So unterschiedlich können die Automärkte sein: In Europa holt ein Jetta niemanden hinter dem Ofen hervor und so wurde er hier längst vom Markt genommen. Doch in den USA ist der Stufenheck-Bruder des Golf zumindest der Positionierung nach die sportlichste Möglichkeit, einen Volkswagen zu bewegen. Wer einen Jetta fährt, der ist jung, geht zu Uni oder College und mag am Wochenende Basketball, Baseball oder Eishockey. Nach dem in den USA zunehmend abebbenden Interesse am Dieselskandal und einer guten Nachfrage nach den SUV-Modellen Atlas und Tiguan ist der neue VW Jetta für die Wolfsburger ein echter Hoffnungsträger. Vom niedrigen Niveau der vergangenen Jahre soll der Jetta zumindest den Aufstieg zu völlig neuen US-Verkaufszahlen ermöglichen. Wer keinen SUV oder Geländewagen will, der bekommt mit dem neuen VW Jetta ein Auto für alle Tage.

Dass sich das Design dabei überaus unspektakulär präsentiert, überrascht nicht weiter, denn Volkswagen konkurriert in diesem Segment insbesondere mit Volumenmodellen von asiatischen Herstellern wie Honda, Toyota, Kia oder Mazda. Designeskapaden werden dabei mit nachhaltiger Kaufmissachtung bestraft. Wer in dem Segment der unteren Mittelklasselimousinen etwas an die bevorzugt junge Kundschaft bringen will, darf keine großen Experimente riskieren. Kein Wunder, dass der 4,70 Meter lange Jetta optisch auf deutsche Werte für Wertigkeit und Präsenz setzt. Das zeigen Details wie der breite Drei-Lamellen-Kühlergrill, die Charakterfalz an der Flanke, das betont nüchterne Heck oder eben der solide wie aufgeräumte Innenraum. Erstmals wurde der Multifunktionsbildschirm für Navigation, Radio und Komfortfunktionen hinter einer schwarzen Glasscheibe leicht geneigt mit der Instrumenteneinheit verbunden. Sonst ist alles dort, wo man es in einem VW kennt.

Neben dem Design haben die Verantwortlichen von Volkswagen Nordamerika insbesondere bei der Sicherheitsausstattung nachgelegt. So bietet der Jetta je nach Ausstattungsvariante nicht nur LED-Scheinwerfer (immer Serie), Abstandstempomat, Rückfahrkamera und Spurhalte- / Spurwechselassistent, sondern auch animierte Instrumente und ab der zweiten Ausstattungsvariante Jetta SE auch ein Panoramadach. Das Platzangebot liegt dabei beinahe auf dem Niveau des europäischen VW Passat. Das Ladevolumen: üppige 510 Liter und Platz für fünf Personen gibt es sowieso. Zunächst wird der VW Jetta nur mit einem 1,4 Liter großen Turbobenziner angeboten, der 110 kW / 150 PS leistet und wahlweise mit einer Sechsgang-Handschaltung oder einer Achtgang-Automatik kombiniert wird.

Von den insgesamt 17,5 Millionen VW Jetta wurden bisher 3,2 Millionen Fahrzeuge in den USA verkauft. Marktstart für die siebte Jetta- Generation ist im ersten Quartal in seinem Produktionsland Mexiko. Bis zur Jahresmitte folgen die USA als Kernmarkt und später auf anderen Weltmärkten wie in China, wo er Sagitar heißen wird. Nach Europa wird der kleine Bruder des Passat nicht mehr kommen.