| von Patrick Solberg

So ganz neu ist die Erfindung, das Bild der Rückfahrkamera in den Innenspiegel zu bringen, nicht. Bereits vor rund zehn Jahren war der Innenspiegel in dem ein oder anderen asiatischen Auto weit mehr als eine sich spiegelnde Glasscheibe, die man manuell oder bestenfalls automatisch bei Lichteinfall verdunkeln konnte. Der rechte Teil des Innenspiegels wurde von einem kleinen Display hinterleuchtet. Legte man den Rückwärtsgang ein und aktivierte so die Rückfahrkamera, erschien wie aus dem Nichts im rechten Teil des Rückspiegels ein kleines Kamerabild vom Bereich hinter dem Fahrzeug. Der Grund für die ungewöhnliche Position der Projektionsfläche war leicht gefunden. Viele Fahrzeuge verfügten seinerzeit noch nicht über ein Navigationssystem mit entsprechendem Bildschirm und so musste man sich eine andere Fläche suchen, auf die man das Bild der Kamera übertragen konnte.

Mittlerweile ist die Technik weiter und die meisten Fahrzeuge verfügen über mindestens einen Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel, auf den sich das Bild der Rückfahrkamera oder der anderen Fotolinsen problemlos übertragen lässt. Der Rückspiegel wird mittlerweile jedoch bei einigen Fahrzeugen zu einem eigenen Display. Grund ist die schlechte Rundumsicht bei vielen Fahrzeugen. Egal ob Transporter, Coupé, Crossover oder Limousine - so richtig übersichtlich sind die meisten Fahrzeuge ab der B-Säule nicht mehr. Das stört besonders beim Rangieren in mehr oder weniger engen Parklücken und besonders am Abend, wenn die Rückfahrscheinwerfer den Bereich hinter dem Auto zumeist nur sehr unzureichend illuminieren. In den USA und Asien gibt es bereits eine Reihe von Fahrzeugen, bei denen der Innenspiegel weit mehr ist als nur ein reiner Rückspiegel. An der Unterseite kann man dabei über einen Schalter zumeist umstellen, ob man eine normale Spiegelung oder das digitale Abbild sehen möchte. An das digitale Bild müssen sich die eigenen Augen jedoch ebenso gewöhnen wie an das der digitalen Außenspiegel, wie es Honda, Audi E-Tron oder der VW XL-1 anbieten. Cadillac führte ein solches System bei seinem Luxusmodell CT6 ein und stattete auf Wunsch auch das Elektromodell Chevrolet Bolt mit einem digitalen Innenspiegel aus. So ist beim Blick in den Spiegel jederzeit ein Kamerabild zu sehen und nicht nur eines, wenn es ans Einparken geht. Dann schaltet sich das Kamerabild zusätzlich auf dem großen Navigationsbildschirm an.

In Europa war der Range Rover Evoque eines der ersten Modelle mit der zukunftsweisenden Technik. Die Briten gingen dabei jedoch etwas weiter, denn die Kamera für die Rücksicht nach hinten befindet sich im Fuß der Antenne, die sich auf dem Dach befindet. Dadurch wird die Linse deutlich weniger verschmutzt und verfügt über ein größeres Panorama. Man hat einen deutlich größeren Winkel und der Blick nach hinten wird nicht nur durch die C-Säulen, die hinteren Kopfstützen oder ein ohnehin kleines Heckfenster eingeschränkt. Legt man bei dem Automatikgetriebe des Range Rover Evoque den Rückwärtsgang ein, gibt es ein zweites Bild im Navigationsdisplay.

Ford: Digitaler Rückspiegel als Nachrüstlösung

Interessant ist die Technik jedoch nicht nur für Pkw, denn gerade Transporter haben oftmals gar keine Heckfenster oder die Sicht nach hinten wird durch Trennwände ausgeschlossen. Bisher waren die Fahrer daher auf die Außenspiegel angewiesen oder nutzen wie Privatnutzer die Rückfahrkamera. Bei Herstellern wie Ford gibt es für Modelle wie den Transit nunmehr einen digitalen Innenspiegel. Das System sieht wie ein konventioneller Rückspiegel aus - ist aber tatsächlich ein hochauflösender Bildschirm, der einen Panoramablick auf den rückwärtigen Straßenverkehr ermöglicht. Dies hilft dem Fahrer, Fußgänger und Radfahrer, aber auch Autos und andere Verkehrsteilnehmer, die sich hinter dem eigenen Nutzfahrzeug befinden, rechtzeitig zu erkennen - selbst wenn eine Trennwand oder fensterlose Hecktüren die direkte Sicht nach hinten versperren.

Der Innenspiegel mit Vollbildanzeige übermittelt Bilder einer Kamera, die sich an der Fahrzeugrückseite befindet, und verfügt über eine automatische Helligkeitsregelung für die Displayanzeige bei Tag und Nacht. Das System bietet dabei ein doppelt so großes Sichtfeld wie ein konventioneller Rückspiegel. Im normalen Spiegel-Modus kann der Fahrer, wie bei einem konventionellen Innenspiegel, den Fahrzeuginnenraum, die Rücksitze und etwaige Insassen sehen. Während einige Firmen dies allein bei der Bestellung des Neufahrzeugs anbieten, ist der digitale Bildschirm nebst Kamera bei Ford auch später nachzurüsten - zu Preisen ab 683 Euro.

Noch weiter geht die Technik im Hause Gentex. Die Amerikaner haben nunmehr einen neuen im Rückspiegel integrierten digitalen Videorekorder für den werksseitigen Einbau eingeführt. Der Rückspiegel nimmt dabei als Dach- oder Actioncam vorrangig den Bereich vor dem Fahrzeug auf. So können Straßenszenen, Unfälle, Vandalismus und andere Ereignisse im Straßenverkehr aufgezeichnet werden. Das System ist skalierbar, was das Aufnehmen von Sequenzen nach vorn, nach hinten und sogar vom Innenraum möglich macht. Darüber hinaus gibt es Zusatzfunktionen wie Bluetooth, WLAN, einen integrierten Crashsensor und die Möglichkeit zur Audioaufnahme. Die Videodaten können mittels integrierter SD-Karte oder via App für Mobilgeräte heruntergeladen werden. Der digitale Datenrekorder ist in die digitale Spiegelplattform von Gentex integriert und ist Teil des intelligenten Full Display Mirror, der bereits über eine nach hinten gerichtete Kamera und ein in den Spiegel integriertes Video-Display verfügt.

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