Bühne des Automotive Lean Production Award 2021

Pascal Nagel (Automobil Produktion) und Marc Kräutle (Agamus) führen durch die Automotive Lean Production Awards 2021. (Bild: Automobil Produktion)

Zu Beginn der Veranstaltung skizziert Skodas Produktionsvorstand Michael Oeljeklaus den historischen Werdegang der Marke bis in die Gegenwart. Eine Geschichte, die noch lange nicht abgeschlossen ist: In den nächsten Kapiteln werde man sich mit neuen Wettbewerbern, Klimaregularien und Kundenansprüchen auseinandersetzen müssen, so Oeljeklaus. Die eigenen Ziele hierbei seien in der Strategie Next Level Skoda 2030 festgehalten worden. „Wir wollen 2030 zu den fünf absatzstärksten Marken in Europa zählen“, erklärt Oeljeklaus. Erreichen wolle man dies durch die Konzentration auf das Einstiegssegment sowie neue E-Modelle. Der E-Motor solle Kernkompetenz werden, erklärt Oeljeklaus. Daher kämpfe man auch im Gesamtkonzern dafür, eine entsprechende Rolle einnehmen zu dürfen.

Ebenfalls kommt Skodas Produktionschef auf die aktuellen Herausforderungen in Folge des Halbleitermangels zu sprechen. Mit einer Erholung auf Vor-Coronaniveau rechnet Oeljeklaus erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Um eine Wiederholung der aktuellen Krise zu verhindern, sollten Autohersteller die Beziehungen zu Chipherstellern selbst in die Hand nehmen, statt diese dem Zulieferern zu überlassen. „Der Konzern ist in direkten Gesprächen mit Chipherstellern“, so Oeljeklaus.

Die Themen Management- und Personalorganisation, Diversity und Nachhaltigkeit adressiert hingegen Skodas HR-Vorständin Maren Gräf. Dabei existieren diese nicht als Monolithen, sondern in Wechselwirkung untereinander. So spiele etwa der Bereich der Corporate Social Responsibility sowohl im Nachhaltigkeitsbereich als auch hinsichtlich einer diversen Unternehmenskultur eine zentrale Rolle. Der Begriff der Diversity werde oft mit einer stärkeren Einbeziehung von Frauen gleichgesetzt, so Gräf. Dies sei allerdings nur ein Aspekt einer größeren Bewegung, die zu mehr Produktivität im Unternehmen beitragen könnte. Eine ebenso wichtige Rolle komme der Internationalisierung der Belegschaft, der Vielfalt der Kenntnisse und auch der Altersstruktur zu.

Sieger „Business Unit Transformation“: Feintool

Den Award für das Unternehmen im Bereich Feinschneiden, Umformen und E-Blechstanzen nimmt Winfried Blümel, Head of Business Unit Feintool Systemparts Europe, entgegen. Das Unternehmen ist als Entwicklungspartner der Autoindustrie in den Bereichen Leichtbau, Nachhaltigkeit, Plattform und automatisierte Antriebskonzepte, Elektroantriebe sowie Hybride aktiv. Mit eigenen Produktionswerken ist Feintool in Europa, den USA, China und Japan vertreten. Die Business Unit Europa umfasst acht Produktionsstandorte in Deutschland, Tschechien und der Schweiz.

Ausgezeichnet wird Feintool für die erfolgreiche Konsolidierung der einzelnen Werke zu einer Organisation mit übergreifenden Synergieeffekten. Treiber hierfür seien vor allem die E-Mobilität, neue Technologien und die Suche nach Kostensenkungen gewesen, erklärt Winfried Blümel. Hierzu habe man auf eine Konsolidierung bestimmter Themen an einzelnen Standorten sowie eine iterative Stabilisierung der eigenen Prozesse gesetzt. Generell habe man bei der eigenen Transformation Prozesse in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt, so Blümel, statt nur auf Technologiethemen zu schauen. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, auf den Kunden zu fokussieren – also auch auf den internen Kunden“, erklärt der Feintool-Experte den Erfolg der eigenen Maßnahmen.

Sieger „Lean Transformation“: Witzenmann USA

Den eigenen Erfolg bei der Lean Transformation des Witzenmann-Werks in Troy im US-Bundesstaat Michigan stellen Managing Director Keith Shivnen sowie Ramon Kahrsch, VP Administration bei der Witzenmann Group vor. Am Standort habe man vor der Neuausrichtung mit erheblichen Problemen zu kämpfen gehabt, erklärt Shivnen: Etwa eine hohe Ausschussrate, oftmals fehlerhafte Prozesse, veraltete Maschinen sowie eine nicht hinreichende Qualifizierung und hohe Fluktuation innerhalb der Belegschaft.

Um die Situation zu verbessern, hat Witzenmann USA gemeinsam mit der zentralen Lean-Abteilung aus dem Stammhaus ein Konzept zur Neuausrichtung erarbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Unter anderem konnte durch ein Engpassmanagement proaktiver gehandelt und der Fokus auf eine konsequente Reduktion von Verschwendung gelenkt werden. Gleichzeitig wurden die Instandhaltung und die technische Anlagenverfügbarkeit und die Produktionslogistik verbessert. Ebenfalls steht die Qualifizierung des Mitarbeiterstamms sowie Lean Leadership und Shopfloor-Management im Fokus.

„Die wichtigste Aufgabe war es, die Kultur zu verändern“, erklärt Ramon Kahrsch. Unter anderem mussten daher Geschäftsführer und Betriebsleiter ersetzt werden. Wichtig sei es zudem gewesen, das verbreitete Silodenken im Unternehmen zu überwinden, ergänzt Shivnen.

Sieger„Lackiererei“: Skoda-Werk Mladá Boleslav

Die neue Lackiererei im Skoda-Stammwerk darf sich mit gleich drei heißbegehrten Attributen schmücken: Das Projekt wurde zeitgerecht sowie mit dem geplanten Budget und der angestrebten Qualität realisiert. 18 Monate nach der Grundsteinlegung konnten erste Karossen die Lackiererei verlassen, neun Monate später wurde der Hochlauf auf 700 Karossen pro Tag realisiert. Die Bruttogrundfläche beträgt knapp 22.000 Quadratmeter mit einem Bruttoraumvolumen von etwa 750.000 Kubikmetern. Zum Einsatz kommen neue Technologien wie Dry Scrubber, platzsparende Quertrocknersysteme und Industrie 4.0-Lösungen. Den Preis nahmen Jirí Drbout, Head of Company Planning und Marek Jancák, Head of Car Production bei Skoda Auto, in Empfang.

Unter anderem kommen bei der Korrosionsschutz-Behandlung der Karosserien drehbare Gehänge von Dürr zum Einsatz, die auch an der Schnittstelle von Mensch und Roboter die Ergonomie verbessern sollen, erklärt Drbout. Außerdem habe man durch neue, siebenachsige Roboter die Effizienz der Abläufe weiter verbessern können und mit Hilfe von digitalen Systemen die Qualitätsbewertung der lackierten Oberflächen automatisiert.

Aus Sicht des Projektpartners Dürr beleuchtet der Stellvertretende Vorsitzende Jochen Weyrauch die Modernisierung der Lackiererei bei Skoda. „Die Lackiererei der Zukunft wird keine sein mit starrer Fördertechnik“, so Weyrauch, „sondern eine mit flexiblen, automatischen Guided Vehicles“. Ein zentrales Augenmerk liegt neben der Flexibilität der eingesetzten Systeme über mehrere Modelle hinweg auch auf einem skalierbaren, modularen Aufbau, der eine möglichst mühelose Aufstockung der Kapazitäten erlaube. Bei den technischen Lösungen setze man auf neuartige Systeme zur Abgasreinigung, Siebenachsroboter, Außen- und Innenlackarbeiten innerhalb einer Kabine und oversprayfreies Lackieren. Durch neue Technologien werden das Folieren von Flächen und mehrfache Lackiervorgänge in naher Zukunft der Vergangenheit angehören, so Weyrauch.

Sieger „Culture of Improvement“: Iveco-Werk Suzzara

Das Iveco-Werk im italienischen Suzzara musste 2020 coronabedingt für zwei Monate seine Tore schließen. Den Produktionsstillstand nutzte der Nutzfahrzeughersteller jedoch, um neue Trainingskonzepte auf die Beine zu stellen. Die entstandenen Programme helfen unter anderem bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, deren Feedback direkt in die Weiterentwicklung der Maßnahmen fließt. Den Automotive Lean Production Award 2021 nimmt für das Projekt Marco Romani, HR Director, CHN Industrial, Iveco, entgegen.

Im Rahmen des Kaizen erlernte Fähigkeiten der Mitarbeiter werden zudem auf dem jeweiligen Digitalprofil gespeichert. So können für neue Projekte sofort passende Experten gefunden und ausgewählt werden.  

Sieger „OEM“: VW-Werk Pamplona

Der letzte Award 2021 geht in der Kategorie „OEM“ an das Volkswagen-Werk im spanischen Pamplona. Der Standort überzeugte die Jury vor allem durch die breite Aufstellung bei Innovationsthemen, die Steuerung über aussagekräftige Kennzahlen und einen Output von nahezu 100 Prozent. Den Preis nimmt Markus Haupt, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Navarra, entgegen.

Im spanischen VW-Werk wird jede Abweichung vom Optimalzustand nachgehalten und als Startpunkt für weitere Verbesserungen genutzt. Unter anderem konnten mit dem Suma 2.0-Ansatz Pickfehler auf nahezu null reduziert werden.  Die ursprünglichen Dolly Sheets wurden dabei durch elektronische Reader an den Dollys ersetzt, die anhand der im ERP-System hinterlegten Perlenkette aktualisiert werden und so papierlos arbeiten. Neben Fahrerlosen Transportsystemen setzt der Standort zudem auf additive Fertigungsverfahren, etwa bei der Fertigung von Montagehilfsmitteln.

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