VW Wolfsburg

Der Wolfsburger Autobauer plant die größte Rückrufaktion seiner Geschichte. – Bild: Volkswagen

Das sagte ein Sprecher des Autokonzerns am Dienstag (29.9.) im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Besitzer der betroffenen Fahrzeuge mit 1,2- oder 1,6-Liter-Motor müssten sich auch auf Umbauten an der Hardware ihrer Autos einstellen. Nur bei betroffenen Modellen mit 2,0 Litern Hubraum reicht nach den Worten des Sprechers voraussichtlich ein Software-Update, um die Motoren an die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen.

Volkswagen gibt die Zahl der Autos, in denen eine Software die Abgaswerte nur in Testsituationen unter das offizielle Limit senkt, nach wie vor mit bis zu 11 Millionen an. Letztlich dürften zwar etwas weniger Fahrzeuge betroffen sein, wie der neue Konzernchef Matthias Müller am Montagabend vor Führungskräften des Unternehmens sagte. Volkswagen rechnet für die nötigen Umrüstungen gleichwohl weiter mit enormen Kosten. Schon in der vergangenen Woche hatte der Autohersteller für die Rückrufaktion rund 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Das entspricht rund der Hälfte des in diesem Jahr erwarteten operativen Konzerngewinns.

Austausch der Einspritzpumpe

Die nötigen Umbauten machen deutlich, wofür Volkswagen den Betrag aufwenden wird: Jedenfalls bei Autos mit 1,2- oder 1,6-Liter-Motor müsse der Konzern zusätzlich zum Software-Update die Hochdruckeinspritzpumpe austauschen lassen, sagte der Unternehmenssprecher. Nur so lasse sich sicherstellen, dass die Fahrzeuge trotz der neu programmierten Motorsteuerung mit unveränderter Laufruhe fahren. Hintergrund sei, dass der Motor nach dem Update zwar weniger Stickoxid, doch mehr Rußpartikel produziere. Die Partikel fängt der Rußpartikelfilter auf, der deshalb häufiger freigebrannt werden muss. Dieser Vorgang wiederum beansprucht den Motor zusätzlich.

Der Hardware-Umbau an den 1,2- und 1,6-Liter-Motoren werde je Fahrzeug voraussichtlich “bis zu wenigen Stunden” dauern, sagte der Unternehmenssprecher. Für Kunden sollen die Anpassungen gratis sein, wie Volkswagen immer wieder erklärt.

Fahrzeuge mit dem größeren 2,0-Liter-Motor dürften nach den Worten des Sprechers jedenfalls in Europa allein mit einem Software-Update an die gesetzlichen Anforderungen anzupassen sein. Dieses sei vergleichsweise schnell zu installieren. Der Sprecher stellte für alle betroffenen Motorentypen aber in Aussicht, dass der Kraftstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß leicht ansteigt. Es gehe dabei um einen zusätzlichen Dieselbedarf in der Größenordnung von “0,1 oder 0,2 Litern je 100 Kilometer”.

In den USA, wo Behörden zuerst auf die Abgasmanipulationen aufmerksam gemacht hatten, hat der Volkswagen-Konzern den Angaben zufolge nur Autos mit 2,0-Liter-Dieselmotor verkauft. Gleichwohl sei nicht völlig ausgeschlossen, dass dort in einer Rückrufaktion Hardware-Umbauten nötig seien, sagte der Sprecher. Der Grund dafür seien die in den USA schärferen Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß. Ob sich der betroffene 2,0-Liter-Motor auch an diese lediglich durch ein Software-Update anpassen lassen, sei nicht endgültig geklärt.

Der Sprecher wies zudem darauf hin, dass Volkswagen alle Veränderungen zunächst mit den Behörden in den verschiedenen Verkaufsregionen abstimmen will. Dafür werde der Konzern “den Oktober nutzen”, sagte der Sprecher.

Unter den von den Abgasmanipulationen betroffenen bis zu 11 Millionen Fahrzeugen des VW-Konzerns sind nach Angaben des Unternehmens rund 5 Millionen Autos der Kernmarke Volkswagen, 2,1 Millionen Audi-, 1,2 Millionen Skoda- und rund 700.000 Seat-Fahrzeuge. Betroffen sind außerdem bis zu 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

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gp / Quelle: Dow Jones Newswires