| von Jürgen Wolff

Für Seat ist der Leon die wichtigste und meistverkaufte Baureihe. Von den ersten drei Generationen sind seit 1999 weltweit gut 2,2 Millionen Stück verkauft worden, rechnet Carsten Isensee vor. Der frisch gekürte Seat-Chef und Finanzvorstand hat wohl auch deshalb keine Bedenken, die vierte Generation des Golf-Derivats im spanischen Seat-Werk Martorell in einer aufwändigen Veranstaltung zu präsentieren. Für Wayne Griffiths, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei Seat, ist der neu aufgelegte Leon ohnehin eine Investition in die Zukunft: Die Käufer des sportlichen Spaniers seien im Schnitt zehn Jahre jünger als die der Konkurrenzmodelle. An sich hätte Luca de Meo das neue Seat-Flaggschiff präsentieren sollen. Doch nachdem de Meo seine Ämter am 7. Januar niedergelegt hatte, verkündete Renault nahezu zeitgleich mit der Weltpremiere des Seat Leon, dass Luca de Meo neuer Renault-CEO werde.

Rein optisch haben die Designer um ihren Chef Alejandro Mesonero-Romanos den neuen Leon noch einmal nachgeschärft: Die Linien sind klarer geworden, die Front markanter, die Motorhaube etwas länger. Am Heck zieht sich nun ein rotes Leuchtband über die ganze Fahrzeugbreite. Die Blinker sind dynamisch - Audi hatte das als erster vorgemacht, nach und nach werden alle Marken des VW-Konzerns nun damit nachgerüstet. Vorne gibt es leicht zurückgesetzte Voll-LED-Scheinwerfer, die gezackte Signatur des Tagfahrlichts ist geblieben. Selbst in den Seitenspiegeln blinken LED-Leuchten. Nützlicher Nebeneffekt der Schönheitskur: Im Vergleich zum Vorgängermodell hat sich der Luftwiderstandsbeiwert um rund acht Prozent verbessert.

Als Zweitürer wird es den Leon nicht mehr geben. Als Fünftürer ist er um 86 mm auf 4.368 mm gewachsen. Dafür ist er in der Breite um kaum merkliche 16 mm auf 1.800 mm geschrumpft und in der Höhe mit 1.456 mm praktisch gleich geblieben. Der Radstand ist mit 2.686 mm einen halben Zentimeter länger als bei seinem Vorgänger. Neben der Fließhecklimousine baut Seat von Anfang an auch wieder einen Sportstourer. Der Leon-Kombi ist künftig 4.642 mm lang, 1.800 mm breit und 1.448 mm hoch. Der Laderaum ist beim Fünftürer mit 380 Litern gleich geblieben, der Sportstourer bietet dagegen 617 Liter Gepäckraumvolumen - 30 Liter mehr als sein Vorgänger.

Reichlich Assistenzsysteme im Angebot

Innen haben die Entwickler aufgeräumt. Die Zahl der Knöpfe und Schalter wurde deutlich reduziert, das zentrale 10-Zoll-Display für Navi, Entertainment, Fahrzeugeinstellungen & Co. ist hoch gerückt auf das Armaturenbrett. "Funktionellen Minimalismus" hat Seat das getauft. Weniger radikal war der Umgang mit dem Hartplastik - davon gibt es im Fahrgastraum nach wie vor eine ganze Menge.

Bei den Antrieben bietet Seat (fast) die ganze Bandbreite: Benziner, Diesel, CNG, Mildhybrid und Plug-in-Hybrid - alles in der Pipeline, außer einem reinen Elektroantrieb. Die Motorenpalette beim neuen Leon wird sich dabei nicht wesentlich von der aktuellen unterscheiden - sieht man mal von den Hybridvarianten ab. Die Benziner starten wohl mit drei Zylindern und 115 PS und klettern bis zum 290-PS-Modell. Auch der Diesel beginnt bei 115 PS.

Marktstart im April

Aufgestockt hat Seat beim neuen Leon das Angebot an Assistenzsystemen. Viele sind durch verbesserte Sensorik empfindlicher und genauer geworden. Unter anderem gibt es nun eine Adaptive Fahrwerksregelung, die automatische Distanz- mit vorausschauender Geschwindigkeitsregelung, einen überarbeiteten Notfallassistenten, Travel Assist sowie den Side Assist und Exit Assist. Laut Seat beherrscht der Leon auch autonomes Fahren, sobald die Travel-Assist-Funktion eingeführt ist. Dabei nutze das System bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h Informationen, die von der automatischen Distanzregelung und dem Spurassistenten geliefert werden, um das Fahrzeug aktiv in der Fahrspur zu halten und die Geschwindigkeit an den Verkehrsfluss anzupassen. Automatisiert würde dann auch das Überholen. Der Fahrer müsse nur noch den Blinker setzen und der Leon führe das Überholmanöver eigenständig durch. Aber auch da ist Autonom eher relativ: Der Fahrer muss immer mindestens eine Hand am Lenkrad haben.

Seat setzt auf Vernetzung. In keinem anderen Auto werde Apples CarPlay so häufig benutzt, wie im Leon. Entsprechend ist der neue Leon laut Seat "das erste umfassend digital vernetzte Fahrzeug der Marke". So bietet Seat von der Spracherkennung, die Einbindung von Smartphones bis zur eingebauten SIM-Karte, die das Fahrzeug ständig online hält, für automatisierte Software-Updates sorgt oder immer die aktuelle Verkehrssituation ins Navi speist, alles, was das vernetzte Herz so rührt.

Der Marktstart für den neuen Seat Leon ist im April 2020. Über die Preise schweigt man sich noch aus. Aktuell startet die Limousine bei Preisen um die 20.000 Euro, der Sporttourer ist gut 1.000 Euro teurer.