Der BMW i3 vor dem Himmelstempel in Peking.

Der BMW i3 vor dem Himmelstempel in Peking. Bild: BMW

| von Fabian Pertschy
Aktualisiert am: 09. Dez. 2019

Im „Index Elektromobilität“ kommt das Beratungsunternehmen Roland Berger und die Forschungsgesellschaft fka zu dem Ergebnis, dass Deutschland die Führungsrolle im Bereich Technologie von Frankreich übernommen hat. Im Vergleich der sieben großen Automobilnationen dominiert ansonsten jedoch das Reich der Mitte.

Bei der Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen hat China einen klaren Vorsprung.
Bei der Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen hat China einen klaren Vorsprung. Bild: fka/Roland Berger

Bei der Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen liegt Deutschland demnach auf Platz 3 hinter China und den Vereinigten Staaten. Die Marktanteile elektrischer Fahrzeuge steigen in allen untersuchten Ländern jedoch signifikant. In China hat der Anteil elektrischer und teilelektrischer Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2019 erstmals die Fünf-Prozenthürde übersprungen.

Deutschland mit Vorreiterrolle in Europa

Auch im Bereich der Batteriezellenproduktion belegt China weiterhin den ersten Platz. Die Ergebnisse legen nahe, dass dieser Vorsprung zukünftig weiter ausgebaut wird. Laut Alexander Busse, Senior Consultant bei der fka, plant keine andere Nation einen so großen Ausbau der heimischen Zellproduktion. „In China wird erwartet, dass die Produktion von Batteriezellen in den Jahren 2017 bis 2022 um mehr als 1000 Prozent gegenüber dem Zeitraum von 2016 bis 2021 steigen wird“, verdeutlicht Busse.

Bei der Batteriezellfertigung sind die europäischen Länder weit abgeschlagen.
Bei der Batteriezellfertigung sind die europäischen Länder weit abgeschlagen. Bild: fka/Roland Berger

Die europäischen Länder könnten endgültig den Anschluss verlieren, denn auch die USA, Südkorea und Japan sind in diesem Bereich weitaus fortschrittlicher. Die Analysten kommen folglich zu dem Ergebnis, dass es in Europa hohe Investitionen und ein tiefergehendes Technologieverständnis erfordere: Europäische Kooperationen könnten die Lösung sein. „Europäische Automobilhersteller und Zulieferer mit chemischem Hintergrund sollten sich als Investitionspartner positionieren", empfiehlt Busse. Seines Erachtens müsste eine Bereitschaft vorherrschen, Risiken zu teilen und Investitionen in Milliardenhöhe zusammenzuführen.

Keine neuen Dienste - kein Profit

Neben dem Rückstand bei der Zellproduktion diagnostizieren die Studienautoren ein Problem in punkto Profitabilität. Die Einbußen durch die Umstellung auf den Elektroantrieb lassen sich mittels einer höheren Kosteneffizienz zwar verringern, bleiben grundsätzlich aber bestehen. "Die Marktaussicht ist weiterhin positiv, aber E-Autos bringen den Herstellern weniger Rendite als Verbrenner", sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger. Neue Servicemodelle rund um die Batterie könnten die Profitabilität allerdings wieder erhöhen, so Bernhart.

Ein Beispiel wären etwa Geschäftsmodelle im Bereich Battery as a Service (BaaS). So bieten erste Anbieter den Dienst "Battery in the Cloud" zur Verwaltung und Überwachung der Akkulaufzeit von Elektrofahrzeugen an. "Der komplette Lebenszyklus der Batterie liefert Ansatzpunkte", erklärt Bernhart. Er führt dabei zum Beispiel Batterie-Leasing und Geschäftsmodelle zum Recycling der Rohstoffe an.