Avila, Powertrain Vorstand, Continental, Exklusivinterview

Jose A. Avila, Mitglied des Vorstands Division Powertrain, Continental: "Wir bahnen dem reinen Elektrofahrzeug den Weg." Bild: Continental AG

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Avila, welche Perspektiven hat die Division Powertrain innerhalb von Continental für die kommenden Jahre bei den Themen Turbolader und der weiteren Elektrifizierung?
2011 sind wir erfolgreich in das Turbolader-Segment eingestiegen, immer mit dem Ziel vor Augen, ein bedeutsamer Lieferant in diesem Bereich zu werden. Wir haben heute hocheffiziente, robuste Produkte mit hervorragendem Qualitätsnachweis und sind im Markt sehr gut etabliert. Bis 2020 erwarten wir weiteres signifikantes Wachstum. Unser technologischer Schwerpunkt ist die Optimierung des Ansprechverhaltens und Wirkungsgrades durch die sog. RAAXTM (Radial-Axial) Turbine sowie die Systemintegration zur weiteren Kostenreduzierung, Leistungsverbesserung, Gewichtsreduzierung und Montageoptimierung. Wir produzieren mittlerweile in Deutschland, Tschechien, in China und in einem Jahr werden wir nach Nordamerika gehen.
Wir sehen für den Verbrennungsmotor und somit auch für die 48-Volt Mild Hybrid- und Hybrid- Technologie ein Wachstum bis ca. 2025/2030, dann wird der Höhepunkt erreicht sein. Ab diesem Zeitpunkt wird das Thema Elektromobilität - mit Fokus auf reine Elektrofahrzeuge - immer mehr zum Tragen kommen. Wir arbeiten in Vorbereitung darauf auch stark auf dem Gebiet der 48-Volt-Nebenaggregate wie z.B. dem elektrischen Kompressor.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo sehen Sie beim Thema Turbolader das Marktwachstum? Sind das weltweit gesehen nur die kleinen Benziner? Und wird Continental demnächst auch Turboaufladung für Dieselmotoren bringen? 
Mit dem Audi-2-Liter-Motor beschreiten wir die nächste Dimension, die zeigt, dass wir beim Turbolader nicht nur mit kleinen Aggregaten unterwegs sind. Dann gibt es in den USA das Bedürfnis nach Sechszylindermotoren, die teilweise doppelt aufgeladen sind. Unser Portfolio umfasst drei Baugrößen, mit denen wir sämtliche Leistungsklassen im Pkw-Bereich abdecken können.
Zu Ihrer Diesel-Frage: Mit der RAAXTM-Technologie haben wir eine innovative Lösung, auch für Dieselmotoren, was wir von Kundenseiten auch immer wieder bestätigt bekommen. Die Frage, ob man in den Dieselsektor eintaucht, ist eine Frage des Marktes. Insbesondere bei den kleinen Selbstzündern weist der Markt einen Negativtrend aus.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Noch ein Wort zur Entwicklung von e-Kompressoren. Was haben Sie da im Köcher?
Ein e-Kompressor mit etwa fünf, sechs Kilowatt ergibt Sinn innerhalb der 48-Volt-Architektur. Sie können mit dieser Technik das so genannte Turboloch um ein Drittel reduzieren eine beeindruckende Technik also. Ob sie es ins Volumensegment schafft, hängt von der weiteren Marktentwicklung ab.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie stark ist Ihr Engagement in Richtung Elektrifizierung des Antriebsstranges?
Mit Blick auf das Thema Elektromobilität ist man in der Industrie in einem der größten Umbrüche. Es herrschen eine gewisse Nervosität und Unsicherheit in der Branche. Es führt aber kein Weg daran vorbei die Fahrzeugelektrifizierung weiter voranzutreiben, um langfristig die CO2- Flottenziele unserer Kunden zu erreichen. Continental verfolgt hier eine Elektrifizierung nach Maß, mit der sich die zukünftige Bandbreite im Antriebsstrang wirtschaftlich umsetzen lässt. Ein Schwerpunkt dabei ist der 48-Volt Mild Hybrid Antrieb, der gerade weltweit erstmalig in Serie ging. Darüber hinaus investieren wir intensiv in Technologien der emissionsfreien Mobilität, z.B. Leistungselektronik oder Elektromotoren. Wir bahnen dem reinen Elektrofahrzeug den Weg. Aber eins ist klar: Hier liegt noch jede Menge Arbeit vor uns, denn die Erwartungen der Kunden sind hoch.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Können Sie das in Prozent ausdrücken?
Das ist ein Thema, das nicht nur für Powertrain von Bedeutung ist, sondern das gesamte Unternehmen beschäftigt und daher schwierig in Prozent auszudrücken ist. Wir sind im Konzern mit Blick auf die Elektrifizierung, vor allem mit den Themen der Standardisierung und Anpassung befasst. Dabei geht es auch um Strategien, um Märkte und ihre Eigenheiten. Nehmen Sie etwa China, wo es eine staatliche Incentivierung gibt. In Europa wiederum hat man es mit dem bedeutenden Thema Reichweite zu tun. In den USA treffen Sie beim Thema Elektromobilität eher auf eine Ambivalenz, denn dort wird  - vor allem in ländlichen Regionen - bei den Fahrzeugen nach einer hohen Nutzlast und Reichweite verlangt, weshalb wir für diesen Markt eher das Thema Hybridisierung sehen. Die Küstenregionen, wie Kalifornien, sind hingegen am Thema Voll-Elektrifizierung interessiert. Die sog. Emerging Markets sind weiterhin stark am Verbrenner interessiert, mit marktspezifischen Eigenheiten wie etwa in Brasilien mit einem starken Ethanol-Anteil beim Kraftstoff.