Leoni Bordnetz

Nach eigenen Angaben hat Leoni vor allem in der Bordnetz-Sparte Probleme. Bild: Leoni

Händler und Analysten sprachen von einem “Desaster” bei dem MDax-Konzern. Die Anleger sahen es ebenso. Der Aktienkurs des Nürnberger Kabel- und Bordnetz-Spezialisten brach um ein Drittel auf 35,55 Euro ein. Tiefer hatten die Papiere zuletzt 2013 geschlossen.

Im Sog fielen die Aktien von Continental im schwachen Dax um 1,64 Prozent. Die Anteilsscheine der ebenso wie Leoni im MDax notierten Zulieferer Dürr, ElringKlinger, Hella und Norma Group büßten zwischen rund 5 und knapp 7 Prozent ein.

Zur Krisenstimmung passte ein Pressebericht, wonach Autozulieferer durch den VW-Abgasskandal generell noch stärker unter Druck geraten könnten. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Konzernkreise berichtete, will VW bei den Zulieferern rund 3 Milliarden Euro einsparen.

Bei Leoni war der Gewinn im dritten Quartal überraschend gesunken. Nach Unternehmensangaben bereitete die Bordnetz-Sparte Probleme. Im vierten Quartal dürfte die schwächere Entwicklung des Geschäftsbereichs das Ergebnis weiter belasten, hieß es. Leoni gab in der Folge seine Gewinnziele für dieses und das kommende Jahr auf.

Unerwartete Produktionsprobleme

Leoni selbst verwies auf überraschend starke Belastungen im Bordnetz-Segment vor allem im September. Dort habe das beschleunigte Hochlaufen komplexer Projekte in Verbindung mit unerwartet angehobenen Stückzahlen zu vermehrten Aufwendungen und einer verminderten Effizienz geführt.

Schon seit längerem fürchten Anleger, dass die schwächelnde Wirtschaft in den Schwellenländern auf die Autoindustrie voll durchschlägt. Leoni teilte nun mit, dass verschlechterte wirtschaftliche Rahmenbedingungen in China und auch in Russland voraussichtlich zu einer geringeren Nachfrage führen werde. Auch das US-Geschäft mit der Nutzfahrzeugindustrie werde sich wahrscheinlich nicht auf dem bislang geplanten Niveau bewegen.

Die Gewinnwarnung traf viele Analysten und Investoren auf dem falschen Fuß, obwohl der neue Leoni-Vorstandschef Dieter Belle bereits im Sommer den Konzern wegen einer schwächeren Autonachfrage in China auf schwierigere Zeiten eingestimmt hatte.

Der Experte Marc-Rene Tonn von Warburg Research zeigte sich insbesondere von den deutlich reduzierten Zielen des Autozulieferers für 2016 enttäuscht. Er kürzte seine eigenen Annahmen für das operative Ergebnis bis 2017 um bis zu 28 Prozent.

Analyst Holger Schmidt vom Investmenthaus Equinet schrieb, dass Leoni wohl mit unerwarteten Produktionsproblemen zu kämpfen habe, die Ineffizienzen verursacht hätten und nun in überraschend hohen Anlauf- und Produktionskosten mündeten. Dadurch gelinge es dem Unternehmen aktuell anscheinend nicht, den hohen Auftragsbestand für die nächsten fünf Jahre in zufriedenstellende Gewinne umzumünzen.

dpa-AFX