Nissan Qashqai e-Power.

Im Nissan Qashqai debütiert im Spätsommer 2022 das elektrifizierte Antriebssystem e-Power in Europa. (Bild: Nissan)

Die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi will die Uneinigkeit bei der Ausrichtungsfrage überwinden. Stolze 23 Milliarden Euro investieren die Unternehmen im Rahmen ihres gemeinsamen Fahrplans in den nächsten fünf Jahren. Für bessere Umsätze soll ein Dreiklang aus Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und intelligenten Mobilitätslösungen sorgen.

Bereits im Jahr 2021 wuchs der Konzernumsatz der Renault Group um 6,3 Prozent auf 46,2 Milliarden Euro, wenngleich die weltweiten Verkäufe um 4,5 Prozent auf 2,69 Millionen Einheiten abnahmen. Die operative Marge lag bei plus 3,6 Prozent, Fixkosten wurden drastisch reduziert. Damit ist ein Klotz am Bein des französischen Autokonzerns deutlich kleiner geworden.

Das sorgt für gute Laune im Führungsstab. Renault habe einen wichtigen Schritt bei der Sanierung der Finanzkennzahlen gemacht, betont Renault-CFO Clotilde Delbos. „Unsere starke Liquiditätsposition erlaubt es uns, unsere Erholung mit Zuversicht fortzusetzen.“ Auch wenn man gerade bei Automobilbauern den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, scheint die neue Unternehmensstrategie bereits erste Früchte zu tragen.

Gemeinsame Plattformen sollen Synergien heben

Ein zentrales Element bei der Neuausrichtung der Marke ist eine konsequente Verschlankung. Predigte der ehemalige Machthaber Carlos Ghosn noch den Volumenabsatz um jeden Preis, ist bei seinem Nachfolger Luca de Meo die Profitabilität das Maß aller Dinge. Die Diät geht bei den Plattformen los. Fünf EV-Plattformen sollen bis 2026 die Basis von über 80 Prozent aller Fahrzeuge bilden, die bis 2030 geplanten, 35 neuen E-Modelle greifen gar zu 90 Prozent auf eine der fünf Plattformen zurück.

Die fünf EV-Plattformen von Renault, Nissan und Mitsubishi:

CMF-AEV: Basis für den Dacia Spring

KEI-EV: Plattformfamilie für ultrakompakte Elektrofahrzeuge

LCV-EV: Basis für den Renault Kangoo und den Nissan Townstar

CMF-EV: Globale, flexible EV-Plattform

CMF-BEV: Neue, kompakte EV-Plattform mit Start 2024

Im C- und D-Segment folgen die Franzosen dem VW-MEB-Beispiel und nutzen die rein elektrische Frontantriebsarchitektur namens CMF-EV, auf der zum Beispiel der Renault Mégane E-Tech und der Crossover Nissan Ariya basieren, der Mitte des Jahres auf den Markt kommt. Dass der einstige Audi- und Seat-Manager de Meo bei seinen ehemaligen Arbeitgebern genau hingeschaut hat, zeigt die Tatsache, dass bei dieser Plattform Modularität Trumpf ist, denn es sind Fahrzeuglängen von 4,40 Meter bis 4,80 Meter und verschiedene Batteriegrößen möglich.

Renault will Preiskampf über Batteriekosten gewinnen

Um Geld in die Kassen zu spülen, will Renault die Expertise der kostengünstigen Produktion im Zusammenspiel mit den Synergieeffekten der Allianz mit Nissan und Mitsubishi nutzen. „Wir sind kein Premiumhersteller“, macht Konzernlenker Luca de Meo klar. Dazu kommt eine gehörige Portion Emotion. Eine Reminiszenz an die Vergangenheit statt stromlinienförmiger IDs.

Wie das aussieht, zeigt die elektrische Neuauflage des legendären R5, die zwischen 20.000 und 30.000 Euro kosten soll. Diesen ambitionierten Preiskampf sollen günstige Batterien ermöglichen. „Mithilfe einer neuen Zellchemie werden wir den Preis der Batterien um 50 Prozent senken“, verkündete der Renault-Boss. Bis 2028 sollen die Kosten gar um 65 Prozent reduziert werden. Produziert werden die Autos in Renaults ElectriCity, einem Verbund der nordfranzösischen Werke Douai, Maubeuge und Ruitz. Ziel sind ab 2025 rund 400.000 Fahrzeuge pro Jahr.

Neue und elektrische Mobilität sind Investitionsfelder

Aber auch Renault wird in Zukunft vom Autobauen alleine nicht leben können. Mobilitätsdienstleistungen wie Ridehailing werden immer wichtiger. Das weiß auch Luca de Meo und hat Anfang des letzten Jahres mit Mobilize nach Renault, Dacia und Alpine eine vierte Marke aus dem Taufbecken gehoben, die bis zum Jahr 2030 mehr als zwanzig Prozent zum gesamten Konzernumsatz beitragen soll.

Die Franzosen machen dabei Nägel mit Köpfen und haben bereits eine 4,67 Meter lange vollelektrische Limousine vorgestellt, welche die tragende Säule der französischen Fahrdienste sein soll. Darüber hinaus will die Allianz bis 2025 ihr erstes vollständig softwaredefiniertes Fahrzeug auf den Markt bringen und ein Jahr danach bereits mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in 45 Modellen mit autonomen Fahrsystemen ausstatten.

Nissan investiert in britisches Werk

Nissan setzt indes ebenfalls auf die Elektromobilität und investiert rund 1,17 Milliarden Euro in sein Werk im britischen Sunderland, um dort ein neues Elektroauto zu produzieren. Flankierend dazu zieht der japanische Autobauer mit seinem chinesischen Partner Envision AESC eine Gigafactory hoch, die über eine Kapazität von bis zu 35 Gigawattstunden (GWh) verfügen soll. Zum Beginn sind die E-Brötchen mit neun GWh jedoch kleiner.

Die Fertigungsstätte ist ein Teil einer Strategie, die vorsieht, dass Ende 2023 drei von vier in Europa verkauften Nissan-Modellen elektrifiziert sein sollen. Ab Anfang des nächsten Jahrzehnts trifft dies auf alle Neufahrzeuge in den Schlüsselmärkten Japan, China, USA und Europa zu. Insgesamt will die Allianz der Autobauer bis 2030 weltweit über eine Batterieproduktionskapazität von 220 GWh verfügen. Zudem wollen Renault und Nissan einen gemeinsamen Batterielieferanten für die Kernmärkte bestimmen und den Schwerpunkt auf die Entwicklung einer Feststoff-Batterietechnologie legen.

Mitsubishi ist auf Erholungskurs

Auch die Pfeile bei Mitsubishi zeigen mittlerweile wieder klar nach oben. Im vergangenen Jahr produzierte das japanische Unternehmen über eine Million Fahrzeuge. Das entspricht einer deutlichen Steigerung von 122,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Schon Ende Juli hatte der Autobauer den Ausblick für das Fiskaljahr nach oben korrigiert. Demnach wächst der Nettoumsatz von 2,06 Billionen auf 2,08 Billionen Yen (circa 15,7 Milliarden Euro). Dabei soll auch der neue Outlander helfen, der Ende des Jahres in Japan debütierte und für die zweite Hälfte 2022 in den USA angekündigt ist.

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