VW, Volkswage, zuliefererstreit

In den letzten Tagen standen viele Bänder bei VW still, weil Gehäuse und auch Sitzbezüge von Zulieferern fehlten. Bild: Volkswagen AG

Auf dem Betriebsgelände der ES Automobilguss GmbH im erzgebirgischen Schönheide herrscht am Dienstag wieder Betrieb. Laster passieren die Schranke, fahren auf das Firmengelände mit den gelben Bauten. Im Hof herrscht Geklapper, Lkws werden beladen. In den vergangenen Tagen sah das anders aus. „Da war es hier ruhiger als sonst“, sagt ein Anwohner aus dem Haus gegenüber. Ende der vergangenen Woche haben jeden Tag drei Lkws von Volkswagen direkt vor seinem Haus auf der Straße gestanden, berichtet der Mann. „Vielleicht von morgens früh um sieben bis abends um sechs.“ Doch vergeblich. Sie mussten wieder umkehren.

Ein Lieferstopp von zwei Zulieferern - ES Automobilguss und Car Trim - legte tagelang viele Bänder bei Volkswagen still. Am Dienstag einigten sich der Autobauer und die zur Prevent-Gruppe gehörenden Zulieferer.

Dennoch sorgen sich viele der rund 400 Beschäftigten des Traditionsbetriebes ES Automobilguss um ihre Zukunft. Nach einer Betriebsversammlung mit Vertretern der Geschäftsführung, Mitarbeitern und Gewerkschaft gab es am Dienstag ratlose Gesichter bei vielen: „Ich habe jetzt wohl anderthalb Jahre Zeit, mir einen neuen Job zu suchen“, sagt ein junger Mann. 2018 laufen die Lieferverträge mit Volkswagen aus. Viele sprechen von Unsicherheit. „Die Stimmung ist schlecht, wir wissen eigentlich nicht mehr als vorher“, sagt Schmelzer Christian Schelakovsky vom Betriebsrat.

Die Kollegen fühlten sich im Machtkampf instrumentalisiert, kritisierte die IG Metall. „In dem Konflikt sind im Zweifel die Angestellten die Verlierer“, sagte Thomas Knabel. Viele in der Belegschaft fürchten, dass man mit dem Lieferboykott das Vertrauen von VW verspielt hat. Immerhin liefert ES Automobilguss laut Gewerkschaft zwischen 70 und 80 Prozent seiner Getriebeteile an VW - und ist damit auf Folgeaufträge angewiesen.