| von Bettina Mayer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welches Zellformat peilen Sie an – prismatisch, runde oder Pouch-Zellen ?
… welche Zelle, ist noch nicht entschieden. Parallel zur Lithium-Batterie legen wir einen starken Fokus unserer Anstrengungen auf die sogenannte Feststoffbatterie, die die nächste Batterie-Generation darstellt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hätte welchen Vorteil?
Heute haben wir einen gewissen Anteil an Lithium und Nickel in der Batterie. Der Nickelanteil erhöht sich über die nächsten Generationen. Das geht dann bis zu dieser 8-1-1-Zelltechnologie, das wird 2020, 2022 der Standard sein. Die Feststoffbatterie bringt dann noch einmal 20 bis 30 Prozent an Energiedichte und damit weniger Gewicht ins Fahrzeug oder mehr Reichweite. Das ist auch für die heutigen Batteriehersteller noch einmal ein Sprung in der Technologie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Warum machen Sie das nicht zusammen mit einem großen Zulieferer oder nach dem HERE-Konzept mit mehreren Partnern zusammen?
Jeder Automobilhersteller verfolgt seine eigene Strategie in Sachen Elektromobilität – sowohl was die Batteriezelle betrifft als auch das E-Fahrzeug an sich. Die Zellchemie spielt eine große Rolle, was die Leistungsfähigkeit und die Dauerhaltbarkeit der Batterie angeht. Hinzu kommt auch noch, dass aufgrund ihrer Fahrzeugcharakteristika ein Audi oder ein Porsche eine andere Zellchemie benötigen als beispielsweise ein Volkswagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Inwiefern?
Ein Sportwagen von Porsche beispielsweise fährt auf einer höheren Spannung und da muss die Batterie schneller Energie liefern. Gerade dann, wenn der Porsche-Fahrer von Null auf 100 km/h in drei Sekunden beschleunigt. Für einen klassischen VW-, Skoda- oder Seat-Kunden sind für den Sprint auf 100 km/h auch sechs Sekunden zufriedenstellend. Das heißt im Umkehrschluss, da muss die Batterie nicht so schnell laden und entladen. Und diese Eigenschaften stecken in der Zellchemie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dann brauchen Sie ja mehrere Varianten an Batterien, vielleicht sogar auch an Zellen?
So ist es.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie wollen angeblich bis Jahresende entscheiden, was Sie zum Thema Batterien machen. Korrekt?
Wir werden in diesem Jahr auch damit beginnen, unseren Stufenplan „Batterie“ auszurollen. Unser „Center of Excellence“ unter Führung der Leadmarke VW soll im zweiten Quartal 2017 seine Arbeit aufnehmen.
Es übernimmt die Verantwortung für die Entwicklung, Beschaffung und Qualitätssicherung aller Batteriezellen und -module im Konzern. Ebenso bauen wir innerhalb des „Centers auf Excellence“ schrittweise Verfahrenskompetenz auf. Ab 2018 über eine Laborlinie und voraussichtlich ab 2020 über eine eigene Pilotlinie. Parallel dazu befinden wir uns in fortgeschrittenen Gesprächen über den Aufbau von Partnerschaften zum Thema Batteriezellen. Wir gehen davon aus, dass wir die Gespräche noch in diesem Jahr abschließen können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie wollen das Knowhow aber in Deutschland belassen, als zukünftige Kernkompetenz?
Wie bereits schon erwähnt, ich bin der festen Überzeugung, wir brauchen die Spezifikationskompetenz für die Chemie und die Fertigungsverfahren. Wenn wir auch in Sachen Elektromobilität eine führende Rolle einnehmen wollen, müssen wir als Konzern hier Gas geben. Die Batteriefertigung ist nicht nur Know-how- und kapitalintensiv, sie ist natürlich auch sehr energieintensiv. Bei den heute üblichen Energiekosten ist Deutschland hier im Vergleich zu anderen Ländern aktuell klar im Nachteil. Wir versuchen natürlich eine Lösung zu finden, schließlich tragen wir auch Verantwortung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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