Kurz nach halb vier nachmittags mussten alle erst einmal kräftig durchatmen und sich einen tiefen Schluck aus welcher Flasche auch immer gönnen. Die Streckensprecher, sonst um keine verbale Eifelplattheit verlegen, pusteten sich die Luft aus den Backen und setzten sich erstmals wieder hin. Teamchefs reckten die Hände in die Höhe und Mechaniker hatten Tränen in den Augen - andere konnten es nicht fassen und vergruben das Gesicht in den dreckigen Arbeitshandschuhen. Dass nach 158 Runden der Audi R8 LMS mit der Startnummer 29 als erster die Ziellinie überquerte, hätte lange Zeit keinen überrascht, so überlegen hatten die Ingolstädter das 45. 24 Stunden Rennen am Nürburgring im Griff.

Doch als nach tagelangem Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 30 Grad im Schatten 15 Minuten vor Schluss ein kurzer, aber heftiger Regenschauer einsitze, hätte beinahe alles noch ganz anders werden können. Doch der Audi R8 LMS von Land Motorsport setzte nach einem verunglückten Boxenstopp und einem doppelten Reifenwechsel alles auf eine Karte: früh aufgezogene Regenreifen sicherten der Fahrerbesatzung Kelvin van der Linde, Christopher Mies, Connor De Phillippi und Markus Winkelhock den längst verloren geglaubten Sieg vor dem BMW M6 GT3 von Rowe Racing (Startnummer 98; Alexander Sims, Markus Palttala, Nick Catsburg und Richard Westbrook und dem Audi R8 LMS des WRT-Teams mit Marcel Fässler, Robin Frijns, Nico Müller und Rene Rast auf der Startnummer 9.

Das 24-Stunden-Rennen-Stunden-Rennen am Nürburgring hat bei seinen 44 vorausgehenden Auflagen schon beinahe alles gesehen und der Nürburgburgring an sich, in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiernd, legt mit seiner einzigartigen Historie ohnehin noch einmal einiges drauf. Doch so turbulent ging es zum Ende des Rennens selten zu, war das 24-Stunden-Rennen-Stunden-Vollgas-Spektakel aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen doch zu einer Reifenschlacht geworden, die Audi mit seinen R8-Modellen fest im Griff hatte. "Wir haben bei Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius und einem Regenschauer in der Schlussphase eines der härtesten, dramatischsten und schnellsten Rennen der Geschichte erlebt", so Chris Reinke, Leiter Audi Sport Customer Racing, "Audi war dabei die dominante Marke mit 143 Führungsrunden - das entspricht über 90 Prozent des Rennens." Tatsächlich war das Rennen abgesehen von dem spektakulär guten Wetter an Langeweile kaum zu überbieten. Hatte die Trainingsbestzeit des von der Scuderia Glickenhaus eingesetzten SCG003 mit der Startnummer 704 nicht nur durch die gelbe Lackierung noch etwas Farbe ins Renngeschehen gebracht, so hatte das 24-Stunden-Rennen Stunden Rennen auf der Nürburgring Nordschleife sowohl tagsüber wie nachts wenige Überraschungen oder gar Führungswechsel parat. Überraschend, weil auf der 25,78 Kilometer langen Strecke bestehend aus Nordschleife und Grand-Prix-Kurs mit ihren 33 Links- und 40 Rechtskurven über 60 Prozent mit Vollgasanteil gefahren werden. Auf der 2,8 Kilometer langen Geraden an der Döttinger Höhe schaffen die Topteams in der GT3-Klasse Höchstgeschwindigkeiten von über 270 km/h. Für die mehr als 200.000 Zuschauer ist das Rennen ein mehrtägiges Spektakel, bei dem dieses Jahr erstmals wieder das Wetter mitspielte.

Überraschend, dass sich zahlreiche Mitfavoriten mit Unfällen oder Defekten bereits in der Anfangsphase des Rennens allzu früh verabschiedeten. Porsche spielte mit seinen werksunterstützten 911er Modellen ebenso keine große Rolle wie die leistungsstarken Bentley Continental GT3. Mercedes, beim 24-Stunden-Rennen Stunden Rennen den 50. Geburtstag von Sportableger AMG feiernd, hatte niemals eine Chance, mit den hoch eingeschätzten AMG GT3 an den Vierfach-Sieg aus dem vergangenen Jahr anzuknüpfen und auch BMW blieb mit den Werksfahrern hinter den Erwartungen zurück. Angesichts der ungewohnt hohen Temperaturen hatten die meisten Teams schon vor dem Rennstart insbesondere mit Reifenproblemen zu kämpfen. Lange Zeit sah es so aus, als würde die größte Rennveranstaltung der Welt erstmals seit dem Jahre wieder 2001 komplett regenfrei bleiben - bis gegen 15.15 Uhr ein kurzer Schauer die Hitzeschlacht durcheinanderbrachte. Gefeiert wurde danach jedoch wieder im Trockenen - abgesehen von der Champagnerdusche.