Über das Aussehen des neuen Audi Q5 wurde gemeinhin alles gesagt. Er ist chic, edel und allemal sehenswert - nur eben seinem erfolgreichen Vorgänger wie aus dem Gesicht geschnitten. Eine neue Audi-Linie ist abgesehen vom frischen Einsteiger namens Audi Q2 erst ab dem neuen A8 zu erwarten, der im kommenden Frühjahr seine Weltpremiere feiert. Wer sich nicht daran stört, dass alt und neu wie Zwillinge im Parkhaus nebeneinanderstehen, dürfte sich allemal für den Audi Q5 begeistern können. Und das eben nicht nur mit seinem prächtigen V6-Diesel, sondern auch dem Volumenbenziner mit zwei Litern Hubraum. Der 4,66 Meter lange Q5 2.0 TFSI Quattro ist mit einer echten Allzweckwaffe aus dem Volkswagen Konzern unter der Motorhaube unterwegs. Der aufgeladene Direkteinspritzer vom Typ EA 888 ist mittlerweile in seiner dritten Generation unterwegs. Er befeuert bei VW, Audi, Seat und Skoda große Teile des Portfolios und macht auch im 1,8 Tonnen schweren Mittelklasse-SUV von Audi eine gute Figur.

Bis der S Q5 und später der fast 500 PS starke RS Q5 kommen, parkt der aufgeladene Vierzylinder mit seinen 185 kW / 252 PS auf dem Stellplatz des Benzintopmodells. Der Normverbrauch liegt mit 6,8 Litern Super auf einem Niveau, mit dem man vor wenigen Jahren allenfalls in Dieselregionen unterwegs war. Fraglos würde man sich wegen Image und Laufruhe in solchen Leistungsregionen unverändert einen Sechszylinder wünschen, den Audi jedoch nur bei den Dieseln über 200 PS sowie bei S- und RS-Modellen bietet. Trotz leicht gewachsener Abmessungen speckte der Audi Q5 2.0 TFSI um 90 Kilogramm auf rund 1,8 Tonnen ab. 252 PS sind für einen SUV-Benziner die ideale Motorleistung, um flott und gleichermaßen standesgemäß motorisiert durch die Landschaft zu gondeln. Dabei läuft der Motor ruhig, vibrationsarm und überaus unspektakulär. Insbesondere der wenig sonore Klang unterstreicht, dass man zwei Brennkammern weniger als an sich gewünscht im Vorderwagen arbeiten lässt, um die Maximalleistung zu generieren. Das maximale Drehmoment liegt mit 370 Nm zwischen 1.600 und 4.500 U/min ebenfalls beinahe auf dem Niveau eines kraftvollen Diesels.

Aus dem Stand beschleunigt der Audi Q5 2.0 TFSI in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und beendet seinen allemal dynamischen Vortrieb erst bei 237 km/h. Allerdings ist ihm gerade in höheren Drehzahlbereichen der überschaubare Hubraum von nur zwei Litern anzumerken. Hier wirkt das Turbotriebwerk nicht so souverän, wie man es sich von einem gleichstarken Sechszylinder in V- oder Reihenbauform wünschen würde. Und doch braucht der Vierzylinder im bayrisch-mexikanischen Allradler keine lange Zeit, um den Piloten zu erfreuen. Denn wer lässig mitschwimmt, zwischendurch kraftvoll beschleunigt und dann wieder im flotten Galopp auf der Autobahn unterwegs ist, ist mit dem Volumen-Benziner gut bedient. Die bisweilen allzu rustikale Dieseltechnik vermisst man an Bord des Allradlers nicht, der ab Anfang 2017 nicht mehr in Deutschland, sondern im mexikanischen San José Chiapa vom Band läuft. Die Reifenspuren, in denen der Segmentführer dann wandelt, sind breit. Bisher wurden 1,6 Millionen Fahrzeuge verkauft; selbst im letzten Jahr seines Modellzyklus‘ war der Q5 nicht vom Segmentthron zu stürzen.

Teure Extras

Beim Fahrwerk lässt einem Audi viele Möglichkeiten. Die beste Wahl ist die mit 1.950 Euro Aufpreis allerdings stattlich bepreiste Luftfederung. Mit ihr wechselt der Crossover variabel die Bodenfreiheit oder während der Fahrt ganz nach Gusto von komfortabel auf sportlich. Wer nicht mit dem Serienfahrwerk unterwegs sein möchte, ist mit dem elektronisch verstellbaren Fahrwerk bestens bedient. Auch hier lassen sich verschiedene Modi anwählen und das zusätzliche Fahrvergnügen kostet mit 980 Euro nur rund die Hälfte.

Deutlicher als beim zwillingshaften Äußeren präsentieren sich die Q5-Unterschiede zwischen alt und neu im Innenraum. Das Platzangebot ist vorne kaum größer als bisher; jedoch wirkt alles moderner und die bisweilen hässlichen Kunststoffflächen rund um Instrumente und Bedienelemente sind verschwunden. Ärgerlich, dass Audi seinen alles andere als preiswerten Q5 nicht serienmäßig mit zeitgemäßen Dreingaben wie LED-Scheinwerfer (ab 1.190 Euro), animierten Instrumenten (500 Euro) und einem Navigationssystem (2.820 Euro) versorgt. Alles muss man wie bei den Brüdern A4 / A5 extra bezahlen und der 8,3 Zoll große Multifunktionsbildschirm auf der Mitte des Armaturenbretts ist nicht nur etwas klein, er wirkt auch wie ein nachträglich montierter Fremdkörper. Eine Touchfunktion hat der Bildschirm ebenfalls nicht. Da gefallen die sehr bequemen Sitze, auf Wunsch elektrische bedienbar, beheizt und edel beledert, schon besser. Etwas mehr Knieraum gibt es im Fond, wenngleich man sich den Verstellbereich der verschiebbaren Rückbank weiter Richtung Laderaum wünschen würde. Der ist mit 550 bis 1.550 Litern allemal groß genug, lässt aber eine elektrische Bedienung ab Werk vermissen. Auch diese Selbstverständlich muss für 490 Euro teuer extra geordert werden.

Real über 60.000 Euro

Während die Sechszylinder mit der prächtigen Achtgang-Automatik arbeiten, werden Vierzylindermotor und Allradantrieb beim Q5 2.0 TFSI Quattro über ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe miteinander verwoben. Das arbeitet ebenfalls dezent im Hintergrund, wirkt jedoch nicht so ausgewogen wie die Achtgang-Automatik mit ihrem Drehmomentwandler. Anders als bei den sparsameren Ultra-Modellen mit entkoppelbarer Hinterachse bietet der Audi Q5 2.0 TSI Quattro ein deutlich besseres Paket mit permanentem Kraftfluss an Vorder- und Hinterachse.

Der Basispreis für den Audi Q5 2.0 TFSI liegt bei 49.900 Euro. Dabei ist die Serienausstattung jedoch eine Enttäuschung. Nahezu alle sinnvollen Ausstattungsdetails müssen extra geordert werden. Mit LED-Licht, Fahrerassistenzsystemen, Navigation und belederten Komfortsitzen ist unter 60.000 Euro nichts zu machen. Zumal auch noch einiges für die Räder anzulegen ist. Serienmäßig rollt der Mexikaner auf wenig sehenswerten 17-Zöllern. Und dass bei einem exklusiven SUV des Jahres 2017 selbst Smartphone-Schnittstelle (400 Euro) und digitales Radio (335 Euro) noch in der Aufpreisliste bestellt werden müssen, wirkt schon fast peinlich.