Wer mit dem Opel Crossland X zum Tanken fährt, muss alte Zöpfe abschneiden. Der Tankstutzen befindet sich in Fahrtrichtung links und nicht rechts, wie es bei den meisten Linkslenkern üblich ist. Nach dem ersten Benzin-Füllen hat man sich an dieser Eigenart gewöhnt und steuert die Zapfsäulen auf der entsprechenden Seite an. Einen Pfeil, der in der Tankanzeige auf diesen Umstand hinweist, sucht man übrigens vergebens. Immerhin befindet sich die aufgedruckte Zapfsäule auf der linken Seite des Instruments. Nicht der einzige Hinweis, dass man hier an sich in einem Opel-Modell auf PSA-Basis unterwegs ist. Das belegen auch eine Reihe von Bedienelementen und Modulen im Innenraum.

Raum bietet der französisch-deutsche Opel Crossland X auch auf der Rückbank, auf der Erwachsene vernünftig sitzen können. Ablagen sind im Crossland X genügend vorhanden, wenn auch nicht im Übermaß. Praktisch sind das gekühlte Handschuhfach und die Tatsache, dass in den vorderen Türen 1,5-Liter-Flaschen verstaut werden können. Hinten passen immerhin noch 0,5-Liter-Behälter in die Pforten. Allerdings finden sich im Fond keine extra Becherhalter, wie sie vorne vorhanden sind, was bei Familienreisen praktisch wäre. Vorne ist beim Opel-SUV ohnehin der Platz an der Sonne: In der Mittelkonsole befinden sich zwei USB-Anschlüsse und sogar eine induktive Ladeschale für das eigene Mobiltelefon (125 Euro). Hinten ist immerhin ein Zigarettenanzünder, so dass man sich mit einem Adapter helfen kann. Eine Sitzheizung oder ein USB-Stecker wären bei einem Familienfreund jedoch nicht zu viel verlangt.

Wer des Öfteren Einkaufstaschen transportiert, freut sich über die beiden Haken an den Seiten der Kofferraumwand und über die ebene Ladefläche. Allerdings ist die Landeluke recht eng und die Ladekante könnte mit 73 Zentimetern niedriger sein. Zwar ist der Kofferraum bei aufgestellter Rückbanklehne mit einem Volumen von 410 Litern grundsätzlich nicht zu klein, aber mit vier Personen schafft es man so nicht in den Urlaub. Ebenfalls nicht im Programm: eine elektrische Heckklappe. Kein Problem gibt es bei der Zuladung, die mit mehr als 500 Kilogramm für Passagiere und Gepäck ausreicht. Wie viele SUVs ist auch der Opel Crossland X bei der Übersichtlichkeit nach hinten kein Musterschüler. Beim Einparken hilft die 180-Grad-Panorama-Kamera (Teil des Park & Go Premium-Pakets für 850 Euro) und beim Spurwechsel der Toter-Winkel-Assistent. Der ist allerdings nur bis 140 km/h aktiv, also sollte man sich nicht den guten alten Schulterblick abgewöhnen. Für einen agilen Stadtfloh ist der Wendekreis von 11,20 Metern etwas zu groß. So muss man halt das eine oder andere Mal öfter am Lenkrad kurbeln. Positiv fällt dabei die höhere Sitzposition auf.

Gute Sitze

Der Testwagen kostet 29.270 Euro, das sind 6.800 Euro mehr als der Grundpreis. Daher sind auch allerlei hilfreiche Extras, wie eine Lenkradheizung oder eine beheizbare Windschutzscheibe an Bord. Gut funktioniert das IntelliLink-Infotainment, das auf dem Navi 5.0 basiert: Das Koppeln mit dem Smartphone funktioniert problemlos und die Bedienung ist nicht kompliziert. Bei den Top-Navigationssystemen kann es jedoch nicht mithalten, weil Echtzeit-Navigationsdaten oder einige Komfortfunktionen fehlen. Das Head-Up-Display ist schon wegen des ausfahrbaren 3,5-Zoll-Bildschirms keine schöne Lösung, erfüllt aber seinen Zweck, indem es unter anderem die Navigationshinweise anzeigt und bei einer drohenden Kollision warnt. Wenn es dann doch mal gekracht haben sollte, hilft noch der OnStar-Dienst. Allerdings läuft dieser GM-Dienst voraussichtlich Ende 2020 aus, ob es bei Opel eine Nachrüst-Option geben wird, ist noch nicht bekannt.

Vor allem auf längeren Strecken machen sich die guten Sitze positiv bemerkbar. Nur könnte die Auflagefläche, die man zwar verlängern kann, einen Schuss großzügiger ausfallen. Gleiches gilt für den Seitenhalt. Zwar wird man mit dem Crossland X nicht allzu oft durch enge Kurven jagen, aber es steigert den Langstreckenkomfort auch auf der Autobahn. Lob bekommt der 1.2 Liter große Dreizylinder-Turbobenziner, der sehr gut zum dem Crossover passt. Das Triebwerk arbeitet laufruhig und sich trotz überschaubaren Hubraums schaltfaul fahren. Deswegen passt auch die Sechsgang-Handschaltung sehr gut zum SUV. Die Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h überbietet der Crossland X um ein paar Stundenkilometer und auch Beschleunigung geht flott von statten.

Lässt man den knapp 1.3 Tonnen schweren Crossover einmal richtig von der Leine, ereilt auch den munteren Dreizylinder das bekannte Downsizing-Problem und der Verbrauch schnellt mächtig nach oben. Bei einer morgendlichen Autobahnfahrt im flotten Galopp von München nach Frankfurt schockiert einen der Bordcomputer mit einem gigantischen Durst von 16 Litern - wohl gemerkt, nicht für die gesamte Strecke, sondern für 100 Kilometer. Dann macht sich auch der nur 45 Liter große Tank störend bemerkbar. Bei normaler fahrt lag der Durchschnittsverbrauch bei immer noch allzu üppigen 8,1 Litern - 3,7 Liter mehr, als Opel seinem Käufer über den Normverbrauch in Aussicht stellt.Einige Wünsche lässt das Fahrwerk speziell bei schlechter Fahrbahn offen. Das federt bisweilen überaus straff an und neigt zum Nachwippen neigt. Etwas komfortabler darf es bei einem Familienmodell durchaus sein.