Dr. Ulrich Eichhorn von VW ist auf dem Bild zu sehen.

Ulrich Eichhorn treibt die Entwicklung der E-Fahrzeuge im VW-Konzern voran. Als F&E-Chef muss er über das Wann und Wie zukünftiger Technologien entscheiden. Bild: VW/Christian Bierwagen

AUTOMOBIL PRODUKTION: Elektromobilität ist – auch im Lichte der Diesel-Krise – schon länger ein ganz dickes Thema. Nachdem Tesla mit dem Model 3 sein erstes „Volumen“-Modell gelauncht hat, hat man auch gerade bei der IAA den Eindruck gewonnen, die deutschen OEM hätten noch einmal eine Schippe drauf gelegt. Täuscht der Eindruck?
Ja, eindeutig haben wir noch eine Schippe drauf gelegt. Dabei ist das, was jetzt zu sehen ist, wie der Škoda Vision E, oder was schon in den vergangenen Monaten und auf der IAA gezeigt wurde, wie die VW I.D.-Modelle, das Ergebnis einer vor drei Jahren oder noch länger zuvor eingeleiteten Entwicklung. Was wir jetzt auf der IAA gesehen haben, ist Teil eines ganz normalen Prozesses. So zeigte der Volkswagen Konzern aktuell eine ganze Reihe von Elektrofahrzeugen, die bereits in Nähe zu einer Serienproduktion kommen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Heißt: durch die Diskussion um Dieselfahrverbote ist nicht mehr Druck gekommen, Elektromodelle noch schneller in den Markt zu bekommen?
Wir sind bereits mit höchster Geschwindigkeit unterwegs. Was wir sicherlich nicht machen werden, ist die Sorgfalt und die Qualität zu opfern, um bei den Marktstarts noch ein paar Monate rauszuholen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist der relativ lange Vorlauf, den sich der Volkswagen Konzern bis zum Serienstart nimmt, eher der komplexen Umstellung auf die Elektroplattform geschuldet oder ist das wirtschaftliches Kalkül, erst dann großflächig in die E-Mobilität einzusteigen, wenn sich entsprechendes Volumen generieren lässt?
Wir bewegen uns bei der Elektromobilität im Rahmen ganz normaler Entwicklungszeiten. Sie müssen bedenken, wir haben Fertigungsstandorte auf der ganzen Welt, komplette Modellfamilien, hunderttausende Beschäftigte. Und so geht es im Volkswagen Konzern nicht um ein einzelnes Modell, das wir in einer einzigen Fabrik bauen. Ein fundierter Wandel hin zur E-Mobilität ist in einem Unternehmen unserer Größe ein sehr komplexer Vorgang.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt, Sie können gar nicht so schnell wie Tesla sein?
Ganz so schnell wie es bisweilen scheint, ist Tesla auch nicht. Wenn man also die Entwicklungszeiten betrachtet, ist Tesla keineswegs schneller. Und ich behaupte, dass wir auf vielen Entwicklungsgebieten deutlich schneller sind als sie.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Je mehr Elektromodelle der Serienfertigung näher rücken, umso stärker rückt die Verfügbarkeit der Batterien in den Mittelpunkt. Wie kritisch sehen Sie diesen Punkt?
Die Batterie ist eindeutig das bestimmende Element im Elektrofahrzeug. Das geht damit los, dass  selbst unter Zugrundelegung der optimistischen Preisprognosen die Batterie einen Kostenanteil von 30 bis 50 Prozent am Fahrzeug ausmacht. Abgesehen von den Kosten müssen  Produktionskapazitäten und Lieferinfrastruktur durch die gesamte Wertschöpfungskette aufgebaut werden. Und das ist in der Form noch nicht da. Wir hatten kürzlich beim Forschungstag in Ehra-Lessin die Rechnung aufgemacht, dass, wenn wir 2025 rund 25 Prozent unseres Absatzvolumens mit Elektromobilität machen wollen – und da sprechen wir nur von den rein elektrischen Fahrzeugen mit 50 bis 70 Kilowattstunden – bedeutet das für uns das größte industrielle Einkaufsvolumen aller Zeiten und, dass man dafür mehrere Fabriken in der Größenordnung der Gigafactory von Tesla braucht, wenn sie denn einmal auf Kammlinie läuft.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Habe ich das richtig verstanden: wir sprechen jetzt nur von dem Batterievolumen, das der Volkswagen Konzern zur Erreichung seiner Elektroziele 2025 braucht?
Genau. Wir sprechen nur für den Volkswagen Konzern und wir sprechen nur von den batterieelektrischen Fahrzeugen. Die anderen 75 Prozent, die zu einem geringeren Anteil elektrifiziert sein werden, sind in dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt. Mit dem genannten Auftragsvolumen decken wir unseren Bedarf für die erste Welle der Elektromobilität ab.