Eine alte Vertriebs-Weisheit lautet: "Wenn Du ein Geschäft selbst machen kannst, zieh es durch!" Daran erinnern sich die Autobauer und peppen ihre Produkte für jeden Geschmack, da geht es nicht nur um die Motoren, sondern auch um die Karosserie. Die dynamische Optik ist "in" und Ford will das Geschäft nicht den Zubehör-Tunern überlassen.

Mit dem Facelift des Ford Kuga hält die sportliche Ausstattungsvariante ST Line auch bei dem Kompakt-SUV Einzug. Das optische Werkstuning beinhaltet also solche Feinheiten, wie Seitenschweller und Radkästen in Wagenfarbe, eine schnittigere Front- und Heckschürze und 18-Zoll-Alus. Aber auch die Ausstattung wird besser: Neben den Äußerlichkeiten sind noch solche Extras, wie ein Park-Assistent, der das Ein- und Ausparken übernimmt.

Wenn ein Auto schon so schnittigen Bodykit bekommt, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das Fahrzeug auch hält, was das aufgepeppte Körpersprache verspricht. Deswegen haben wir uns den stärksten Motor entschieden, den der aufgefrischte Kompakt-SUV ab Anfang nächsten Jahres im Programm hat. Der 1.5-Liter Turbobenziner leistet 134 kW / 182 PS, sprintet in 10,1 Sekunden auf Landstraßentempo, ist bis zu 200 km/h schnell und genehmigt sich dabei nur 7,4 Liter pro 100 Liter als Norm-Durchschnittsverbrauch.

Schon nach wenigen Kilometern ist klar. Die dynamische Optik ist bei Ford kein Blendwerk: Bei der ST-Line flitzt die Karosserie zehn Millimeter tiefer über dem Asphalt und auch das Fahrwerk ist im Vergleich zu den gemäßigten Modellkollegen straffer Das zeigt sich vor allem bei Querfugen, die spürbarer zu den Passagieren durchgereicht werden.

Die Kölner Ingenieure haben sich ja einen Ruf erarbeitet, gute Fahrwerksabstimmungen hinzubekommen. Das klappt auch beim Kuga ST-Line: Trotz aller knackigen Sportlichkeit ist das Fahrwerk dennoch noch ziemlich komfortabel, so dass auch längere Strecken ohne Bandscheibenschaden absolviert werden können.

Sechsgang-Automatik raubt Temperament

Anders fällt die Beurteilung des Antriebsstrangs aus. Der aufgeladene 1.5-Liter-Motor kann noch so viel Kraft aus seinen vier Brennräumen quetschen, die Sechsgang-Automatik raubt dem Aggregat jegliches Temperament: Gefühlt kommen nur zwei Drittel der Motorenkraft bei den vier angetriebenen Rädern an. Auch das maximale Drehmoment von 240 Newtonmetern, das immerhin über ein breites Drehzahlband von 1.600 bis 5.000 U/min bereitsteht, kann diese Schwäche nicht kompensieren.

Manchmal hilft ja der Getriebe Sportmodus, aber selbst der macht es eher noch schlimmer: Das lobenswerte Bemühen, die Gänge sportlich möglichst hoch auszudrehen resultiert in einem angestrengten Jaulen des Vierzylinders. So hallt eigentlich nur die stete Frage durch den Innenraum: "Ja, das Konzept ist eine gute Idee, aber die Ausführung?"

Wer verzweifelt nach einem Handschalter sucht, muss beim Blick in die Preisliste enttäuscht feststellen, dass es den stärksten Benziner nur mit der Automatik gibt. Bei der Agilität überzeugt der Ford Kuga ST-Line: In den Kurven sorgt der Allradantrieb, der alle 16 Millisekunden die Verteilung des Motordrehmoments der Fahrsituation anpasst, für zusätzliche Traktion, die höhere Tempi erlaubt. Werden die Radien enger, stößt auch diese Technik an ihre Grenzen und der 1.686 Kilogramm schwere Kompakt-SUV schiebt über alle vier Räder nach außen. Das Dirigieren mit der straffen und der direkten Lenkung gelingt problemlos.

Wenig Klagen gibt es beim Platzangebot des 4,54 Meter langen Kompakt-SUV. Vorne und in der zweiten Reihe ist genug Raum für Erwachsene. Allerdings könnte die Oberschenkelauflage der Sitze etwas länger sein. Das Kofferraum-Volumen muss dem Allrad-Antrieb Tribut zollen und ist mit 406 bis 1.603 Liter um 50 Liter geringer, als bei den Modellen mit Frontantrieb.Der Innenraum wirkt dank des neuen Ford-Infotainment-Systems "Sync 3" inklusive Acht-Zoll-Touchscreen deutlich moderner als bisher. Allerdings sind dafür mindestens 35.900 Euro nötig.