Christine Hohmann-Dennhardt

Die frühere Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt war erst Anfang 2016 von Daimler als Vorstand für Integration und Recht nach Wolfsburg gewechselt. Bild: Volkswagen

Volkswagen und Hohmann-Dennhardt trennen sich laut VW "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über Verantwortlichkeiten und die künftigen operativen Arbeitsstrukturen in ihrem Ressort". Zuvor hatte das Handelsblatt darüber berichtet. Die frühere Verfassungsrichterin war Anfang 2016 von Daimler als Vorstand für Integration und Recht nach Wolfsburg gewechselt. Die 66-Jährige war bei VW an der Aufarbeitung der Abgas-Manipulationen beteiligt. Der Konzern hatte zuletzt in den USA verschiedene Vergleiche mit Milliardenzahlungen in der Sache ausgehandelt. VW hat aber bei weitem noch nicht alle Rechtsstreitigkeiten im Dieselskandal beigelegt.

Nachfolgerin von Hohmann-Dennhardt wird laut VW Hiltrud Werner, bisherige Leiterin der Volkswagen-Konzernrevision. "Volkswagen wird weiter unverändert und mit Nachdruck den Wandel im Denken und Handeln vorantreiben", hieß es vom Unternehmen.

Update von 15:30 Uhr

Die 66-jährige Hohmann-Dennhardt war als Aufräumerin nach Wolfsburg geholt worden. Bei Daimler hatte sie bei der Aufarbeitung eines US-Schmiergeldskandals - ebenfalls in Vorstandsfunktion - eine gute Figur gemacht. Bevor sie ab 2011 in Stuttgart ein System von Regeln zur Vermeidung zwielichtiger Machenschaften installieren sollte, war sie zwölf Jahre lang Richterin am Bundesverfassungsgericht. In den 90er Jahren war die SPD-Politikerin hessische Landesministerin unter anderem für Justiz.

Ihr Wirken blieb in Wolfsburg aber nicht ohne Kritik. Das Handelsblatt will aus Unternehmenskreisen erfahren haben, dass sie die Erwartungen der Konzernführung nicht erfüllen konnte. Laut dpa-Informationen haben sich auch Teile des Aufsichtsrats an der Arbeit von Hohmann-Dennhardt gestört.

Der Konzern hatte zuletzt in den USA verschiedene Vergleiche mit Milliardenzahlungen in der Sache ausgehandelt. Insgesamt steht die Rechnung für die Rechtskosten des massenhaften Abgasbetrugs derzeit bei rund 23,8 Milliarden US-Dollar - umgerechnet 22,2 Milliarden Euro.

18,2 Milliarden Euro hat das Unternehmen an Rückstellungen beiseite gelegt. Nach den jüngst eingegangenen Zahlungsverpflichtungen in einem strafrechtlichen Verfahren - nebst Schuldeingeständnis - musste VW allerdings bereits einräumen, dass das zur Seite gelegte Geld nicht reichen könnte.

VW hat aber bei weitem noch nicht alle Rechtsstreitigkeiten im Dieselskandal beigelegt. Die Affäre um manipulierte Abgastests bei Dieselfahrzeugen hatte das Unternehmen in die schwerste Krise seiner Geschichte gestürzt. Unter anderem Ex-Konzernchef Martin Winterkorn musste seinen Platz räumen. Gegen ihn wird wie gegen den heutigen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen des Verdachts ermittelt, sie könnten die Kapitalmärkte zu spät über das Ausmaß der Krise informiert haben.

Zudem werden die Rufe von Kunden und Verbraucherschützern nach finanziellen Entschädigungen auch in Europa immer lauter. In den USA musste VW den hinters Licht geführten Dieselkäufern Zahlungen von bis zu mehreren Tausend Dollar anbieten.