SHW, Langhanteln

Zum Nachweis der statischen Belastbarkeit des Unterbodensegments dienen die Gewichte regulärer Langhanteln. Bild: SHW

"Meiden Sie Zulieferer", riet der berühmte Fondsmanager Peter Lynch in den 90ern, "sie hängen am Tropf der Automobilindustrie." Doch wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. SHW könnte eine werden, wenn man als Aktionär langfristig denkt. Aus diesem Grund platzierten die Wirtschaftsprüfer von Deloitte das Unternehmen 2013 unter die Top 60 Zulieferer – und lobten SHW dafür, über die vergangenen zehn Jahre eine überdurchschnittliche Steigerung des Unternehmenswerts vorzuweisen. SHW bestätigte das mit den Umsatzzahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr: 12,4 Prozent plus meldete das Unternehmen. In Summe sind das 365,6 Millionen Euro.

Vor allem im Bereich Pumpen und Motorkomponenten wurde ein Zuwachs von rund 15 Prozent erzielt. SHW-Chef Thomas Buchholz: "Die SHW ist eine Erfolgsgeschichte, die von Produktinnovationen gekennzeichnet ist, die einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und damit des CO2-Ausstoßes von Kraftfahrzeugen liefern. Zu diesen Innovationen zählen im Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten u.a. die elektrische Getriebeölpumpe für die Start-Stopp-Funktion und die variable Öl-/Vakuumpumpe. Beide Produkte wurden von uns als erstes in den Markt gebracht und haben sich zu echten Verkaufsschlagern entwickelt."


Auch ein anderer Bereich stimmt Buchholz positiv: "Im Geschäftsbereich Bremsscheiben möchte ich unsere Verbundbremsscheibe hervorheben. Hier haben wir einen größeren Auftrag von einem renommierten deutschen Fahrzeughersteller erhalten, der ab 2015 beachtliche Umsatzbeiträge liefern wird." Das freut die Investoren. Was sie weniger freute, ist das Ergebnis nach Steuern. Das sank im Berichtsjahr auf 13,4 Millionen Euro gegenüber 14,2 Millionen im Vorjahr. Das Unternehmen begründete das mit der überraschend hohen Nachfrage. Was ja grundsätzlich eine gute Botschaft ist. Dadurch seien erhöhte Kosten wie etwa Überstunden entstanden. Dies wäre aber jetzt aufgefangen.

Doch die Herausforderungen reißen nicht ab. Stichwort: Baukastenstrategien.SHW-Chef Buchholz: "Lassen Sie mich das zunächst grundsätzlich am Beispiel des Modularen Querbaukastens (MQB) des VW-Konzerns erläutern: Eine zentrale Rolle spielen dabei der in die MQB-Strategie integrierte Modulare Ottobaukasten (MOB) mit der neu entwickelten Motorenreihe EA211 und der Modulare Dieselbaukasten (MDB) mit den ebenfalls neu entwickelten Motoren der Reihe EA288. Unter dem Strich haben sich dadurch die Motor- und Getriebevarianten um rund 90 Prozent verringert, die Stückzahlen je Motorenreihe aber gleichzeitig signifikant erhöht. Als Lieferant der Öl-/Vakuumpumpe für den 4-Zylinder-Diesel, beziehungsweise der Öl-/Vakuumpumpe mit Ausgleichswelleneinheit für den 3-Zylinder-Diesel, profitieren wir entsprechend davon."

Innovation ist bei SHW oberstes Gebot: So geht im Pumpenbereich der Trend klar in Richtung einer bedarfsgerechten Öl- und Wasserversorgung von Motor, Getriebe und Kühlmittelkreislauf. "Durch Start-Stopp-Segelfunktionen und die Hybridisierung steigt der Einsatz von elektrisch betriebenen Zusatzpumpen in den nächsten Jahren deutlich. Daneben steht die Optimierung des Energieverbrauchs der entsprechenden Pumpen ganz oben auf der Agenda unserer Entwicklungsspezialisten.
Im Bremsscheibenbereich sind es unsere Verbundbremsscheiben, mit denen der Automobilhersteller pro Fahrzeug bis zu acht Kilogramm einsparen kann. Man darf mit Fug und Recht sagen, dass unser Produktportfolio auf die Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und damit der CO2-Emissionen ausgerichtet ist."

Doch nicht nur die Innovationen, sondern auch die Marktexpansion wird vorangetrieben. Liegt der Vertriebsschwerpunkt noch in Europa, will man nun in Asien und Amerika wachsen. Ende März  werden in einem neuen Werk in Brasilien Ölpumpen produziert. In Nordamerika sieht SHW gute Chancen mit GM, Ford und Chrysler ins Geschäft zu kommen. Liegt der Umsatz momentan bei fünf Millionen Euro, soll er bis 2018 auf 100 Millionen steigen. Das gleiche gilt für die asiatischen Märkte. Bis 2018 will man so den weltweiten Umsatz fast verdoppeln. Die SHW-Rechnung, aus weniger CO2 mehr Wachstum zu machen, scheint aufzugehen.