Ralf Bretting und Pascal Nagel

Die Chefredaktion der Automobil Produktion, Ralf Bretting und Pascal Nagel, führen durch die Veranstaltung.

Michael Nikolaides, BMW

Michael Nikolaides, Leiter Produktion Motoren und E-Antriebe bei der BMW Group

Die erste Keynote beim Automobil Forum Powertrain 2021 hält Michael Nikolaides, Leiter Produktion Motoren und E-Antriebe bei der BMW Group, der die Zukunftsstrategie des Münchner Herstellers skizziert. Im Zentrum stehe dabei die Maßgabe, die eigenen Produktionssysteme möglichst flexibel zu gestalten. „Die klare Produktionsstrategie der BMW Group ist, die Elektrifizierung in die bestehenden Produktionsumgebungen zu integrieren“, so der Experte. Gleiches gelte auch für Benziner und Diesel, die ebenfalls auf gemeinsamen Linien gefertigt werden können.

Generell stehe die Zukunft von BMW jedoch klar im Zeichen der E-Mobilität: „Wir werden den klassischen Motorenbau in München spätestens bis 2024 schließen“, erklärt Nikolaides zur Strategie im Stammwerk. Dies sei jedoch nicht mit Entlassungen beim Autohersteller verbunden, vielmehr setze man darauf, bestehende Kapazitäten für neue Aufgaben zu benutzen. Unter anderem im Hinblick auf die Batteriefertigung sei es wichtig, „umfangreiches Inhouse-Fachwissen“ aufzubauen, allerdings habe sich auch die Strategie bewährt, Batteriezellen von Zulieferern zu beziehen.

Lars Thielemann, Volkswagen Sachsen

Lars Thielemann, Leiter Planung & Mitglied Werkmanagement im Zwickauer Fahrzeugwerk bei der Volkswagen Sachsen GmbH

Über die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Marktstart der vollelektrischen ID-Modellfamilie spricht Lars Thielemann, Leiter Planung & Mitglied Werkmanagement im Zwickauer Fahrzeugwerk bei der Volkswagen Sachsen GmbH. Bis zum Jahr 2025 investiert Volkswagen rund 35 Milliarden Euro in den Bereich Elektromobilität, bis 2029 sollen 75 reine Elektromodelle des Konzerns auf die Straße kommen. „Wir gehen davon aus, dass bis 2030 rund 70 Prozent der in Europa neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch sein werden“, so Thielemann. Dazu setzt Volkswagen etwa im Werk Zwickau auf eine Mehrmarkenstrategie: Neben den ID-Modellen rollen auch der Cupra Born sowie der Audi Q4 E-Tron am sächsischen Standort vom Band.

Um das Werk auf den rein elektrischen Anstieg umzustellen, habe man 2019 und 2020 die Produktion von Fahrzeugen auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) komplett heruntergefahren, um ab 2021 konsequent Elektroautos mit Hilfe des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) zu fertigen. Gleichzeitig habe man Maßnahmen ergriffen, um Abläufe im Werk stärker zu automatisieren, insbesondere innerhalb der Montage. Zudem kommen etwa in der Logistik verstärkt fahrerlose Transportsysteme zum Einsatz, während im Presswerk das Abstapeln zunehmend automatisiert stattfindet. Gleichzeitig habe man verstärkt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus des Fahrzeuglebenszyklus gerückt - etwa über Recycling-Systeme und die Versorgung der Werke mit Grünstrom.

Matthias Zink, Schaeffler

Matthias Zink Vorstand Automotive Technologies, Schaeffler AG

Den zweiten Vortragsblock des Tages eröffnet Matthias Zink, Vorstand Automotive Technologies bei Schaeffler. Auch beim Zulieferer stelle man sich massiv auf den Siegeszug der E-Mobilität ein, so Zink, der alternative Antrieb sei keine Disruption mehr, sondern inzwischen zum „new normal“ avanciert. Aber bei der Entwicklung von Motoren und anderen Komponenten sei immer noch Luft nach oben. „Der beste elektrische Antrieb ist noch nicht erfunden“, so Zink. Um die eigene Entwicklung zu stärken, arbeite das Unternehmen unter anderem daran, Mitarbeiter vom Umgang mit dem Verbrennungsmotor in Richtung der Elektromobilität umzuschulen. Zudem habe man Lücken im eigenen Portfolio durch strategische Zukäufe schließen können.

Mit der bloßen Elektrifizierung des Antriebs sei es aktuell allerdings nicht getan. „Ich wünsche mir eine breitere, holistische Diskussion zum Thema Elektromobilität“, so Zink. Dazu gehöre neben dem Beitrag des Fahrzeugbaus auch die Diskussion von Fragen rund um die Energiewende.

Christopher Breitsameter, Vitesco Technologies

Christopher Breitsameter, Senior Vice President, Head of Product Line High Voltage Electronics bei Vitesco Technologies, stellt auf dem Automobil Forum Powertrain 2021 die vierte Generation der eigenen Hochspannungswechselrichter vor. Mit dem Produkt möchte das Continental-Spin-off eine flexible und skalierbare Plattformlösung anbieten, die für verschiedene Fahrzeugmodelle und -klassen zum Einsatz kommen kann. Dabei habe man Wert auf einen passenden Leistungsbereich gelegt, der einen Großteil der gängigen Anwendungsszenarien abdecken kann. Durch den starken Software-Fokus könne man zudem einen Beitrag für People Mover oder andere autonome Fahrzeuge leisten.

Paneldiskussion

Paneldiskussion mit Christopher Breitsameter (Vitesco), Olaf Sauer (Fraunhofer IOSB), Dieter Beck (Dürr Consulting)

Im Rahmen einer Paneldiskussion beschäftigen sich die drei Produktionsexperten Christopher Breitsameter (Vitesco), Olaf Sauer (Fraunhofer IOSB) und Dieter Beck (Dürr Consulting) mit der Frage, wie die Automobilindustrie in Zeiten großer Variantenvielfalt und schneller Produktzyklen wettbewerbsfähig bleiben kann. Dass es einen einzelnen Königsweg in dieser Frage nicht gebe, betont unter anderem Dürr-Experte Dieter Beck: Eine klare Präferenz zu einem Aufbau von E-Kapazitäten im Green- oder im Brownfield sei derzeit in der Branche nicht erkennbar. Deutlich sei hingegen der Fortschritt auf dem Weg zur digitalen Fabrik.

„Ich glaube schon, dass die Autobauer und die Anlagentechnik auf einem guten Weg zur Industrie 4.0 sind“, erklärt Fraunhofer-Experte Olaf Sauer. Gleichzeitig seien den Einsatzmöglichkeiten von selbstorganisierenden, flexiblen Systemen auch Grenzen gesetzt, betont hingegen Dieter Beck. Etwa vor dem Hintergrund der hohen Auslastung sei davon auszugehen, dass die Montagelinie noch nicht ausgedient habe. Zentral beim Einsatz neuer Technologien sei, so der Einwand von Christopher Breitsameter, vor allem ein hohes Maß an Standardisierung, das den erfolgreichen Anlauf neuer Werke oder Anlagen massiv beeinflusse. Ein konkretes Beispiel für die Entwicklung neuer Produktionsabläufe sieht Olaf Sauer etwa im Bereich des Gemeinschaftsprojektes Catena-X, das über spezielle Use Cases die modulare Produktion vorantreiben könne.

Der Einschätzung des Publikums auf dem Automobil Forum Powertrain, das im Rahmen einer Abstimmung zu über 80 Prozent die Meinung äußert, dass Skaleneffekte die Preise in der Elektromobilität mittelfristig deutlich senken werden, schließen sich auch die Experten in der Paneldiskussion an. Eine wichtige Rolle spiele hierbei etwa die Vereinheitlichung von Produktionsmitteln, so Olaf Sauer, die es einfacher mache, Systeme zu skalieren oder über verschiedene Standorte hinweg auszurollen. „Skalierbarkeit ruft geradezu nach universellen Produktionsmitteln“, so der Fraunhofer-Experte. Ein ähnlicher Grundsatz gelte auch für die dezentrale Kommunikation von IT- beziehungsweise KI-Systemen innerhalb der Produktion.

Udo Aull, SEW-Eurodrive

Udo Aull, SEW-Eurodrive

Udo Aull, Geschäftsführer Vertrieb bei SEW-Eurodrive, eröffnet den letzten Vortragsblock des Automobil Forums Powertrain 2021. Aktuelle Herausforderungen der Branche sind laut Aull derzeit das hohe Maß an Individualisierung und die Kundenanforderung nach schnellen Reaktionszeiten, die aus der B2C-Welt auch immer stärker die Industrie erfasse. Dies mache eine intelligente Vernetzung der Produktion über eine Cloud-Ebene nahezu unumgänglich und erfordere den direkten Austausch der Sensor-Aktor-Ebene mit der Datenwolke.

„Die Cloud bietet die Möglichkeit, bestehende Module zu optimieren und zu kombinieren, sowie vorausschauend Engpässe zu erkennen“, so Aull. „Wir sprechen von der SPS-losen Fabrik, in der Prozessmodule über Cloud-Systeme, Client-Server-Systeme und MQTT-Broker kommunizieren.“

Dieter Beck, Dürr Consulting

Dieter Beck, Dürr Consulting

Dieter Beck, Senior Manager, Automotive Expert bei Dürr Consulting, skizziert in seinem Vortrag die neuen Herausforderungen für die Fertigung von Elektrofahrzeugen. Vor allem aufgrund der neuen Anforderungen durch die Montage der Batterie mache eine Anpassung der Abläufe und der technischen Arbeitsschritte notwendig. „Die Brownfield-Integration erfordert antriebsflexible Lösungen, teilweise auch für Produkte mit absehbarem Produktionsende“, so Beck.

Für Autohersteller habe es bereits jetzt Sinn, sich auf kommende Weiterentwicklungen der batterieelektrischen Mobilität einzustellen, so Beck. Etwa Festkörperbatterien, Batteriewechselkonzepte oder die Brennstoffzelle seien Zukunftstechnologien, für die bereits jetzt Weichen in der Produktion gestellt werden können.

Joachim Döhner, Kuka Systems

Joachim Döhner, Kuka

Den Abschlussvortrag des Automobil Forums Powertrain 2021 präsentiert Joachim Döhner, Battery Senior Director Global Sales bei Kuka Systems, der eine ganzheitliche Betrachtung des E-Autos vornimmt. „Damit Elektrofahrzeuge funktionieren, brauchen sie grüne Energie“, so Döhner, „und grüne Energie braucht Batterien.“

Vor allem hier gelte es, den ökologischen Fußabdruck zu senken, etwa über die Produktionseffizienz, aber auch über die Produktqualität, um einen möglichst langen Lebenszyklus zu garantieren. Diese Anforderungen müssen Produktionslinien ebenso abbilden wie die Sicherstellung eines lückenlosen Trackings und Tracings über Produktmerkmale und Prozessschritte hinweg.

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