Rheinmetall Gießverfahren Motorblöcke

Neuentwickeltes Gießverfahren für komplexe Motorblockkonstruktionen und Elektromotorengehäuse. Bild: Rheinmetall

Bei dem neuen Prozess, den die Experten in ihrer Neckarsulmer Versuchsgießerei zur Serienreife gebracht haben, kombiniere man die Vorteile verschiedener Gießprozesse, hört man von Rheinmetall Automotive. Ergebnis seien qualitativ hochwertige hochbeanspruchbare Zylinderkurbelgehäuse, die sich in vergleichsweise kurzen Taktzeiten gießen lassen. Die High-Tech Sandgusslösung wird aktuell bei einem 4-Zylinder-Reihenmotor mit einer übergossenen Graugussbuchse eingesetzt. Die Buchsen werden dabei zum Zylinderkopf hin um einige Millimeter übergossen. Hierdurch wolle man vermeiden, dass sich der Fräser bei der anschließenden Bearbeitung durch unterschiedliche Materialien bewegen müsse, heißt es. Ergebnis sei eine Bauform, wie sie sich im klassischen Niederdruck-Kokillenguss nicht realisieren lasse.

Stabiles Verfahren mit wenigen Variablen

Herausfordernd bei der Weiterentwicklung des Verfahrens für Kurbelgehäuse hätten sich unter anderem die hohen Anforderungen an die Positionierung der Buchsen im Sand erwiesen. Da man nicht wie im Kokillenguss aktiv kühle, müsse man im Bereich des Lagerstuhls, der im späteren Motorbetrieb die Hauptbelastung tragen soll, außerdem Kühleisen einbringen. Ein Vorteil dieses Verfahrens sei es, dass es dem Konstrukteur eine maximale Gestaltungsfreiheit mit Hinterschnittgeometrien und allen Formen von Kanälen ermögliche. Als vorteilhaft erweise sich auch, dass der Niederdruck-Sandguss ein sehr stabiles Verfahren mit vergleichsweise wenig Variablen sei. Für Entwicklungschef Dr. Christian Klimesch ist der Prozess kein komplettes Neuland, „denn mit dem gleichen Verfahren werden im chinesischen Werk in Guangde bereits die Elektromotorengehäuse eines batteriebetriebenen Wagens für den chinesischen Markt hergestellt.“ Dabei handele es sich ebenfalls um eine aus Neckarsulm stammende Entwicklung, die man anschließend an den rund 300 Kilometer westlich von Shanghai gelegenen Standort übertragen habe.