Rot gehört zum Image bei den GTI-Modellen aus Wolfsburg. Das ist beim neuen VW Polo GTI nicht anders: Rot lackiert die Bremssättel, rot die Linie, die über den Kühlergrill läuft und weiter in die (optionalen) und dunkel hinterlegten LED-Scheinwerfer, rot die Ziernähte im Innenraum, unter anderem am DSG-Wählhebel, an den Fußmatten und den Sitzen, überwiegend rot das Display im Armaturenbrett. Dazu kommen an der Front eine zusätzliche Spoilerlippe unten, der Kühlergrill in Waben-Optik, serienmäßige Nebelscheinwerfer, Seitenschweller, ein zweifarbiger Dachspoiler, Chrom-Doppelendrohr, GTI-Felgendesign und ebenfalls dunkel hinterlegte LED-Heckleuchten. Dieser Polo, so die Botschaft, ist ein echter GTI.

Das zeigt auch schon der Blick ins Datenblatt: 147 kW/200 PS - das hatte auch schon der große Bruder Golf GTI in der fünften Generation. Aus dem zwei Liter großen Turbo-Vierzylinder des neuen Polo GTI, der per Knopfdruck gestartet wird, holen die Ingenieure außerdem ein maximales Drehmoment von 320 Nm heraus. Mindestens bis zum Sommer nächsten Jahres muss ein DSG-Getriebe diese Kraft bändigen, die an die Vorderräder geht - erst dann soll auch eine 6-Gang-Handschaltung soweit sein.

Mit dem DSG zieht der 1,35 Tonnen schwere Polo GTI bei einem Leistungsgewicht von 6,78 kg/PS in nur 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h - eine leichte Verzögerung bei der Gasannahme inbegriffen. Damit liegt er ziemlich gleichauf zum Opel Corsa OPC oder dem Mini Cooper S. Als Höchstgeschwindigkeit gibt VW für den viertürigen Polo GTI 237 km/h an. Mit einem Verbrauch von offiziell 5,9 Litern auf 100 Kilometern wird man im Alltag nicht klar kommen - wer GTI fährt, fährt sportlich. Unter knapp neun Litern Super braucht man es gar nicht erst versuchen. Da hilft auch das serienmäßige Start-Stopp-System nicht viel weiter.

Unbeirrbar in der Spur

Das 6-Gang-DSG, das auch über zwei Wippen am Lenkrad manuell geschaltet werden. kann, passt zum Polo GTI - es schaltet knackig durch und sorgt mit dafür, dass der kleine Wolf aus Wolfsburg auch so sportlich abgeht, wie versprochen - sobald man per Knopfdruck in der Mittelkonsole den Sportmodus eingeschaltet hat. Ansonsten reagiert der Polo GTI eher wie ein kraftvolles, aber gutmütiges Alltagsauto. Im Sportmodus allerdings drehen die Gänge bis zum Anschlag, die Federung versteift sich bis kurz vor die Ruppigkeit, die Gasannahme wird etwas präziser und die Lenkung einen Tick direkter. Gleichzeitig ändert sich die komplette Geräuschkulisse: Der Sound wird kerniger, wenn man Geschwindigkeit wegnimmt, sprotzt der Motor Stöße von Zwischengas und knallt gelegentlich simulierte Fehlzündungen zum Endrohr raus. Ganz wie ein Großer. Im Alltag ist der Polo GTI ein netter, leiser Zeitgenosse, der weder Umgebung noch Insassen durch einen unnötig hohen Geräuschpegel nervt.

Das serienmäßige Fahrwerk, das den GTI auch um 1,5 Zentimeter tiefer legt, entspricht ansonsten weitgehend dem Sportfahrwerk, das als Option auch für den normalen Polo bestellbar ist. Optional bietet VW beim GTI ein mit schaltbaren Dämpfern ausgestattetes "Sport-Select"-Fahrwerk an. Im Sportmodus hält es den GTI selbst dann noch unbeirrbar in der Spur, wenn es in rasantem Tempo um enge Kurven geht. Das Heck versucht nicht einmal, auszubrechen, der Wagen versetzt nicht, selbst mit den unterschiedlichen Reibungskoeffizienten von Asphalt und Curbs kommt der Polo ohne Verzögerung klar. Beim Herausbeschleunigen aus der Kurve ist trotz Frontantrieb kein Gewusel in der präzisen, elektromechanischen Lenkung spürbar, die Vorderreifen verlieren nie den Grip. Dafür sorgt auch die serienmäßig verbaute Differenzialsperre. Im Normalmodus wird der Polo GTI dann zu einem komfortabel abgefederten Alltagsauto, mit dem sich auch lange Strecken ohne gestauchte Wirbel bewältigen lassen.

Voll digitalisiert und einstellbar

Serienmäßig sind 17-Zoll-Alufelgen montiert, auf die 215 mm breite Reifen gezogen werden. Optional erhältlich sind 18-Zoll-Räder. Der Polo GTI baut auf dem erweiterten Modularen Querbaukasten des Konzerns auf und ist um zehn Zentimeter in der Länge auf 4.053 mm gewachsen. Das verschafft den Passagieren vor allem hinten deutlich mehr Platz und vergrößert den Kofferraum auf (mindestens) 351 Liter.

Ohnehin, der Innenraum. Die Optik ist gediegen sportlich, als Farben dominieren Rot und Schwarz. Die mattierte Verblendung im Armaturenbrett wirkt edel, die Verarbeitung ist auch in den etwas versteckteren Ecken ohne Tadel. Und - klar - die Sitze sind mit Stoff im GTI-Karomuster bezogen. Wen Karo nervt, der kann auch Leder ordern. Während die Vordersitze auch für größere Passagiere weit genug einstellbar sind, könnte das in Tiefe und Neigung variable, sportlich kleine Lenkrad etwas mehr Verstellweg gebrauchen. Die Sportsitze bieten einen ausgezeichneten Seitenhalt auch in schnellen Kurven. Was fehlt sind Haltegriffe über den Türen. Das Armaturenbrett im Polo GTI ist nun voll digitalisiert und vielfältig einstellbar. Wer will, der kann sich auf der zentralen Touchscreen auch allerhand sinnfällige Messwerte anzeigen lassen.

In Sachen Assistenzsysteme hat VW dem Golf GTI alles mitgegeben, was über den Golf mittlerweile nach unten in die neue Polo-Generation gewandert ist - und was der Käufer optional zu zahlen bereit ist. Von Front Assist mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung bis zu ACC, Multikollisionsbremse, vorausschauendem Innsassenschutzsystem, Ausparkassistent bis zum Tote-Winkel-Sensor ist aller erhältlich - selbst die unsägliche Müdigkeitserkennung.

Preislich liegt der VW Polo GTI um die 23.000 Euro - offizielle Zahlen sind noch nirgends zu finden. Aber bei den ersten Händlern steht er im Internet bereits bei 21.888 Euro.