MANN+HUMMEL, CEO, Manfred Wolf

Manfred Wolf: "Wir wollen uns an den großen Märkten beteiligen und dort unsere Wachstumschancen nutzen." Bild: MANN+HUMMEL

AUTOMOBIL PRODUKTION: 75 Jahre MANN+HUMMEL - das ist eine Erfolgsstory, in der sich das Unternehmen vom Zulieferer für Filter zum weltweiten Systemlieferanten entwickelt hat. Welche Perspektiven sehen Sie für das Unternehmen und welches sind die Wachstumsmärkte?
Manfred Wolf: Wir sind gut aufgestellt und unverändert ein Familienunternehmen mit interessierten Gesellschaftern in der vierten Generation. Wir sind vor allem in der Filtration im Automobilbereich unterwegs. Wir erarbeiten Strategien für unsere Zukunft in einem Acht-Jahres-Zeitraum und haben nun für 2022 unsere Strategie verabschiedet. Eine Wachstumsstrategie im Segment der automobilen Filtration, aber auch im Non-Automotive- Bereich. Gerade dort wächst der Markt um sechs bis sieben Prozent per anno. Am Wachstum haben wir bisher ganz ordentlich teilgenommen und beabsichtigen, dies auch in der Zukunft zu tun. Mit organischem Wachstum wie auch über Mergers & Acquisitions.
Kai Knickmann: Wir sind stolz darauf, was wir heute sind, weil wir mit fast allen großen Automobilkunden der Welt seit langen Jahren im Geschäft sind. Es gibt kaum ein Fahrzeug, das ohne Produkte von MANN+HUMMEL auskommt - seien es große Umfänge oder kleinere. Sei es in der Erstausrüstung oder im Ersatzteilmarkt.
Wolf: Wir sind in Europa mit den KFZ-Herstellern gewachsen, wie beispielsweise in Spanien, wo wir uns schon sehr früh engagiert haben. Mittlerweile sind wir mit Fertigungen in Tschechien, in Bosnien, in Frankreich und in England im Automobilsektor unterwegs. Seit Jahrzehnten sind wir in Südamerika aktiv. Ich würde Südamerika mit Brasilien und Argentinien als eine Art MANN+HUMMEL-Heimatmarkt bezeichnen. In Nordamerika sind wir mittlerweile stark in der Erstausrüstung sowie im Ersatzgeschäft vertreten. In Asien gibt es nunmehr sechs Produktionsstandorte in China, weitere in Indien, Korea und mittlerweile auch Thailand. Japan würde ich noch als eine Art weißen Fleck ansehen. Wir haben japanische Kunden, aber eben noch keine Produktionsstätte.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Weshalb ist Japan schwierig?
Wolf: Wir haben durchaus gute Geschäftsbeziehungen zu japanischen Erstausrüstern und dem dortigen Handel. Man muss aber sehen, dass viele der japanischen Kunden traditionell sehr eng mit den dortigen Lieferanten zusammenarbeiten. Die Botschaft ist: wir sind offen für weitere Aktivitäten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie sieht es mit weiteren Märkten aus?
Wolf:
Glücklicherweise tun sich immer neue Chancen auf. Etwa in der Region ASEAN. Vor zwei Jahren haben wir in Thailand begonnen. Indonesien ist auf der Agenda. Wir haben eine Initiative laufen, um auch in Afrika die Präsenz zu stärken. Neu ist das Thema Iran. Auch aufgrund unserer Historie versprechen wir uns dort zusätzliche Impulse, sowohl im Erstausrüstungs- als auch im Industriebereich und Handel.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welchen Anteil am Umsatz hat Automotive und wie sieht die Verteilung der Umsätze zwischen Automotive- und Industriegeschäft aus?
Wolf: Wir sprechen heute über einen Umsatz der MANN+HUMMEL Gruppe in der Größenordnung von drei Milliarden Euro. Davon sind etwa über zehn Prozent Non-Automotive. Im dominanten Part, Automotive, entfällt gut die Hälfte auf die Erstausrüstung, knapp die Hälfte auf das Ersatzgeschäft. Letzteres beinhaltet dann das, was wir unter unseren Marken MANN-FILTER und Purolator im unabhängigen Teilehandel tätigen, wie auch das Ersatzgeschäft, das wir mit unseren KFZ-Herstellern betreiben. Im Bereich Industrie sind vorwiegend die Geschäfte mit Kompressoren-, Baumaschinen- und Landmaschinenherstellern angesiedelt. Sie sehen: Segmente, die Automotive-nahe sind. Zum Non-Automotive-Bereich zählt auch, was wir mit der Filtration bei der Klimatisierung von Gebäuden tätigen. Hier haben wir vor knapp zwei Jahren mit Vokes Air eine Akquisition durchgeführt.
Knickmann: Wir verstehen uns als Spezialist für Filtration. Unsere Kunden sehen uns teilweise anders, weil der Bereich Filtration im Laufe der Zeit über die Systemintegration einfach eine sehr viel größere Bandbreite angenommen hat. Das heißt, ausgehend von der Ansaugluftfiltration ist im Laufe der Zeit das gesamte System von der Kaltluft-Ansaugung über Klappen, Schaltungen bis hin zum Saugrohr mit all seinen Zusatzfunktionen für uns zu einem Thema geworden.