Bosch, Stefan Aßmann, Industrie 4.0

Der promovierte Ingenieur analysiert als Leiter des Bosch Innovation Cluster Connected Industry aus unmittelbarer Nähe die Potenziale und Ergebnisse des Einsatzes von digitaler, smarter Sensorik und entsprechender Software. Bild: Bosch

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie ist das im Januar 2015 ins Leben gerufene Innovation Cluster Connected Industry innerhalb der „Bosch-Industriewelt“ heute positioniert?
Mein Resümee der vergangenen eineinhalb Jahre fällt sehr gut aus. Bosch investiert kräftig in das Thema Industrie 4.0. Wir konnten mittlerweile weit über 100 Experten aus allen Bereichen des Unternehmens zusammenziehen und Kompetenzen bündeln, um das Thema Industrie 4.0 voranzutreiben.
Das lässt sich an konkreten Erfolgen festmachen: Wir haben seit diesem Jahr die Bosch-IoT-Cloud, die wir nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden ausbauen wollen. Schließlich haben wir jede Menge Lösungen, die sich am Markt bereits erfolgreich etabliert haben: Unser automatischer Produktionsassistent APAS unterstützt die Mitarbeiter ohne Schutzzaun bei monotonen und gefährlichen Arbeiten; die Softwarelösung „Process Quality Manager“ erfasst und analysiert Daten von Montageprozessen in Echtzeit und erkennt darin Trends oder Abweichungen; und über unsere Bosch Energy Plattform lassen sich Energieströme bis in einzelne Maschinenantriebe hinein messen und darstellen. Durch intelligent vernetzte Lösungen konnte der Energieverbrauch bei unseren Kunden dann um bis zu 30 Prozent gesenkt werden.
Der operative Betrieb des Innovation Clusters Connected Industry beweist, dass auch neue vernetzte Produkte entstehen, die es nicht gegeben hätte, wenn jeder Bosch-Bereich für sich allein arbeiten hätte müssen. Das Innovation Cluster Connected Industry setzt dabei immer eine Doppelstrategie um. Wir sind sowohl in den eigenen 250 Werken Leitanwender von Industrie 4.0 – aber auch Leitanbieter von smarten Produkten und Software für den externen Markt.

Bitcom Research

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die erwähnte Doppelrolle qualifiziert Bosch besonders zu der Analyse, wie sich die Unternehmen auf das Industrie 4.0- Ziel hinbewegen. Was fällt dabei auf?
Dass Industrie 4.0 gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen ein bedeutendes Thema ist. Die größte Gefahr besteht darin, nur am Spielfeldrand zu sitzen und zuzusehen, was die großen Player machen und zu glauben, es würde sich schon nicht so viel ändern. Gerade kleine Unternehmen haben sehr gute Chancen, bereits mit einer einfachen Umsetzung von Vernetzung neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Bosch engagiert sich auch deshalb in der deutschen Plattform Industrie 4.0, um für kleine und mittelständische Unternehmen Industrie 4.0 greifbar zu machen. Wir sind dort mit fast 20 Industrie-4.0-Projekten in einer so genannten Online-Landkarte aufgeführt. Allein in Deutschland bieten wir in den drei Werken Reutlingen, Feuerbach und Homburg geführte Industrie-4.0-Rundgänge an, um zu zeigen, was wir auf welche Weise umsetzen, und wie Unternehmen das auch für sich nutzen können.