| von Wolfgang Gomoll

Die Zeiten, in denen Hyundai die Preis-Leistungs-Karte gespielt hat, sind vorbei. Der Elektro-Crossover Ioniq 5 kostet mindestens 41.900 Euro, das ist deutlich mehr als etwa ein Skoda Enyaq oder ein VW ID.4. Dafür bekommt man ein ansehnliches Auto, das ohnehin mehr auf den Audi Q4 e-tron zielt. Bei einer Länge von 4,63 Metern hat der schmucke Koreaner einen Radstand von drei Metern. Schon diese Abmessungen lassen erahnen, dass es im Inneren des Ioniq nicht allzu eng zugeht - zumal sich die hintere Sitzbank um 13,5 Zentimeter in der Länge verschieben lässt. Dazu kommt ein ordentlich großer Kofferraum, der inklusive Subwoofer in der Radmulde zwischen 499 Liter und 1.559 Liter fasst. Für Krimskrams gibt es noch den "Trunk", also das 24-Liter-Fach unter der ehemaligen Motorhaube. Entscheidet man sich für die Heckantriebsversion, passen sogar 57 Liter rein.

Nette Extras sind die beiden Liegesitze vorne inklusive Fußstütze und die um 14 Zentimeter verschiebbare Mittelkonsole, die dem ohnehin schon luftigen Innenraum noch mehr Raum verleiht. Also kann man es sich in dem rollenden Rundum-sorglos-Paket nach einer anstrengenden Fahrt auch richtig bequem machen. Die Sitzposition vorne links passt, auch wenn die verstellbare Lenkradsäule etwas länger sein könnte. Der Seitenhalt des Gestühls ebenfalls, da wir ja nicht auf Bestzeitenjagd gehen wollen. Das heißt aber nicht, dass der Ioniq 5 stets mit gebremstem Schaum unterwegs ist, zumal wir in der Top-Version mit Allradantrieb und 225 kW / 305 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 605 Newtonmetern sitzen. Damit absolviert der E-Crossover den Standardsprint von null auf 100 km/h in 5,2 Sekunden und ist bis zu 185 km/h schnell. Die Energie für diese Fahrleistungen kommen aus der 72,6-Kilowattstundenbatterie, die bei dem gefahrenen Top-Allrad-Modell eine Reichweite von bis zu 432 Kilometern (nach dem WLTP-Zyklus) verspricht. Als Alternative bieten die Koreaner 58-kWh-Akkus sowie einen reinen Heckantrieb an. Kombiniert man die große Batterie mit dem Hinterradantrieb, schafft der Stromer nominell 485 Kilometer.

Beim Fahrverhalten schlägt sich der Koreaner gut, auch wenn ausgeprägte Dynamikfans ein synthetisches Lenkungsgefühl und eine leichte Wankneigung monieren dürften. Durch den Allradantrieb hat der Ioniq 5 genug Traktion und nur in engen, sehr schnell genommenen Kurven schiebt der Wagen leicht über die Vorderräder, was aber nie unangenehm wird. Das Stahlfahrwerk schlägt sich gut, verleiht dem Koreaner eine komfortable Note und kaschiert die 2.175 Kilogramm Gewicht des Crossovers ziemlich gekonnt, aber nicht gänzlich. Am Lenkrad befindet sich ein kleines Manettino, mit dem man per Knopfdruck die Fahrmodi wechselt. Die Programme Eco, Normal, Sport unterscheiden sich spürbar, da sich Leistung, Gasannahme und auch die Rückstellkräfte der Lenkung verändern. Bei Sport färbt sich auch die Geschwindigkeitsanzeige rot und das System holt alles aus dem Antriebsstrang heraus. Für den entspannten Normalo-Betrieb reicht das gleichnamige Programm oder gleich die Eco-Variante. Ein Individual-Modus fehlt ebenso wie ein automatischer. Dafür bietet der Ioniq 5 ein Schneeprogramm, das auf rutschige Verhältnisse zugeschnitten ist.

800-Volt-Ladetechnik

Bei den elektronischen Helfern spielt der Koreaner in der ersten Liga mit. Dank des Autobahnassistenten 2 wechselt er auf Wunsch selbsttätig die Fahrspur. Im Alltag sorgen solche Kleinigkeiten wie die Toter-Winkelkamera, deren Bild beim Blinken auf der jeweiligen Seite des Kombiinstruments angezeigt wird, für Entspannung und Sicherheit, für die sich auch die Radfahrer und Fußgänger bedanken. Großes Kino ist auch das Head-up-Display, das den Fahrer per Augmented Reality auf einer Bildschirmgröße von 44 Zoll informiert. Die Funktionalität steht ebenfalls nicht hinter denen der deutschen Konkurrenz zurück: Angefangen von den Drohnen-Pfeilen, die beim Navigieren helfen, bis hin zu der Spurverlassenswarnung und der Verkehrszeichenerkennung.

Wir fühlen uns in dem Korea-Stromer auf Anhieb heimisch. Auf Wunsch liefert ein Panoramadach auch im Winter Naturbeleuchtung. Die beiden 12,25 Zoll großen Monitore erinnern mit dem breiten Rahmen zwar an ältere Apple iPads, aber die Anzeigen sind gut ablesbar und das links neben dem virtuellen Cockpit eine magnetische Fläche ist eine nette Idee, deren praktische Umsetzung interessant werden dürfte. Dass das Infotainment das Smartphone per Apple CarPlay und Android Auto nicht drahtlos einbindet, stört kaum. Dafür gibt es jede Menge USB-Anschlüsse und sogar clevere Lademöglichkeiten für E-Bikes oder Laptops. Diese bidirektionale Ladefähigkeit (Vehicle-to-Load / V2L) speist die Fremdbatterien mit bis zu 230 Volt Wechselstrom und einer Leistung von 3,6 Kilowatt. Die Anschlüsse für dieses Laden befinden sich unter den Sitzen der Rückbank oder der Ladebuchse an der Außenseite des Autos, die mit mithilfe eines Adapters für 230-Volt-Endgeräte genutzt werden kann.

Der Ionig 5 steht auf der neuen Electric Global Modular Platform (E-GMP) und die zeichnet sich unter anderem durch 800-Volt-Technik aus, was sich günstig auf die Ladegeschwindigkeit auswirkt. Mit der maximalen Ladegeschwindigkeit von derzeit 220 kW pumpen die Ladesäulen in 18 Minuten die Akkus von zehn auf 80 Prozent voll. Dass diese Spitzenwerte aktuell in der Welt der Elektromobile nur selten erreicht werden, haben unsere Stromtankerlebnisse gezeigt. Beim Ioniq 5 können wir uns noch kein abschließendes Urteil erlauben, da wir in einem Vorserien-Modell unterwegs sind. Der koreanische Autobauer verspricht aber, dass bis zum Marktstart im Mai und darüber hinaus drahtlose Updates das Stromladen sowie andere Funktionen optimieren. Auf Wunsch können auch während des Fahrzeuglebens weitere Funktionen freigeschaltet werden.

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