Vice President Digial Strategie BMW Group, Jens Monsees.

BMWs Chefstratege Digital Jens Monsees erläuterte Bettina Mayer, Chefredakteurin der AUTOMOBIL PRODUKTION, die neuen Geschäftsmodelle. Bild: BMW

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht die Digitalisierungsstrategie der BMW Group aus?
Unser aktuelles Geschäftsmodell besteht darin, Autos zu verkaufen. Das wächst und ist erprobt. Aber wir wandeln uns vom traditionellen OEM hin zu Smartcars und Digital Services – und das, ohne unser Stammgeschäft zu vernachlässigen. Wir verkaufen so im Durchschnitt alle dreieinhalb Jahre ein Auto an unsere Kunden. Parallel dazu bauen wir zusätzlich ein anderes Geschäftsmodell auf: Mobility-as-a-Service oder Car-as-a-Service. Hier verkaufen wir quasi nur gefahrene Kilometer. Die Idee dahinter lautet Wachstum und solide Profitabilität. Der Nutzer steht im Mittelpunkt und kann sich je nachdem, was er gerade braucht – ob er zu Ikea fährt oder zum Cruisen auf die Leopoldstraße – das jeweilige Modell auswählen, das genau zu dieser einen Fahrt passt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Im Stau steht der Kunde aber in beiden Geschäftsmodellen…
Bei Mobility-as-a-Service spielen nicht nur die verschiedenen Fahrzeuge eine Rolle, sondern das Modell ist intermodal: kombiniert das Fahrzeug mit Nahverkehr, Fernverkehr, Flugverkehr, aber auch E-Bikes. Dabei ist die BMW Group in erster Linie Connector, hier verkaufen wir eine ganze Welt als Service. Denkt man das Geschäftsmodell weiter, geht es in Richtung Connected-Life. Da kommen dann auch ganz viele neue Player ins Spiel, die dem Kunden heutzutage schon sehr viel über das Smartphone abnehmen. Ein Beispiel: Ich will zu einem Champions League Spiel. Dann brauche ich ein Ticket, ich brauche ein Hotel, ich will mich mit Freunden treffen, ich will vielleicht nachher feiern gehen und so weiter. Hier ist das Thema Mobilität noch drin, im Fokus steht aber ein Erlebnis.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit welchen Rendite-Rivalen rechnen Sie künftig?
Es geht in der Tat um die Frage, wer macht die Wertschöpfung in welcher Stufe. Wir bereiten uns auf die neuen digitalen Player wie Google, Amazon, Facebook, aber auch Tencent, Alibaba und Baidu vor. Ich glaube, dass Smartcars, Car-as-a-Service und Mobility-as-a-Service sich derzeit manifestieren als die kritischen Szenarien, wo im Moment noch nicht klar ist, wer denn da wie die entsprechende marktdominierende Stellung einnehmen wird.

Wo steht BMW in dieser Transformation gerade?
Wenn das autonome Fahren kommt, dann wird sich in den Geschäftsmodellen sehr viel verändern, weil der Kostenblock kleiner wird. Ich glaube, es ist nicht das Auto, sondern der Fahrer, der momentan bei Mobility-as-a-Service 50 Prozent der Kosten ausmacht. Wenn das Auto selbst fährt, dann fällt dieser Teil des Kostenblocks weg. Allerdings gibt es dann auch keinen Fahrer, der das Fahrzeug sauber macht, Winterreifen aufzieht und wartet.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer wird das dann künftig übernehmen?
Das ist auch für mich noch ein spannendes Feld. Ich glaube nicht daran, dass die großen Mobility-on-Demand-Anbieter hierfür künftig alle Voraussetzungen erfüllen. Die Fahrzeuge müssen ja sogar viel mehr gewartet werden, als man das privat oder bei Taxis tut. Das bedeutet, ein gigantisches Service-Netzwerk weltweit ist nötig. Auch an solchen Fragestellungen arbeitet die BMW Group gerade.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auf dem für 2021 angekündigten BMW-Fahrzeug lastet schon heute ein enormer Erwartungsdruck. Fürchten Sie nicht, dass die Welt womöglich enttäuscht werden könnte, wenn es nicht der ganz große  Knaller wird?
Ich sehe das als eine Entwicklung und bin gerade selbst wieder im selbstfahrenden Prototyp von BMW gefahren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Unfallfrei?
Völlig unfallfrei. Aus meiner Sicht ist es extrem agil und fühlt sich an wie ein echter BMW. Für mich persönlich ist es ein Ansporn, die BMW Group ein Stück weit auf diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen. Ich glaube, die Linien zwischen den digitalen Playern und den traditionellen Autoherstellern vermischen sich jetzt schon immer mehr. Die BMW Group wird immer digitaler und die anderen versuchen, Hardware und Devices zu verbinden. Manchmal sehr erfolgreich, manchmal weniger erfolgreich. Die neuen Player haben auch schon versucht, ein Auto zu bauen und sehen die Herausforderungen. Wir haben auf jeden Fall gute Assets, nämlich Design-Kompetenz, Produktionskompetenz, Integrationskompetenz, aber auch die Sicherheitskompetenz und unser globales Händler-Netz. In dieser Phase, wo alle nur noch über Digitalisierung sprechen, werden unsere Assets manchmal auch unterschätzt.

Die Themen Digitalisierung und automatisiertes Fahren stehen auch auf dem AUTOMOBIL FORUM 2017 am 12. und 13. Juli in München im Fokus. Mehr Informationen hier.