Marquardt, Fertigung, Autoschlüssel

Handmontage des Batteriekontakts in einem Autoschlüssel im Rietheimer Marquardt-Werk für Automobilsysteme. Bild: Marquardt

Wer in einem Modell von Mercedes einen Schalter betätigt, der hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal Kontakt mit einem Produkt der Schwaben. Ebenso derjenige, der seine Funkfernbedienung zum Ent- oder Verriegeln des Fahrzeugs drückt. Vielen jedoch wird der Name des Lieferanten der Schalter oder der Keyless-Go-Systeme kaum etwas sagen. Dabei ist Marquardt immerhin Europas Nummer eins bei diesen Systemen.

Dass das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Rietheim-Weilheim diese Position halten will, daran besteht kein Zweifel. Erst jüngst stellte man wieder eine Innovation vor: Wie man künftig ein Mobiltelefon als ‚digitalen Autoschlüssel‘ sowie als Informationsplattform für ein Fahrzeug nutzen kann, zeigte Marquardt gerade auf der Internationalen Zuliefererbörse IZB in Wolfsburg.

Tankanzeige, Reifendruck oder gar die Standheizung können schnell und sicher per Handy abgefragt oder bedient werden. Der Handy-Schlüssel fürs Auto – kurz ‚BlueID Drive‘ – eröffne etwa insbesondere für Mietwagenfimen, Flottenbetreiber oder Car-Sharing-Anbieter neue Perspektiven. Bei dieser Entwicklung kooperiert man mit ‚baimos technologies‘ aus dem bayerischen Garching. "Aktuell sprechen wir gerade mit mehreren Herstellern sehr konkret über erste gemeinsame Projekte", wie Geschäftsführer Dr. Harald Marquardt erklärt.

Für solche und weitere Innovationen wie die berührungslose Bedienung stecken der Automotive-Chef und sein Team – deutlich über dem Branchenschnitt – jährlich rund zehn Prozent des Firmenumsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gruppen-Umsatz ist 2009 krisenbedingt deutlich von rund 500 auf zirka 410 Millionen Euro gefallen. Für das laufende Geschäftsjahr 2010 rechnet Dr. Marquardt wieder mit einer Rückkehr auf das Vorkrisenniveau: "Wir sind zuversichtlich, dass wir im Geschäftsjahr 2010 an die Erfolge vor der Krise anknüpfen können. Ebenso schnell wie die Auftragseinbrüche im vierten Quartal 2008 eintraten – wir hatten in den Monaten danach Umsatzeinbrüche von teilweise deutlich über 50 Prozent zu verzeichnen – kam im Jahr 2010 die enorme Nachfrage unserer Kunden zurück." Befragt nach den Aussichten für die nahe Zukunft, bleibt der Schwabe jedoch vorsichtig: "Wir glauben nicht, dass es mit dem aktuellen Wachstum im zweistelligen Bereich auch 2011 weitergeht. Die Auftragslage wird sich aber stabilisieren."

Neben den hohen FuE-Aufwändungen sieht der Firmenchef noch weitere künftige Vorteile: "Wir haben durch unsere hohe Fertigungstiefe fundiertes Know-how auf allen relevanten Entwicklungs-, Konstruktions- und Fertigungs-Feldern. Als Mechatronik-Spezialist garantieren wir im Bereich Feinwerktechnik und Mensch-Maschine-Interface, kurz HMI, für Zuverlässigkeit, Sicherheit und Qualität im Hinblick auf Haptik, Optik und Wertanmutung."

Wachstum und internationaler Ausbau

Dr. Marquardt ist überzeugt: "Was wir bei unseren Keyless-Systemen bereits weit über ein Jahrzehnt unter Beweis stellen, bringen wir auch in alle anderen Projekte ein: Wir arbeiten kunden- und lösungsorientiert von der Einzelkomponente bis zum Gesamtsystem."

Hinsichtlich künftiger Trends ist er sich sicher, dass Marquardt diese "durch unsere Mechatronik-Kompetenz aktiv mitgestalten" kann. "Das zunehmende Verlangen nach Infotainment und Komfortfunktionen im Automobil spielt uns in die Hände. Wir sehen für uns an dieser Stelle eher Wachstumschancen im Markt", ergänzt Dr. Marquardt.

Auch den Weg der Internationalisierung will das Unternehmen fortsetzen. Neben dem Ausbau der Asien-Aktivitäten wurde erst gerade der rumänische Standort Sibiu erweitert. "Derzeit planen wir – auch aufgrund der aktuellen Entwicklung – Erweiterungen der Werke in Shanghai, China, und Sibiu, Rumänien. Eine Standortanalyse in Mittelamerika für den nordamerikanischen Markt läuft ebenfalls; ab 2011 sind wir auch dort vertreten", verrät Dr. Marquardt das weitere Vorgehen der Gruppe.