Hyundai Elektrokonzepte N Vision 74 und RN22e auf einer Rennstrecke

Hyundai will mit Vollgas auf dem europäischen Markt zu den Großen aufschließen. Die Konzepte N Vision 74 und RN22e sollen zeigen, wohin die Elektrifzierungsreise der Koreaner in Zukunft führen soll. (Bild: Hyundai)

Manchmal gibt Autos, die sofort zeigen, wohin die Reise geht. Die Amerikaner sprechen gerne von Halo-Autos. Der Brennstoffzellen-Renner Hyundai N Vision 74 ist sichtbares Zeugnis dafür, dass die Koreaner die Zurückhaltung abgelegt haben und gleich mehrere Gänge hochschalten. Das wird auch durch Substanz belegt: Bis 2030 investiert die Hyundai Motor Company 79,3 Milliarden US-Dollar, davon 16 Milliarden in die Elektrifizierung und 10 Milliarden in die Software.

Hyundai vereinfacht Elektro-Plattform

Die Stationen auf dem Weg nach oben sind klar definiert. Im Jahr 2025 führt der koreanische Autobauer mit der Integrated Modular Architecture (IMA) die Evolution der E-GMP-Plattform ein, die alle Segmente abdeckt. Mit dieser Weiterentwicklung drehen die Koreaner an der Kostenschraube, indem sie nicht nur das Fahrwerk, sondern auch die Batterien und den Motor standardisieren. Vorgesehen ist, dass die neue Plattform für fünf verschiedene Motoren vorgesehen ist und damit sich viele verschiedene Modell- und Antriebsvarianten ohne großen Aufwand darstellen lassen. Der Variantenreichtum bei den Batteriepacks wird ebenfalls reduziert und mit dem Cell-to-Pack-System soll die neue Architektur die Energiedichte erhöhen und die Ladezeit verkürzen. Aufgrund der Modularität sind auch Spezialfahrzeuge darstellbar.

Aber auch bei den aktuellen Modellen zeigen die Koreaner, dass sie mit aller Macht nach vorne drängen. Der kürzlich vorgestellte Hyundai Ioniq 6 schafft dank eines grandiosen cw-Wertes von 0,21 eine Normreichweite von 610 Kilometern. Die Basis für diesen Wert ist die E-GMP Plattform. „Schon früh hat Hyundai seine Kompetenz im Bereich Elektrifizierung demonstriert. Mit der aktuellen E-GMP-Plattform verfügt der Konzern über eine leistungsfähige und ausgereifte Plattform für elektrische Fahrzeuge“, stellt Peter Fintl, Leiter Technologie und Innovation bei der Technologieberatung Capgemini Engineering fest.

Um die eben genannte Strecke zurückzulegen, benötigt der coupéartige Ioniq 6 keinen riesigen Akku mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden, sondern die aus anderen Modellen bekannte 77,4-kWh-Batterie. Auch beim Laden liefert der Hyundai dank der schnellen 800-Volt-Technik beste Werte ab. Laut Angaben des koreanischen Autobauers sind die Akkus an einem 350-kW-Schnelllader in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt. Wie schaut es dagegen bei den Brot-und-Butter-Modellen des VW-Konzerns aus, die auf dem Konzernbaukasten MEB (modularer E-Antriebsbaukasten) basieren? Der ist mit der 400 Volt-Ladetechnik konzipiert und schafft aktuell eine Ladeleistung von maximal 175 kW.

Hyundai macht Elektro-Kampfansage

Die normative Kraft des Faktischen lockt auch zurückhaltende Asiaten aus der Reserve. „Ich verspreche, wir werden mit dem Ioniq 6 nicht aufhören“, verkündet Hyundai-CEO Jae Hoon Chang und bekräftigte das Vorhaben, bis 2030 elf vollelektrische Modelle auf den Markt zu bringen, dazu sechs der Premium-Marke Genesis. Dann wollen die Koreaner sieben Prozent der weltweiten BEV-Verkäufe realisieren. Eine klare Kampfansage an Volkswagen, General Motors, Toyota und Stellantis. Kia will bis 2027 mindestens 14 BEVs auf die Straßen bringen; Hyundai-Schwestermarke hat ebenfalls Großes vor und will bis 2030 vier Millionen Autos pro Jahr verkaufen.

Derzeit kann man sich in Seoul über gute Geschäfte in Europa freuen. Obwohl der Markt hier um 14 Prozent zurückging, legte der koreanische Automobilhersteller mit 454.000 verkauften Einheiten um 17 Prozent zu. Mit einem großen SUV, das vermutlich Ioniq 7 heißen wird, befindet die nächste koreanische Speerspitze schon im Köcher der Hyundai-Vertriebsstrategen. „Elektrische SUVs sind und bleiben ein attraktives Segment“, stellt Hyundai-Europachef Michael Cole klar.

Elektro-SUVs sollen Amerikaner begeistern

Vor allem weil die Koreaner auch in den USA erfolgreich sein wollen. Und die Herzen der SUV-vernarrten Amerikaner erobert man auch elektrisch mit einem solchen Gefährt. Damit diese Attacke auch in den USA die nötige Substanz erhält, bauen die Koreaner für 5,54 Milliarden Dollar im Bundesstaat Georgia eine Fabrik mit einer Kapazität von 300.000 Einheiten. Außerdem legen die Koreaner auch bei der dynamischen Elektromobilität nach. Nächstes Jahr kommt eine N-Version des Ioniq 5 auf den Markt, ein Jahr später dürfte die Power-Variante des neuen Ioniq 6 debütieren.

Bei allen hochstrebenden Plänen wissen die Koreaner, wo sie herkommen. „Wir haben das Kleinwagensegment nicht vergessen, denn wir wissen, woher wir kommen, und wir haben hier immer noch eine solide Kundenbasis“, freut sich Michael Cole und ergänzt: „Wir wollen bis spätestens 2035 in Europa nur noch vollelektrische Modelle anbieten. Das schließt kleinere Segmente ein. Wir sind in der komfortablen Lage, dass wir die nötige Technologie zur Verfügung haben und die Nachfrage nach kleinen Elektroautos steigt.“

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