Analyse-Institut „Emission Analytics“ hat neue Abgastests durchgeführt und herausgefunden, dass selbst neue Premium-Modelle wie der BMW X5 oder Volvo XC 90 die Grenzwerte im Stadtbetrieb bis zu dem 7,9-fachen überschreiten. Die Großraumlimousine Renault Espace zeigt gar Limit-Überschreitungen bis zum 30-fachen. Wie hier schnelle Lösungen aussehen können und was sie kosten würden ist eine mehr als offene Frage. Damit könne laut CAR nicht ausgeschlossen werden, dass mögliche Dieselfahrverbote in Großstädten selbst auf Neuwagen zukommen, die mit der Norm Euro 6 zertifiziert sind.

Deutsche Autokäufer proben Ausstieg aus Diesel

Am höchsten ist der Dieselanteil bei Firmenwagen, der Domäne der deutschen Autobauer, mit noch knapp 70 Prozent. Im ersten Halbjahr 2015 – also vor dem Dieselgate – lag der Anteil noch bei 75 Prozent. Ähnliches gilt im Markt für Privatkäufer: Hier waren nur noch 29 Prozent aller Neuwagen in den letzten Monaten noch mit Dieselantrieb. Hier lag im ersten Halbjahr 2015 der Anteil bei 33 Prozent. Laut dem CAR ginge es nun mit dem Diesel rapide nach unten und die Zulassungsstatistik reagiert eher zeitverzögert – denn Neuwagen, die heute kundenindividuell bestellt werden haben zu Teil Lieferzeiten von drei Monaten und mehr.

  2014 2015 Jan-Aug 2016 Diff.
2015/2016
Audi 67,4% 68,1% 66,3% -1,7%
BMW-Mini 67,9% 63,2% 59,4% -3,8%
VW 53,6% 54,5% 51,5% -3,0%
Mercedes-Smart 54,6% 52,3% 50,8% -1,4%
Gesamtmarkt 47,9% 48,1% 46,8% -1,3%
Ford 44,2% 45,4% 48,3% 2,8%
Porsche 36,8% 38,9% 33,2% -5,7%
Opel 30,9% 29,2% 28,2% -1,0%

In den nächsten Monaten muss man mit weiteren Gerichtsurteilen gegen den Diesel rechnen. Düsseldorf sei nur ein Anfang. Sobald die erste Durchfahrtsperre ausgesprochen wird, würde laut CAR auch die Gebrauchtwagenpreise für Diesel-Pkw fallen. Schlechtere Gebrauchtwagenpreise implizieren höheren Wertverlust und damit beim Leasing höhere Leasingraten. Damit dürfte dann das wichtige Firmengeschäft in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei Firmenfahrzeugen hat der Diesel eine besondere Rolle.

Ein Jahr nach dem VW-Skandal ist laut CAR deutlich erkennbar, dass sich die Welt der Autobauer geändert hat. Man müsse schneller Auswege aus dem Diesel finden, erklärt das Center. Der schnelle Ausstieg sei aber nicht umsonst zu haben. Die Gewinne der deutschen Autobauer werden durch die Rückgänge im Dieselgeschäft tangiert. Gerade bei Firmenwagen sind Diesel-Fahrzeuge hoch motorisiert, also mit hohen Gewinnen versehen. Ein Umstieg auf Benzin bedeutet oft auch einen kleineren Motor, und damit weniger zusätzlicher Gewinn.

2016 bleibt noch eine Art „Übergangsjahr“ wie die Trendprognose aus Abb. 1 zeigt. Im Jahr 2017 ist das gute Echo verhallt, die Dieselanteile bewegen sich auf die 40-Prozent-Grenze. Das schmerzt die deutschen Autobauern am stärksten und die Gefahr steigt, dass zusätzlich Strafzahlungen an die EU wegen Nicht-Erfüllung der CO2-Wert geleistet werden müssen. Der Ausstieg aus dem Diesel ist für die Aktionäre schmerzlich.

  2013/01 2013/02 2013/03 2013/04 2013/05 2013/06 2013/07 2013/08 2013/09
Diesel 50,2% 48,4% 46,3% 46,3% 47,8% 46,3% 47,0% 46,6% 47,4%
  2013/10 2013/11 2013/12 2014/01 2014/02 2014/03 2014/04 2014/05 2014/06
Diesel 48,4% 48,7% 48,0% 50,1% 48,5% 46,5% 48,0% 49,0% 46,9%
  2014/07 2014/08 2014/09 2014/10 2014/11 2014/12 2015/01 2015/02 2015/03
Diesel 49,0% 46,1% 45,6% 47,5% 49,1% 48,6% 50,6% 48,7% 46,9%
  2015/04 2015/05 2015/06 2015/07 2015/08 2015/09 2015/10 2015/11 2015/12
Diesel 48,3% 48,0% 47,6% 49,0% 46,7% 47,0% 47,9% 49,9% 47,4%
  2016/01 2016/02 2016/03 2016/04 2016/05 2016/06 2016/07 2016/08 2016/09
Diesel 48,9% 47,3% 46,6% 47,1% 46,3% 46,1% 47,2% 45,3% 44,6%