| von Bettina Mayer
Infokasten Serdran

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist Ihr Lieblingsprojekt?
Mir sind alle Projekte, die wir derzeit am Start haben extrem wichtig. Aber es gibt doch eine Fragestellung, die mir besonders am Herzen liegt, da diese für die Zukunft des Volkswagen Konzerns von richtungsweisender Bedeutung ist. Wie sollen unsere Pkw-Marken künftig positioniert sein?

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das hört sich nach einem anstrengenden Thema an …
Ja klar (lacht), das bringt der Job so mit sich. Dazu gehört es auch kritische und kontroverse Themen anzusprechen. Es macht aber auch Freude, Neues anzustoßen und zu sehen, hier geht etwas voran. Mein Ziel ist nicht, dass alle sagen, der Sedran ist ein netter Typ. Dann hätte ich meinen Job nicht richtig gemacht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein Thema, das polarisiert, ist Ihre neue Partnerschaft mit Tata Motors in Indien?
Wenn Sie über den Genfer Autosalon gehen und sich Fahrzeuge von Wettbewerbern auf preissensiblen Märkten ansehen, dann finden Sie einfache technische Lösungen, die auch für den Volkswagen Konzern interessant sein können. Es gibt viele Märkte mit Kunden, die nur ein Budget von 8.000, 9.000, 10.000 Euro haben, aber gleichzeitig auch ein schönes Auto wollen und dafür gerne bereit sind, auf bestimmte Dinge zu verzichten. Solche Angebote für unsere Kunden zu finden und zu entwickeln, finde ich unheimlich wichtig und spannend. Da machen wir mit der geplanten strategischen Allianz mit Tata Motors und dem JAC Joint Venture erste Schritte in die richtige Richtung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hat Volkswagen die Partnerschaften für sich neu entdeckt – vielleicht auch, weil VW nicht mehr ganz so selbstbewusst auftritt?
Wir sind weiterhin selbstbewusst, aber ich hoffe, dass wir bescheidener auftreten als früher.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und das hilft?
Es ist eine zwingende Voraussetzung. Partnerschaften funktionieren nur, wenn man zuhört und die Position des Partners respektiert. Dies ist uns in China ja auch über viele Jahre hinweg gelungen. Wir sind in China aus meiner Sicht so erfolgreich, weil wir da sehr eng mit zwei Partnern in Joint Ventures zusammenarbeiten und die eben auch, sage ich mal, uns erklären, was der chinesische Kunden braucht oder auch nicht braucht.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bezüglich der Rendite holt der Konzern aber erst ab 2020 richtig Schwung ...
Nicht nur wir, die gesamte Automobilindustrie, die zwischen 2017 und 2022 oder 2023 eine unfassbare parallele Entwicklung nehmen wird, steht vor großen Herausforderungen. Wir müssen die ganze Verbrennungstechnologie auf die neue, ab 2020 in Kraft tretende CO2-Gesetzgebung einstellen. Zudem investieren wir massiv in die Elektromobilität und bauen das Geschäftsfeld der neuen Mobilitätsdienstleistungen auf. Da reden wir von Milliarden-Investitionen, die finanziert werden müssen. Nichts desto trotz bin ich der festen Überzeugung, dass wir mit ‘TOGETHER – Strategie 2025‘ eine überzeugende Roadmap mit einem realistischen Renditeziel auf den Weg gebracht haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Kompliment. Man merkt, Sie lieben Ihren Job.
Das Schöne ist, wir ziehen alle an einem Strang. Erst kürzlich sind die Teams von JJ und mir fünf Stunden lang alle Projekte durchgegangen. Wer macht was und wie können wir uns gegenseitig helfen. Genauso mache ich das mit den Marken auch. Egal ob bei VW, Audi oder Porsche – mittlerweile rufen deren Chef-Strategen bei mir an und sagen, ich hab‘ da ein Thema, kannst du mir helfen. Für mich ist es wie in einer erfolgreichen Fußballmannschaft, in der jeder seine besonderen Fähigkeiten hat, einen anderen Charakter und wo eine Eigendynamik im Team entsteht. Ja, Sie haben Recht, der Job macht mir extrem Spaß.