Johannes Roters, CEO Yanfeng Automotive Interiors

Johannes Roters, CEO Yanfeng Automotive Interiors: "Die neuen Raum-Konzepte kommen sehr viel schneller, als wir das noch vor drei Jahren erwartet hatten." Bild: Yanfeng

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Roters, 2015 wurde Yanfeng Automotive Interiors in seiner jetzigen Struktur aus dem vormaligen Innenraumgeschäft von Johnson Controls und Yanfeng Automotive Trim Systems geformt. Entstanden ist ein weltweit führender Zulieferer in dem Bereich. Zwei Jahre später agiert das Unternehmen, als sei es schon immer da. Das wie es scheint, ganz ohne Integrationskonflikte. Wie haben Sie das geschafft?
Es war eine wirklich schöne Story. Der Schlüssel für den Erfolg liegt im zeitlichen Ablauf. Wir sind jetzt zwar erst etwas über zwei Jahre aktiv im Markt, wir haben aber zuvor ein komplettes Jahr genutzt, um die Integration vorzubereiten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das heißt, der Weg war nicht: erst zusammen schließen und dann integrieren, sondern erst integrieren und dann als neues Unternehmen an den Markt zu gehen.
So kann man es sehen. Vorausgegangen war die grundsätzliche Entscheidung bei Johnson Controls sich aus seinen drei Automotive-Bereichen zu verabschieden. Die Sparte Electronics wurde verkauft, die Sitzfertigung unter das Dach der heute eigenständigen Adient gepackt und aus dem Interior-Bereich entstand Yanfeng Automotive Interiors. Dazu muss man wissen: da sind ja keine Unbekannten zueinander gekommen. Yanfeng und Johnson Controls kennen sich durch Joint-Venture-Aktivitäten ja seit über 15 Jahren. Da gab es bereits eine Vielzahl an Schnittstellen. An die haben wir angeknüpft und die 12 Monate Vorlaufzeit vor dem Tag 1 für den Start des operativen Geschäfts am 2. Juli 2015 intensivst dazu genutzt, unsere Strategie zu definieren und darauf unsere Businesspläne abzustimmen. 

AUTOMOBIL PRODUKTION: Gewundert hat es mich immer, dass man sich für den Namen Yanfeng entschieden hat. Die Reputation chinesischer Zulieferer ist global ja sicher noch nicht auf Top-Level.
Ausgangspunkt auch für die Namensgebung war die Entscheidung von Johnson Controls, sich – ausgenommen das Batterigeschäft – sich von den Automotive-Bereichen  zu trennen. Man wollte dann auch nicht mehr den Namen zur Verfügung stellen.  Dadurch kam die Diskussion auf: Nehmen wir einen neuen, künstlichen Namen oder den des chinesischen Partners. Letztlich haben wir uns für Yanfeng entschieden. Das im Wesentlichen aus zwei Gründen: Zum einen ist Yanfeng in Asien ein seit Jahren etabliertes Unternehmen, zum anderen bleibt Asien und speziell China auf Jahre hinaus der wichtigste Markt.  Um diesen Namen global eingängiger zu machen, haben wir uns den Nickname „YFAI“ ausgedacht, was man ja ausspricht wie „Wi-Fi“.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie ist es jetzt in der Praxis. Müssen Sie bei den Daimlers, BMWs und VWs dieser Welt Überzeugungsarbeit für den Zulieferer mit dem chinesischen Namen leisten?
Nein. Es sind ja alle großen OEM in China aktiv und kannten und kennen das Unternehmen Yanfeng.  Der Name war da; nach meiner Wahrnehmung gibt es keinerlei Vorbehalte der globalen OEMs, auch außerhalb  Chinas auf uns als Partner zu setzen – zumal ja gerade Globalität unsere große Stärke ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was war das primäre Ziel bei der Gründung?
Das Zusammenfahren der beiden Unternehmen hatte ganz klar das Ziel, einen globalen Spieler aufzubauen, der auch die Potenz hat, sich in diesem kapitalintensiven Interior-Umfeld an der Spitze zu positionieren. Mit der sehr starken Position, die Yanfeng in China hatte und Johnson Controls in Amerika und Europa, ist das gelungen. Wir sind durch diese Konstellation ja der einzige Zulieferer, der in Asien, China und Europa gleich stark aufgestellt ist und der alle großen Regionen sauber bedienen kann. Wir haben zwar einen chinesischen Namen, sind aber kein chinesisches Unternehmen. Wir sind klar global ausgerichtet. Wir können die globale Antwort geben für unsere globalen Kunden. Nehmen Sie die Mercedes-Benz C-Klasse. Die wird für alle Weltregionen produziert, wir sind in allen Weltregionen vertreten und können entsprechende Lösungen anbieten. Wir haben nicht das Problem, dass wir Teile nur in einzelnen Regionen fertigen. Wir haben alle Technologien lokalisiert.