Die Generation Handy läuft bisweilen mit gesenktem Kopf durch die Gegend und blickt auf das Display des Smartphones anstatt auf die Straße. Manchmal lassen sich kleine Zusammenstöße nicht vermeiden. Während das auf dem Bürgersteig in der Regel glimpflich abgeht und es meistens mit ein paar deftigen Kommentaren in Richtung des unaufmerksamen Zeitgenossen getan ist, sind die Folgen bei der Kollision mit einem Auto deutlich unangenehmer. Wenn dann nur das Display des Handys zu Bruch geht, kann man sich beim Schutzengel bedanken.

Eine wichtige Frage für die Automobilentwickler, die am autonomen Fahren tüfteln, lautet, wie sich die Fahrzeuge bemerkbar machen und ihre Absichten für jeden verständlich kommunizieren. Mercedes hat dabei ein "kooperatives Fahrzeug" konzipiert und die Technik in eine S-Klasse gepackt. In erster Linie macht der Sternenkreuzer durch Lichtsignale seine Intention klar. Dabei verzichtet das Automobil auf eine große Lichtshow, sondern sendet mit Hilfe von Lichtpunkten auf dem Dach sowie Lichtbändern rings um das Auto klare Zeichen: ein permanent leuchtendes Licht zeigt: das Fahrzeug ist im autonomen Fahrmodus, unabhängig davon, ob es fährt oder steht. Langsames Blinken bedeutet: Das Fahrzeug bremst ab und schnelles Blinken kündigt an: Das Fahrzeug fährt in Kürze los.

Schließlich fällt beim autonomen Auto der hilfreiche Blickkontakt zum Fahrer weg. Forscher haben herausgefunden, dass eine 360 Grad-Anzeige am sinnvollsten ist, bei der die gesamte Außenhülle zum Kommunikationsmedium wird. So wird aus jedem Blickwinkel die Absicht des Fahrzeugs klar. Als "Konversations-Farbe" hat sich bei internen Versuchen der Mercedes Ingenieure Türkis als ideal herauskristallisiert. Ein bisschen Bumblebee-Transformer kann die Roboter-S-Klasse auch. Bevor das Fahrzeug losfährt, leuchten die Lichtbänder auf, die Außenspiegel klappen nach außen. Danach hebt sich erst das Heck und schließlich die Front an, wie bei einem Gepard, der bereit ist, loszustürmen.

Jaguar-Land Rover setzt auf Balken

Audi setzt bei seinen selbstfahrenden Autos schon mehr auf den Lichtorgel-Effekt. Mit Hilfe von Laser-Scheinwerfern und sogenannten Matrix-Feldern projiziert der E-tron Sportback Concept Linien auf die Straße, die die Fahrtrichtung auch für Verkehrsteilnehmer anzeigen, die den Kopf gesenkt haben. Biegt das Fahrzeug ab, erscheinen blinkende Pfeile auf dem Boden - so bekommt das Vehikel die Aufmerksamkeit der Generation Handy. Selbst die auditypischen vier Ringe erfüllen einen Zweck, denn sie leuchten entweder sehr hell oder fungieren als dritte Bremsleuchte. Mit Hilfe der beiden LED-Lichtfeldern, die jeweils aus rund 250 LEDs bestehen und sich unter den Scheinwerfern befinden, kommuniziert das Fahrzeug mit den anderen Verkehrsteilnehmern. Mit Hilfe der Lichter wird auch angezeigt, ob der E-tron lädt oder ob die Akkus bereits voll sind. "Bei diesem Auto verschmelzen Design, Technik und Funktion", erklärt Designer Marc Lichte.

Ähnlich agiert auch ein Jaguar-Land Rover-Konzeptfahrzeug und wirft Symbole auf die Fahrbahn. Allerdings beschränkt sich der Brite auf Balken, die Fahrmanöver und Richtungsänderungen ankündigen. Bremst das autonom fahrende Automobil ab, verringert sich der Abstand zwischen den virtuellen Balken. Das System wird bereits auf einer Straße in Coventry getestet, um die Reaktion der Menschen auf die Anzeigen zu erforschen.