Opel kann die Einführung des "Worldwide harmonized Light Vehicle Test Procedures" (WLTP)-Zyklus kaum erwarten. Der Rüsselsheimer Autobauer gibt jetzt schon die Verbrauchswerte des Astras nach dem neuen Messverfahren an. Dabei ist die Einführung des neuen Test-Zyklus, der den antiquierten NEFZ ablösen soll, erst für nächstes Jahr geplant. Mit dem WLTP soll die Wirklichkeit des Straßenverkehrs realistischer abgebildet werden als bisher. Deswegen wird im neuen Verfahren öfter beschleunigt und härter gebremst, die Höchstgeschwindigkeit wird auf 131 km/h angehoben und die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt bei diesem Test 47 km/h. Mit 30 Minuten dauert der WLTP-Zyklus auch deutlich länger als der NEFZ (knapp 20 Minuten).

Allerdings wird dieses Verfahren auch auf Rollprüfständen durchgeführt. Das ist die Krux bei diesem Testverfahren. Die Behörden der USA haben sich den WLTP angeschaut und bereits dankend abgelehnt. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher beim VCD, begrüßt die Kombination aus Tests auf dem Rollenprüfstand und auf der Straße: "Der WLTP-Zyklus alleine reicht nicht aus. Tests auf der Straße sind nötig, um realistische Verbrauchswerte darzustellen. Dies sieht das EU-Parlament ähnlich und hat diese RDE (Real Driving Emissions) bereits durchgewunken. Gemessen wird mit sogenannten PEMS-Geräten (Portable Emission Measurement System, dt.: Tragbares Emissions-Messungs-System). Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßt die WLTP-Richtlinien. Präsident Matthias Wissmann, selbst ehemaliger Verkehrs-Minister sagte im Februar: "Das heutige Votum der EU-Parlamentarier ist eine gute Nachricht, für den Verbraucher und den Umweltschutz. Die Abgasmessungen im Straßenverkehr (Real Driving Emissions) bringen den Kunden mehr Klarheit und Zuverlässigkeit...”"

Das ist für den VCD nicht genug, der Verkehrsclub bemängelt, "dass Autos aufgrund der Straßenmessungen einen höheren Grenzwert genehmigt bekommen als zuvor beim Test im Labor." Nach dem Willen des EU-Parlaments wird der NOx-Wert ab September 2017 auf der Straße gemessen, doch für den VCD ist es nur schwer nachvollziehbar, dass Neufahrzeugen zunächst ein NOx-Bonus mit dem Faktor 2,1 gewährt wird, der 2020 auf 1,5 gesenkt wird und ab 2021 komplett wegfällt. Zur Verdeutlichung: Bei den aktuellen Bestimmungen wären bei einem Rollenprüfstand-Ergebnis von 80 mg NOx/km dann 168 mg NOx/km erlaubt.

Der VCD fordert außerdem, dass die Kontrolle über diese Tests weg vom Kraftfahrzeug Bundesamt (KBA) hin zum Umweltbundesamt beziehungsweise dem Umwelt-Bundesministerium gegeben wird. Die Umsetzung dieser Zusatz-Prüfungen ist ziemlich einfach. Bei Stichproben sollen Autos direkt vom Band, fast neue Fahrzeuge von Kunden oder direkt aus dem Autohaus unter die Lupe genommen werden. Die Durchführung des neuen Prozederes müsste einfach umzusetzen sein. Der WLTP wird auf den gleichen Rollständen gemessen wie der bisherige NEFZ. Lediglich das Testprofil wird verändert. Der CO2-Grenzwert von 95 g/km, der 2020/21 erreicht werden soll, basiert ja noch auf dem NEFZ. Viele Hersteller fragen sich jetzt, welche Fahrzeuggattung von den neuen Tests profitieren werden, und welche Effekte beziehungsweise Technologien sich positiv auf das Ergebnis auswirken. Momentan laufen bei BMW & Co. die Prüfstände heiß, um da neue Werte zu ermitteln. Die ICCT (The International Council on Clean Transportation) hat bereits Berechnungen angestellt, wie sich der Wechsel zu dem neuen Zyklus auswirken könnte: Demnach vermutet das Institut, dass der CO2-Grenzwert von 95 g/km (NEFZ) 100 beziehungsweise 102 g/km beim WLTP-Zyklus entspricht, abhängig von der Temperatur, bei der der Motor gestartet wird.