Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Auto Shanghai 2017

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Auto Shanghai 2017: Der Konzern greift für die Zustimmung der Arbeitnehmer zur geplanten neuen Konzernstruktur tief in die Tasche. Bild: Daimler

Es sei ein Eckpunktepapier unterschrieben worden, das betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausschließe, teilte der Konzern am Montag (16. Oktober) in Stuttgart mit. Der Betriebsrat war erfreut. «Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2030 - der längste Zeitraum, den wir je bei Daimler abgeschlossen haben», erklärte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Die bisherige Jobsicherung für die gut 130.000 Stamm-Beschäftigten gilt bis 2020.

Ein sogenannter Interessenausgleich soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. In Zusammenhang mit dem Ausgleich steht auch das Vorstandsvorhaben, den Pensionsfonds des Konzerns noch in diesem Jahr um drei Milliarden Euro zu erhöhen.

Zugleich gab Daimler erste Schritte zu einer neuen Konzernstruktur bekannt - nur wenn diese Pläne verwirklicht werden, greift auch die Jobsicherung. Dem Vorhaben zufolge unterteilt sich der Konzern künftig in die Daimler AG als eine Art Dachgesellschaft sowie in zwei separate, rechtlich selbstständige Geschäftsfelder für Pkw (mit Vans) und Lastwagen (mit Bussen). Hinzu kommen Daimlers Finanzdienstleistungen, die schon jetzt rechtlich selbstständig sind.

Auch die neuen Firmen sollen ihre Zentralen in Deutschland haben und tarifgebunden sein. Insgesamt summieren sich die Investitionen von Daimler in deutsche Standorte nach Angaben des Betriebsrats in den nächsten sieben Jahren auf 35 Milliarden Euro.

Durch die Struktur sollen die Geschäftsfelder eine stärkere unternehmerische Verantwortung bekommen. Man müsse «so schnell und flexibel wie möglich auf neue Marktentwicklungen und ein sich fundamental änderndes Wettbewerbsumfeld reagieren können», sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. «Mit dem Projekt schaffen wir die Voraussetzungen für eine größere Kunden- und Marktnähe und damit mehr Wachstumschancen.» Konzernchef Dieter Zetsche sagte: «Wer dauerhaft wettbewerbsfähig und nachhaltig profitabel sein will, muss sich kontinuierlich weiterentwicklen und sich an schnell ändernde Umfelder anpassen können - technologisch, kulturell, aber auch strukturell.»

Spekulationen über die Strukturpläne gab es schon lange. Dadurch habe es Bedenken in der Belegschaft gegeben, sagte Betriebsrat Brecht. Die Sorgenfalten hätten sich aber geglättet. «Wir reden nicht über eine Restrukturierung, sondern über eine Vorwärtsstrategie - man will die Schlagkraft des Unternehmens erhöhen.» So könnten selbstständige Lkw- und Pkw-Aktiengesellschaften künftig leichter mit anderen Unternehmen kooperieren.

Ein Börsengang der neuen Firmen und somit ein Verkauf von Untenrehmensteilen stehe aber nicht an, sagte Brecht. Man habe genug Liquidität. «Im Moment brauchen wir kein Geld.» Sollte man zukünftig aber in Schwierigkeiten kommen, könnte man durch die neue Struktur leichter Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Vom Vorstand hieß es: «Es ist nicht geplant, dass sich die Daimler AG von einzelnen Geschäftsfeldern trennt.»

Definitiv beschlossen ist die Struktur längst noch nicht. Der Vorstand entschied sich am Montag nur, das Projekt weiterzuverfolgen - sofern der Aufsichtsrat zustimmt. Die Hauptversammlung könnte 2019 das finale grüne Licht geben.

Die Jobsicherung bis 2030 sorgte unter Experten für Verwunderung. «Das ist eine mutige Ansage», sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach. Angesichts von E-Mobilität und autonomem Fahren sei die Autobranche im Umbruch. «Es ist nur schwer zu sagen, wie es in fünf oder sechs Jahren aussieht - und nun legt man sich bei der Belegschaft für 12 Jahre fest.»

  • Typische Merkmale eines Elektrofahrzeugs: langer Radstand und kurzer Überhänge. Bild: Daimler / press-inform

    Typische Merkmale eines Elektrofahrzeugs: langer Radstand und kurzer Überhänge. Bild: Daimler / press-inform

  • Die Aerodynamik erhöht die Reichweite. Bild: Daimler / press-inform

    Die Aerodynamik erhöht die Reichweite. Bild: Daimler / press-inform

  • Die Batterie ist skalierbar und hat Kapazität von mehr als 60 Kilowattstunden. Bild: Daimler / press-inform

    Die Batterie ist skalierbar und hat Kapazität von mehr als 60 Kilowattstunden. Bild: Daimler / press-inform

  • Mercedes will bis 2022 mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben. Bild: Daimler / press-inform

    Mercedes will bis 2022 mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben. Bild: Daimler / press-inform

  • Das Mercedes Concept EQA hat mehr als 299 PS Maximalleistung. Bild: Daimler / press-inform

    Das Mercedes Concept EQA hat mehr als 299 PS Maximalleistung. Bild: Daimler / press-inform

  • Auch beim Concept EQA sind die typischen Mercedes-Insignien vorhanden. Bild: Daimler / press-inform

    Auch beim Concept EQA sind die typischen Mercedes-Insignien vorhanden. Bild: Daimler / press-inform

  • Je nach Fahrmodus wechselt der Kühlergrill die Farbe. Bild: Daimler / press-inform

    Je nach Fahrmodus wechselt der Kühlergrill die Farbe. Bild: Daimler / press-inform

  • Das Laden des Mercedes Concept EQA erfolgt via Wallbox, drahtlos via Induktion oder am Schnelllader. Bild: Daimler / press-inform

    Das Laden des Mercedes Concept EQA erfolgt via Wallbox, drahtlos via Induktion oder am Schnelllader. Bild: Daimler / press-inform

  • Der EQA bietet alles, was der Fahrer von einem modernen Auto erwartet. Bild: Daimler / press-inform

    Der EQA bietet alles, was der Fahrer von einem modernen Auto erwartet. Bild: Daimler / press-inform