Die Elektromobilität findet in den Städten statt. Richtig? Falsch! Die Unternehmensberatung USCALE hat 989 Fahrer von Elektroautos gefragt und die meisten wohnen in einer ländlichen Gegend (36 Prozent) oder einer Kleinstadt mit weniger als 20.000 Einwohnern (18 Prozent). Diesen 54 Prozent stehen 32 Prozent gegenüber, die in einer Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern oder deren Speckgürtel leben. "Den Mythos, dass E-Mobilität wegen der geringen Reichweiten und dünnen Infrastruktur nur etwas für Ballungsgebiete und hippe Städter ist, können wir vergessen", sagt USCALE-Geschäftsführer Axel Sprenger.

Die Konsequenz ist, dass die Fahrer von Elektroautos weit mehr Kilometer zurücklegen, als bisher angenommen wurde: Im Jahresdurchschnitt sind es 16.000 Kilometer. Drei Prozent schaffen sogar mehr als 50.000 Kilometer und nicht selten ist der Stromer demzufolge auch der Erstwagen, bei 42 Prozent ist das Elektrofahrzeug auch das einzige Auto im Haushalt.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, hat das erhebliche Konsequenzen für die Infrastruktur, die auch außerhalb der Metropolen gewährleistet sein muss. Zumal die Fahrer der Elektroautos sehr häufig öffentliche Ladestationen nutzen und nicht daheim die Akkus füllen, was bisher angenommen wurde. Allerdings könnte sich das mit Plug-in-Hybriden, die eine deutlich größere Reichweite haben, ändern. Das Thema Laden nimmt natürlich bei der Elektromobilität eine zentrale Bedeutung ein. Allerdings ist es nicht so einfach, eine freie Ladestation zu finden. Im Durchschnitt haben E-Fahre sechs Lade-Apps auf Ihrem Smartphone. Damit ist der Hindernislauf der Stromer-Fans noch nicht zu Ende. An den Ladesäulen variieren die Strompreise bisweilen um mehrere 100 Prozent. Die Fahrer von Elektroautos machen ihren Unmut darüber auch deutlich Luft und bezeichnen diesen Umstand als "moderne Wegelagerei an der Ladesäule".

Falsche Werbekampagnen

Wenn dann eine Strom-Tankstelle gefunden ist, kann es durchaus passieren, dass diese zugeparkt ist. All diese Phänomene führen zu einer "Ladesäulen-Angst" und zu einem "Hamstern" der Lademöglichkeiten: 19 Prozent füllen die Akkus bei jeder Gelegenheit, jeder fünfte einmal täglich. Neben fehlenden Schnellladern beklagen Nutzer die zu geringe Anzahl an Langsamladern, vor allem auf Park-&Ride-Parkplätzen, Bahnhöfen, Flugplätzen und Wohngebieten. "Kommunen müssen Lösungen für Laternenparker finden; drei mal 22 kW sind unbequem für den Alltag, 22 mal drei kW wären sinnvoller", erklärt einer der Befragten.

Bei diesen Antworten lohnt es sich, einen Blick auf die Befragten der Studie, die USCALE gemeinsam mit electrify BW e.V. durchgeführt hat, zu werfen. Je nach Frage antworten 600 bis 1.050 Elektromobilisten. 90 Prozent waren Eigentümer eines Elektromobils, 95 Prozent fuhren ein BEV und der durchschnittliche Kilometerstand betrug zum Zeitpunkt der Studie rund 40.000 Kilometer - also alles andere als Sonntagsfahrer.

Defektteufel bei Tesla

Spannend wird es auch, wenn man nach den Gründen des Umstiegs auf ein Elektromobil fragt. Fast gleichauf rangieren "ökologische Gründe" (78 Prozent), "Fahrspaß und Komfort" (77 Prozent) und "Innovation" (76 Prozent) auf den ersten drei Plätzen. Die Deutschen bleiben also ein Land der Spaßfahrer, die sich auch gerne mit neuer Technik auseinandersetzen. Der These der nihilistischen Mobilitätsverweigerer kann zumindest teilweise ins Reich der Fabel verwiesen werden. Wenn man sich das vor Augen hält, sind die Werbe- und Anpreisungsstrategien der Autobauer, die dabei auf die bislang noch eher mäßige Reichweite setzen, doch zumindest verwunderlich.

Das spiegelt sich auch bei den Verkäufern wider. Da haben vor allem VW und BMW Nachholbedarf. Beide deutschen Autobauer rangieren in der unrühmlichen Liste "Unzufriedenheit der Kunden mit den Händlern" ganz oben. "Für die meisten Händler sind E-Autos noch immer Exoten, die nur widerwillig angeboten und verkauft werden", resümiert Axel Sprenger. Das heißt, dass die Autobauer erst einmal die eigenen Reihen schließen müssen. "Und zwar in allen Bereichen", ergänzt der Analyst.

Zwar sind Elektroautos wartungsfreundlicher als die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, aber in die Werkstatt müssen sie dennoch, manchmal auch ungeplant. Die USCALE-Umfrage bestätigt die Annahme, dass es bei Tesla mit der Qualität nicht zum Besten steht, denn die Produkte des kalifonischen Autobauers rangieren bei dieser Negativbilanz mit 17 Prozent an der Spitze, gefolgt von VW (elf Prozent). Immerhin: Die Tesla-Fahrer sind mit der Leistung der Werkstatt sehr zufrieden.