Es dürfte wohl der letzten L200 sein, den Mitsubishi unabhängig entwickeln durfte. Denn nachdem die Japaner vom französisch-japanischen Renault-Nissan-Konzern geschluckt wurden, hat man im Großunternehmen mittlerweile mehr als einen imageträchtigen Pick Up im Hause. Was den Europäern und den Asiaten ihr Navara, der technisch nahezu baugleich ebenso als Mercedes X-Klasse und Renault Alaskan angeboten wird, ist in den USA der mächtige Nissan Titan, der es schwer hat, sich gegen Massenmodelle wie Ford F-150 oder Chevrolet Silverado in Szene zu setzen. Doch die neue Generation des Mitsubishi L200 ist nochmals ein Solitär, der jedoch Module vom erfolgreichen Vorgänger nutzt und auf der gleichen Produktionslinie in der Nähe von Pattaya / Thailand vom Band läuft.

Optisch ist der neue Mitsubishi L 200 zumindest von vorn kaum wiederzuerkennen. Das Gesicht ist mit der großvolumigen Schürze massiv und kantig, während die schmalen Scheinwerferaugen auf den ersten Blick nicht so recht zum Rest der Front zu passen scheinen. Der kommende L200 soll sich dem Kunden bulliger, kraftvoller und rauher als bisher präsentieren. Da verwundert es nicht, dass die Mitsubishi-Verantwortlichen rund um CEO Osamu Masuko bei der Vorstellung des neuen Modells immer wieder martialische Begriffe bemühen. Rough, tough, rugged und strong geht den Executives wiederholt über die Lippen, wenn sie das neue Aushängeschild der Diamantenmarke beschreiben. "Seit 40 Jahren bieten wir bei Mitsubishi Pick Ups der Ein-Tonnen-Klasse an und haben in dieser Zeit mehr als 4,7 Millionen Fahrzeuge in 150 Länder exportiert", erläutert Osamu Masuko, "der L200 steht bei uns für 15 Prozent aller Verkäufe und ist damit eines der wichtigsten Fahrzeuge bei uns im Modellprogramm."

Über die Jahrzehnte ist der Pick-up genauso wenig wiederzuerkennen wie sein Einsatzzweck. Einst waren die Pick-ups in Asien und den USA reine Arbeitsgeräte, die überall dort zum Einsatz kamen, wo ein Lastwagen zu groß, zu schwer oder zu ungelenk war und ein kleiner Geländewagen seine perfekte Tanzfläche fand. Heute sind die Pick-ups längst zu Freizeitmodellen geworden, mit denen man problemlos den Weg ins Büro finden kann, um am Wochenende seinen vielfältigen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Nicht zu unterschätzen ist dabei deren Außenwirkung, denn wo kann man mit einem SUV oder einem Geländewagen heute noch auffallen? Das ist mit einem Pick-up deutlich einfacher. Kein Wunder, dass sich die Klettermaxen mit der offenen Ladefläche mittlerweile weltweit einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuen.

Kraftvoller Diesel

Die internationale Konkurrenz ist dabei härter denn je geworden. Denn auch wenn der Mitsubishi Pick-up der Ein-Tonnen-Klasse in seinem Premierenjahr 1978 nur wenige Konkurrenten hatte, bekommt es der L200 mittlerweile mit Modellen wie Toyota Hilux, Ford Ranger, Mercedes X-Klasse, Nissan Navara, VW Amarok, Renault Alaskan oder dem hauseigenen Zwillingsmodell Fiat Fullback zu tun. Die meisten der Fahrzeuge werden in Ländern wie Thailand, Malaysia oder Südamerika produziert und in alle Welt exportiert. Allein die USA und das Nachbarland Mexiko setzen auf noch größere Modelle der Full-Size-Klasse. Dabei ist es nicht so, dass der neue Mitsubishi L 200 mit seinen 5,30 Metern unterdimensioniert wäre. Auf den meisten Märkten hat der Kunden die Wahl zwischen den drei Kabinentypen Single, Club oder Double sowie Benziner der Diesel, Hinterrad- oder der deutlich passendere Allradantrieb. Während der neue Mitsubishi L200 in seinem Heimatland Thailand bereits in diesem Herbst seine Marktpremiere feiert, kommt er erst im Sommer kommenden Jahres nach Europa. Dabei wird der 2,4 Liter große Benzinmotor ebenso außen vor bleiben, wie die Einzelkabine für den reinen Einsatz als Nutzfahrzeug.

In Europa dürfte es für den Mitsubishi L200 2.4 Di-D mit seinem bekannten Commonrail-Diesel und 133 kW / 181 PS bei rund 23.000 Euro beginnen. Der aufgeladene Vierzylinder ist kein Leisetreter, sondern tönt beim Start und bei kraftvollen Beschleunigungsmanövern deutlich vernehmbar. Entsprechend ist jedoch auch der Antritt. Nach einem deutlichen Turboloch geht es kraftvoll zur Sache und die vier 18-Zöller verbeißen sich engagiert mit dem lockeren Untergrund. Das maximale Drehmoment von 430 Nm ist im Vergleich zum Vorgänger nicht gestiegen und liegt unverändert erst ab 2.500 U/min an und das ist angesichts der modernen Dieselmotoren nicht gerade im Drehzahlkeller. Aufgrund der üppigen Stirnfläche und des drehmomentoptimierten Triebwerks dürfte der L200 gerade mit offener Ladefläche allenfalls 180 km/h packen. Die Lenkung ist federleicht zu bedienen und das rustikale Fahrwerk lässt keinen Zweifel daran, in einem echten Geländewagen zu sitzen.

Allrad muss sein

Markanter geworden ist der Mitsubishi L 200 nicht nur an der Front, sondern auch im Innenraum. Kein Zweifel daran, dass man hier unverändert in einem Nutzfahrzeug für den harten Alltagseinsatz sitzt, der eben auch auf einer Baustelle oder einem Transportservice stattfinden kann. Doch die Instrumente wirken moderner, die Sitze ohne nennenswerten Langstreckenkomfort lassen sich elektrisch einstellen und es haben einige Komfortfunktionen Einzug gehalten, die eben auch die Konkurrenz längst seinen Kunden offeriert. Schlüsselloser Zugang, Kameras rundum und ein Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sind nicht mehr als zeitgemäß. Der zentrale Multifunktionsbildschirm dürfte für ein Fahrzeug des Jahres 2019 größer sein und die meisten Funktionen gehen nicht über ein Basispaket hinaus, das heute längst jeder Kleinstwagen toppt. Der L200 bleibt ein Nutzfahrzeug - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Platzangebot ist in der Doppelkabine ordentlich, aber nicht opulent und die Fondsitze haben nach wie vor mit der steilen Rückwand zu kämpfen, den die Ladefläche traditionell mit sich bringt. Mit technischen Details hält sich Mitsubishi für das europäische Modell, das erst in knapp einem Jahr auf den Markt kommt, zurück. Doch die Daten dürfte ebenso wie das Leistungspotenzial des Triebwerks auf dem Niveau des Vorgängers liegen. Das gilt auch für das rustikale Fahrwerk. Wie bei einem Leiterrahmen mit Blattfedern üblich, geht es gerade abseits befestigter Straßen betont rustikal und holprig zu. Hinten verzögern am zwei Tonnen schweren Koloss sogar noch Trommelbremsen.

Dafür ist der offene Lademeister mit einer Nutzlast von rund einer Tonne kaum zu stoppen, wenn auf der Ladefläche entsprechende Gebrauchs- oder Freizeitgüter ihren Platz gefunden haben. Der Fahrer kann während der Fahrt aus vier Programm wählen. Neben den Funktionen Hinterradanrieb und der zuschaltbaren Vorderachse gibt es nicht nur eine Untersetzung oder die neue Bergabfahrhilfe, sondern auch ein eigenes Programm für das Fahren auf rutschigem Untergrund.

So hat der Allrad-Pick-Up keinerlei Probleme einen steilen Hügel zu erklimmen oder üppige Bodenstufen ohne Probleme zu überfahren, ohne dass der Fahrer sich Gedanken über Schäden am Fahrzeug machen muss. Selbst ungemütliche Kanten überfährt der Allradler ohne Probleme und muss sich dafür nicht einmal schütteln. "Der neue Mitsubishi L200 wurde unter den härtesten Bedingungen getestet", unterstreicht Mitsubishi-Chef Osamu Masuko, "erst bei uns und bei den Kunden. Auf genau die haben wir bei der Entwicklung des neuen Modells gehört." Pro Jahr sollen in dem Werk nahe Pattaya mindestens 160.000 Fahrzeuge vom Band laufen.