Thomas Engelhardt, BMW

„Gen6 erfüllt die weltweit höchsten Sicherheitsstandards“

Wie lässt sich das Batteriepotenzial voll ausschöpfen, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein? Im Interview gibt Thomas Engelhardt, Leiter der Entwicklung Hochvolt-Speicher & Laden bei BMW, tiefe Einblicke.

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Dr. Thomas Engelhardt, Bereichsleiter Entwicklung Hochvolt-Speicher und Laden bei der BMW Group.
Bei BMW treibt er die Entwicklung zum Thema Hochvolt-Speicher und Laden voran: Thomas Engelhardt.

Am 21. und 22. Oktober 2026 wird das SZ-Hochhaus in München zum zentralen Treffpunkt für die internationale Batterie-Community: Auf der Automotive Battery Conference diskutieren führende Köpfe der Automobil- und Zulieferindustrie die drängendsten Fragen der modernen Batterietechnologie.

The Automotive Battery Conference

Werbegrafik zur International Conference Automotive Battery mit futuristischem Elektroauto und Konferenzdaten.

Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren einer der Haupttreiber in der Automobilindustrie sein. Dabei spielt die Batterie eine der wichtigsten Rollen bei der weltweiten Verbreitung von Elektrofahrzeugen, wobei die entscheidenden Faktoren die Reichweite der Batterie, die Lademöglichkeiten und die Finanzierung der Produktionskosten sind. All diese Themen vereint die 8. Auflage der Automotive Battery Conference vom 21. bis 22. Oktober 2026 in München. OEM-Teilnehmer erhalten kostenlosen Zutritt.

Weitere Infos und Tickets zur Automotive Battery Conference finden Sie hier. 

Die Agenda der Fachkonferenz deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab und setzt klare Schwerpunkte auf tiefe Zell- und Systemtechnik, Thermomanagement, Zellchemie, Pack-Architektur, Fertigungsskalierung in Giga-Factories sowie Second Life und Recycling. Das Programm richtet sich an Batterie-Entwickler, Systemarchitekten, Chemiker, Test-Ingenieure und technische Projektleiter, die die nächste Generation der elektrischen Energiespeicher gestalten.

BMWs Batterie der sechsten Generation (Gen6) wurde im Sommer 2026 auf dem World New Energy Vehicle Congress in China als Entwicklung eines internationalen Herstellers ausgezeichnet
Die renommierte Technologieauszeichnung.

Ein prägender Bezugspunkt für die aktuellen Technologiedebatten in der Automotive-Branche sind die neuen Batteriearchitekturen führender Premium-Hersteller, allen voran BMWs Batterie der sechsten Generation (Gen6). Diese Technologie wurde kürzlich auf dem World New Energy Vehicle Congress in China als Entwicklung eines internationalen Herstellers ausgezeichnet.

Zellformat-Transformation & Pack-Integration

Vom Umstieg auf zylindrische Rundzellen im Cell-to-Pack-Design über das Potenzial des Trockenbeschichtungsverfahrens (Dry Electrode Coating) bis hin zur präzisen Zustandsdiagnostik (State of Health) für die Kreislaufwirtschaft spiegelt dieses Hochvolt-Konzept die aktuellen Branchenherausforderungen wider.

Im Experteninterview erläutert Dr. Thomas Engelhardt, Bereichsleiter Entwicklung Hochvolt-Speicher und Laden bei der BMW Group, wie die Gen6-Batterietechnologie entwickelt wurde, um hohe Energiedichte, Sicherheit und eine skalierbare Serienfertigung im industriellen Maßstab effizient zu vereinen.

Herr Engelhardt, beim Übergang von prismatischen Zellen zur neuen zylindrischen Formatgeneration (beispielsweise Gen6 / Neue Klasse) verlagert sich das strukturelle und thermische Konzept fundamental. Wie lösen Sie technisch den Zielkonflikt zwischen hoher Volumetric Energy Density auf Pack-Ebene und einer effizienten, direkten Zellkühlung, ohne das Crash-Verhalten des Hochvolt-Gehäuses zu beeinträchtigen?

Genau diese Herausforderungen standen im Mittelpunkt der Gen6-Entwicklung. Wir betrachten jedoch Energiedichte, Lebensdauer, Kühlung und Crash-Sicherheit nicht als konkurrierende Einzelziele, sondern als integrierte Entwicklungsaufgabe. Die neuen Rundzellen sind in versetzten Zellreihen angeordnet, wobei die Elemente des Kühlsystems nahtlos in die Geometrie der Zellen eingebettet sind. Damit ist eine großflächige thermische Anbindung realisiert und das System wird nach dem Cell-to-Pack-Prinzip zu einem hochintegrierten Zellcluster verbunden.

Die kompakte Bauweise und der vollständige Verzicht auf Versteifungselemente ermöglichen es, hohe Energiedichten auf Hochvoltbatterieebene zu realisieren. Dabei wurde die Hochvoltbatterie als integraler Bestandteil des Fahrzeug-Gesamtsystems ausgelegt, sodass höchste Sicherheitsstandards auf Fahrzeug-Ebene erreicht werden. Der Technologiesprung der Gen6 entsteht genau aus der abgestimmten Optimierung aller Komponenten.

Thermisches Runaway-Management & Venting

Das Verhindern von Propagation bei Zelldefekten ist eine der kritischsten Sicherheitsdisziplinen. Welche konkreten Fortschritte haben Sie bei der Hochvolt-Speicher-Architektur bezüglich der Entgasungspfade (Top/Bottom Venting) und neuartigen Isolationsmaterialien erzielt, um Thermal Propagation selbst bei extrem dicht gepackten Hochvolt-Systemen unter allen Testbedingungen zu stoppen?

Unser Batteriekonzept der Gen6 erfüllt die weltweit höchsten Sicherheitsstandards. Das Sicherheitskonzept ist mehrstufig aufgebaut und beginnt bereits auf Zellebene. Die neuen Rundzellen verfügen über integrierte Sicherheitsmechanismen, die ein definiertes Entgasungsverhalten sicherstellen.

Darüber hinaus umfasst das Batteriekonzept umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen auf Systemebene. Dabei sind Zellkontaktierung und Entlüftungsöffnung bewusst voneinander getrennt. Ergänzt wird dies durch sichere Entgasungskanäle, ein mehrstufiges Isolationskonzept sowie umfassende Schutzmechanismen zur sicheren Trennung elektrischer Pfade.

Der eigenentwickelte Energy Master, die elektronische Steuereinheit, übernimmt eine Vielzahl wichtiger Schutzfunktionen für den Hochvoltbatteriebetrieb und Ladevorgänge. Beispielsweise überwacht er Zellspannungen, thermische Zustände der Batteriezellen und trennt die elektrischen Pfade. In Summe ist es gelungen, eine hohe Energiedichte mit höchsten Sicherheitsstandards zu verbinden. Kurz gesagt: Die Gen6 wurde von Grund auf so entwickelt, dass Sicherheit integraler Bestandteil des gesamten Batterie- und Fahrzeugkonzepts ist.

Giga-Factory-Skalierung & Dry Electrode Coating

In der Fertigungstechnik rückt das Trockenbeschichtungsverfahren (Dry Electrode Coating) immer stärker in den Fokus, um Energieaufwand und Lösungsmitteleinsatz in der Zellproduktion drastisch zu senken. Inwieweit ist BMW bereit, diese Technologie in der Hochvoltspeicher-Serienfertigung einzusetzen, und welche prozessualen Hürden sehen Sie noch beim Scale-up von der Pilotlinie in die Massenproduktion?

Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, neue Batterietechnologien und Produktionsverfahren dann in die Serie zu bringen, wenn sie die hohen BMW Anforderungen an Qualität, Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit erfüllen. Dafür haben wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette eigene Kompetenz aufgebaut. Die BMW Group bündelt ihr Know-how in den Kompetenzzentren für Batteriezelltechnologie und Batteriezellproduktion und bewertet dort neue Technologien sowie Produktionsverfahren.

Unser Batteriekonzept der Gen6 erfüllt die weltweit höchsten Sicherheitsstandards

Dr. Thomas Engelhardt, Bereichsleiter Hochvolt-Speicher und Laden bei der BMW Group

Unabhängig von der konkreten Technologie gilt: Der Übergang von der Pilotphase in die Großserie muss sicherstellen, dass Qualität, Prozessstabilität und Effizienz weltweit reproduzierbar gewährleistet sind. Genau darauf ist unser globales Produktionsnetzwerk für die Gen6 ausgelegt.

Das Trockenbeschichtungsverfahren ist eine vielversprechende Technologie, die wir im Rahmen unserer Batteriezellkompetenz intensiv untersuchen. Grundsätzlich bewerten wir neue Verfahren stets nach ihrem Beitrag zu Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Produktqualität und Industrialisierbarkeit. Eine Entscheidung über einen möglichen Serieneinsatz treffen wir erst dann, wenn ein Verfahren diese Anforderungen erfüllt.

Kaskadierung von Diagnostik für Second Life & Circularity

Mit Blick auf Batteriepässe und Recyclingquoten ist der State of Health (SoH) der wichtigste Indikator. Wie stellt BMW über das On-Board-BMS und Cloud-Analytics sicher, dass die Alterungsdaten so präzise und manipulationssicher erfasst werden, dass der Hochvoltspeicher ohne aufwendige Demontage direkt für eine Second-Life-Anwendung oder das gezielte Material-Recycling freigegeben werden kann?

Der State of Health ist ein zentraler Baustein für die zukünftige Kreislaufwirtschaft von Hochvoltbatterien. Mit dem Energy Master verfügen wir über eine eigene, zentrale Steuereinheit, die den Batteriebetrieb überwacht, Energieflüsse steuert und Daten aus der Hochvoltbatterie verarbeitet. Darüber hinaus haben wir moderne Algorithmen inklusive intelligenter und datengestützter Flottenabgleiche integriert, sodass die Präzision bei der Bestimmung des Gesundheitszustands der Batterie hoch ist. Der Energy Master dient dabei als Schnittstelle für die Batteriedaten und sorgt für einen effizienten und sicheren Batteriebetrieb. Grundsätzlich verfolgen wir den Ansatz, die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Nutzung bis hin zum Recycling zu betrachten. Dabei schaffen digitale Prozesse und umfassende Qualitäts- und Batteriedaten die Grundlage für Transparenz über den gesamten Lebenszyklus der Hochvoltbatterie.

Entscheidend ist für uns, dass Batterien hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Zustand nachvollziehbar bewertet werden können. So schaffen wir die Voraussetzungen für künftige Anwendungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft, sei es für die weitere Nutzung von Komponenten oder für das gezielte Recycling von Rohstoffen. Allein aus ökonomischen Gründen müssen wir dafür sorgen, die wertvollen Rohstoffe der Hochvoltbatterien im Kreislauf zu halten.

Davon profitieren am Ende auch unsere Kunden: Transparente Batteriedaten schaffen die Grundlage für einen nachvollziehbaren Batteriezustand über den gesamten Lebenszyklus hinweg und unterstützen so Vertrauen in die langfristige Nutzung der Hochvoltbatterie.

Zur Person

Dr. Thomas Engelhardt ist Bereichsleiter Entwicklung Hochvolt-Speicher und Laden bei der BMW Group. Seit seinem Einstieg bei der BMW Group im Jahr 2006 hatte er verschiedene Fach- und Führungspositionen in der Antriebsentwicklung, Elektrifizierung, E/E-Integration und Energiemanagement / Efficient-Dynamics-Funktionen inne, zuletzt als Leiter Hochvolt-Batterie Gen6.