Škoda: Mehr Lackier-Kapazitäten in Mladá Boleslav

Ribbon-Cutting für ein XXL-Bauwerk: Mit 35 Metern Höhe und sieben Geschossen bildet die neue Lackiererei jetzt das höchste Gebäude des Škoda Stammwerks in Mladá Boleslav. Bild: Škoda

Škoda Vorstandsvorsitzender Bernhard Maier zeigt sich erfreut: „Mit der neuen Lackiererei stärken wir unseren Stammsitz Mladá Boleslav nachhaltig. Für uns ist sie ein wichtiger Baustein unseres Wachstumskurses, den wir im Rahmen unserer Strategie 2025 konsequent umsetzen. Mit ihr erhöhen wir unsere Kapazitäten und können so die hohe Kundennachfrage wesentlich besser bedienen. Gleichzeitig schaffen wir über 650 neue Arbeitsplätze im Herzen von Škoda und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Stärkung des Automobilstandorts Tschechien.“

Michael Oeljeklaus, Škoda Vorstandsmitglied für Produktion und Logistik, fügt hinzu: „Mit der neuen Lackiererei nehmen wir eine der fortschrittlichsten Anlagen ihrer Art in ganz Europa in Betrieb. Im Stammwerk Mladá Boleslav erhöhen wir so unsere Fertigungskapazitäten deutlich. Künftig erhalten hier bis zu 168.000 Karosserien pro Jahr ihren Farbauftrag, wodurch die gesamte Lackierkapazität des Werks auf jährlich 812.000 Einheiten steigt. Zahlreiche Arbeitsschritte werden von insgesamt 66 Robotern übernommen oder unterstützt.“

In den Lackierprozess integriert ist beispielsweise das vollautonome Transportsystem für die einzelnen Karosserien während der Vorbehandlung und Grundierung. Dieses Fördersystem erlaubt es, die Prozessparameter für jedes Fahrzeug individuell zu wählen. In herkömmlichen Lackierstraßen können wegen des Transports der Karosserien an Kettenförderbändern keine solchen maßgeschneiderten Einstellungen vorgenommen werden.

Sämtliche Daten des Produktionsprozesses werden elektronisch mit der Identität des jeweiligen Fahrzeugs abgeglichen und per Datenfunk an die individuellen Arbeitsstationen weitergegeben, die auf dieser Basis die jeweils passenden Materialien anwenden.

Bei der Auswahl der gesamten technischen Ausstattung legte die tschechische Tochter des Volkswagenkonzerns besonderen Wert auf einen geringen Energieverbrauch. Ein Beispiel ist die einzigartige Trocknungstechnologie der neuen Lackiererei: Um beim Einbrennen der verschiedenen Lackschichten die Temperaturunterschiede zwischen massiven, hochfesten Karosseriekomponenten und leichten Blechen auszugleichen, blasen zentrale Wärmetauscher heiße Luft in bestimmte Bereiche. Auf diese Weise reduziert sich der Energieaufwand beim Trocknen der Lackschichten um bis zu 20 Prozent.

Ein Nassbürstensystem zur Reinigung der Karosserien ermöglicht es, Dichtmittel und Grundierung gleichzeitig einzubrennen – damit spart die Anlage einen ganzen Trocknungsschritt und damit das Aufwärmen und Abkühlen der Karosserie.

Die Lackierroboter besitzen in ihrem Ausleger eine innovative siebte Rotationsachse. Durch diese Konfiguration kann ein Roboter Karosserien mit einer Gesamtoberfläche von bis zu 108 Quadratmetern beschichten. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Oberfläche aktueller Pkw-Modelle beträgt 88 Quadratmeter.


Genau wie in bisherigen Lackierstraßen verwendet Škoda in der neuen Anlage bis auf die abschließende Klarlackschicht ausschließlich wasserlösliche Beschichtungen. In der neuen Lackiererei besteht diese oberste Schicht allerdings zu 55 Prozent aus Feststoffen. Durch diese Zusammensetzung sind pro Fahrzeug rund 210 Gramm weniger Lösemittel erforderlich und die benötigte Klarlackmenge sinkt um 17 Prozent auf zwei Kilogramm pro Fahrzeug.

Die insgesamt fünf Lackschichten eines Škoda ergeben am Ende eine Beschichtung von circa 0,1 Millimeter Stärke. Die Lackiererei kann insgesamt 17 verschiedene Farbtöne produzieren, viele davon mit Metallic- oder Perleffekt.

Die neuen Technologien leisten zudem einen wesentlichen Beitrag zur Umweltfreundlichkeit. Lackierrückstände wie Farbpartikel werden durch eine sogenannte Trockenabscheidung absorbiert. Bei diesem Verfahren ersetzt gemahlener Kalkstein das bislang verwendete Wasser – so fällt praktisch keinerlei Lackschlamm als Abfall an.

Das Abluftreinigungssystem mit gemahlenem Kalkstein reduziert die Farbreste um mehr als 2 Kilogramm pro Karosserie. Das verwendete Kalksteinmehl und die darin aufgefangene Farbe werden anschließend thermisch verwertet und zur Rauchgasentschwefelung des Heizwerks der Tochtergesellschaft Ško-Energo verwendet. Durch diese Technologie recycelt der Automobilhersteller bis zu 80 Prozent der in den Spritzkabinen verwendeten Luft, was den Energieverbrauch für die Aufbereitung der Ansaugluft erheblich reduziert.

Darüber hinaus verfügt die neue Lackiererei über ein System, das sämtliche Emissionen thermisch beseitigt. Die produktionsbezogenen Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile Organic Compounds, kurz VOC) während des Lackierprozesses konnte Škoda nach eigenen Angaben um 36 Prozent reduzieren.

Mit 35 Metern Höhe und sieben Geschossen bildet die neue Lackiererei jetzt das höchste Gebäude des Škoda Stammwerks in Mladá Boleslav. Eine Länge von 276 Metern und eine seitliche Ausdehnung von 60 bis 140 Metern ergeben eine Grundfläche von 25.094 Quadratmetern – etwa so viel wie drei Fußballfelder. Das umbaute Volumen entspricht mit 828.058 Kubikmetern dem Fassungsvermögen von 265 olympischen Schwimmbecken.