Johann Jungwirth bei der Präsentation in Las Vegas.

Johann Jungwirth bei der Vorstellung der Partnerschaft mit Aurora in Las Vegas. Bild: Volk

Es war eine Erstbegegnung so ganz im Startup-Stil: im Mandarin Oriental Hotel in Las Vegas hatten sich gut zwei Dutzend Journalisten eingefunden, um erstmals nach Bekanntgabe der Partnerschaft einen tieferen Einblick zu geben, was der Autogigant aus Wolfsburg und das junge US-Unternehmen Aurora miteinander vorhaben. Dabei erfuhren die auf Polsterhockern sitzenden Journalisten, dass da offenbar eine ganz große Beziehung unter Mobilitätsvisionären geknüpft wurde, die sich schon lange schätzen. JJ Jungwirth lernte Chris Urmson vor sieben Jahren kennen. Damals war der Aurora-Gründer  noch Kopf des weltweit stark beachteten Google-Projekts zur Entwicklung selbstfahrender Autos. Seit der Zeit ist der Kontakt nie abgerissen. Nachdem Urmson dann 2016 ziemlich überraschend bei Google ausgestiegen war und mit Sterling Anderson und Drew Bagnell zwei Top-Leute von Tesla und Uber mit in die Führungsspitze von Aurora geholt hatte, habe man sehr schnell Kontakt zu dem Start-up gesucht, so Jungwirth. Die Zusammenarbeit startete vor einem Jahr, also unmittelbar nach  der Gründung von Aurora und wurde vor sechs Monaten erheblich intensiviert.

Die Partnerschaft bedeute einen riesigen Sprung für VW bei der Entwicklung des autonomen Fahrens, zeigte sich Jungwirth überzeugt. Chris Urmson wiederum schwärmte geradezu von den enormen Möglichkeiten, die sich für Aurora ergeben. Die Energie, mit der Volkswagen an der Realisierung der Mission vom selbstfahrenden Auto arbeite, habe ihn „tief beeindruckt“.

Es blieb aber nicht nur bei gegenseitigen Lobgesängen, JJ Jungwirth hatte auch handfeste News im Gepäck. So kündigte er an, dass es sich beim ersten Modell aus dem VW-Konzern mit Technologie von Aurora an Bord um das Moia-Shuttle handeln werde. Zum Zeitpunkt äußerte sich Jungwirth nicht, er ließ aber durchblicken, dass möglicherweise noch in diesem Jahr ein solches Fahrzeug zu Testzwecken auf die Straße kommt. 2018 will VW  insgesamt eine „hohe zweistellige Zahl“ voll autonomer Fahrzeuge in den Einsatz bringen und diese dann kontinuierlich steigern.

Der Volkswagen Konzern und Aurora Innovation hatten vor wenigen Tagen im Vorfeld der CES eine strategische Partnerschaft bei der Entwicklung selbstfahrender Elektrofahrzeuge bekannt gegeben. Das junge US-Unternehmen steuert dazu die System-Technologie zu. Im Gespräch bezeichnete JJ Jungwirth die Zusammenarbeit mit Aurora als Schlüssel für das Konzern-Ziel, zum weltweit führenden Hersteller im Bereich nachhaltiger Mobilität aufzusteigen. Jungwirth zeigte sich im Gespräch überzeugt, dass es bereits in weniger als vier Jahren autonome Fahrzeugflotten in einzelnen Städten weltweit geben wird. Damit vertritt der Digitalchef des Wolfsburger Konzerns eine deutlich offensivere Position als etliche Branchenxeperten, die an einen Einsatz im größeren Stil in fünf bis zehn Jahren glauben.