Mahle

Allem Anschein nach will sich Mahle von seiner Industriefilter-Sparte trennen. Bild: Mahle

Betroffen von einem Verkauf wäre vor allem der Standort Öhringen (Kreis Hohenlohe). Dort arbeiten laut Betriebsrat 420 Beschäftigte im Industriefilterbereich, rund 390 für das Automotive-Geschäft. Die Beschäftigten werden nach Angaben einer Firmensprecherin an diesem Freitag über die Pläne informiert.

Mahle begründet die Pläne damit, dass sich durch neue Eigentümer mit einem stärkeren strategischen Fokus neue Wachstumschancen ergeben. Dadurch könne die Profitabilität schneller als bisher verbessert werden, hofft man bei Mahle. Die Überprüfung soll im zweiten Quartal 2016 abgeschlossen sein. Zu weiteren Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Die Heilbronner Stimme und die Stuttgarter Nachrichten hatten zuvor darüber berichtet.

Beim Betriebsrat stoßen die Pläne auf Unverständnis. Da das Industriefilter- und Autozulieferergeschäft in Öhringen nach Angaben des Betriebsrats eng miteinander verzahnt ist, befürchten die Arbeitnehmervertreter, dass der Verkauf der Industriefilter-Sparte auch negativ auf das Automobilzulieferergeschäft durchschlagen könnte.

Das Industriefilter-Geschäft sei außerdem seit Jahrzehnten ein stabiler Ertragsbringer. “Auch für 2015 wird ein Millionengewinn erwartet. Das hat dem zuweilen stark schwankenden Automotive-Geschäft immer geholfen”, sagte die Vorsitzende des Betriebsrates Sonja Hanselmann.

Andere Zulieferer hatten ihr Geschäft zuletzt eher breiter aufgestellt, um unabhängiger von der Autobranche zu werden. Mahle stellt für die Industrie neben Filtern auch Großmotoren-Komponenten, Kühlmodule sowie Wasserfilter her. Zuletzt beschäftigte der Konzern weltweit knapp 67 000 Mitarbeiter, in Deutschland waren es 14 000. Der Betriebsrat verhandelt derzeit über eine Beschäftigungssicherung der 30 deutschen Standorte.

Der Standort in Öhringen ist nicht der einzige Bereich, den Mahle überprüft. Zu den Plänen der Mahle-Geschäftsführung gehört laut Betriebsrat auch ein Filterwerk in Hamburg mit etwa 30 Beschäftigten zu verkaufen, sowie ein Personalabbau im Werk in Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall). Anfang Oktober hatte Mahle bereits angekündigt, seine Lager in Schwäbisch Hall mit gut 90 Mitarbeitern bis Ende 2018 zu schließen. Die Firmenspitze hatte Anfang des Jahres angekündigt, an 5 der 30 Standorte in Deutschland wegen des hohen Wettbewerbsdrucks den Rotstift zücken zu müssen. Die Personalkosten sollen um 15 Prozent gesenkt werden. Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite laufen.

Die Geschäfte bei Mahle weltweit laufen eigentlich nicht schlecht. Für 2015 peilt der Konzern dank der Übernahmen der vergangenen Jahre einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro bis 11,6 Milliarden Euro an, verglichen mit vor fünf Jahren wäre das mehr als eine Verdopplung (5,3 Milliarden Euro). Im 1. Halbjahr hatte Mahle auch dank der jüngsten Übernahmen seine eigenen Wachstumsziele übertroffen. Der Gewinn war vor allem wegen Rückstellungen für Betriebsrenten unterm Strich aber um elf Prozent auf 130 Millionen Euro zurückgegangen.

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gp / Quelle: dpa-AFX