Dramatische Verluste in China

Elektro-Boom in Europa kann VWs Absatzzahlen nicht retten

Volkswagen hat bis September neun Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert. Vor allem China belastet die Bilanz. In Europa wächst dagegen die Elektroauto-Nachfrage. Das hat auch Folgen für die Produktionsplanung.

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Die neuesten kleinen E-Autos aus dem VW-Konzern kommen in Europa gut an, den Gesamtabsatzzahlen hilft das aber nicht.

Während Volkswagen in Europa von einer wachsenden Nachfrage nach Elektroautos profitiert, gerät der Konzern in seinem lange Zeit wichtigsten Wachstumsmarkt weiter unter Druck. In den ersten neun Monaten 2026 lieferte die Volkswagen Group weltweit 6,01 Millionen Fahrzeuge aus. Das entspricht einem Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich fällt das Minus in China aus, wo die Auslieferungen um 30,2 Prozent auf knapp 1,38 Millionen Fahrzeuge zurückgingen.

Damit hat sich die regionale Verteilung des Geschäfts weiter verschoben. In Europa stiegen die Auslieferungen um 1,7 Prozent auf knapp 2,96 Millionen Fahrzeuge, während Nordamerika ein Minus von vier Prozent verzeichnete. Südamerika legte um 4,3 Prozent zu. Die Zuwächse außerhalb Chinas reichen allerdings nicht aus, um die Verluste auf dem chinesischen Markt auszugleichen.

Noch immer sehen die Gesamtabsatzzahlen negativ aus im VW-Konzern.

China-Rückgang verschärft sich im dritten Quartal

Wie stark das China-Geschäft unter Druck steht, zeigen die Zahlen für das dritte Quartal. Zwischen Juli und September lieferte Volkswagen dort 405.800 Fahrzeuge aus und damit 38,5 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der Konzern verweist auf die rückläufige Marktentwicklung, insbesondere bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Gleichzeitig steht Volkswagen in China unter hohem Wettbewerbsdruck durch einheimische Hersteller, die ihre Modellportfolios und elektrischen Antriebe in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut haben.

Neue, lokal entwickelte Elektromodelle sollen die Position des Konzerns verbessern. Im dritten Quartal stiegen die Auslieferungen elektrifizierter Fahrzeuge in China nach VW-Angaben um rund 30 Prozent. Allerdings umfasst diese Kategorie neben reinen Elektroautos auch Plug-in-Hybride und Modelle mit Range Extender. Bei den ausschließlich batterieelektrischen Fahrzeugen ergibt sich ein anderes Bild. Deren Auslieferungen gingen in China in den ersten neun Monaten um 42,5 Prozent auf 48.900 Fahrzeuge zurück.

Für die Produktionsplanung stellt sich damit zunehmend die Frage, wie Volkswagen seine Kapazitäten an die veränderte Nachfrage anpasst. Konkrete Angaben zur Auslastung einzelner chinesischer Werke nennt der Konzern nicht.

Europäische Elektro-Nachfrage wächst weiter

Deutlich anders entwickelt sich das Geschäft mit batterieelektrischen Fahrzeugen in Europa. Hier lieferte Volkswagen bis Ende September 586.100 Elektroautos aus, 12,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im dritten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 19,6 Prozent.

Der BEV-Anteil an den europäischen Auslieferungen stieg von 18 auf 20 Prozent. Noch höher liegt der Anteil im europäischen Auftragsbestand, wo inzwischen rund 40 Prozent der bestellten Fahrzeuge vollelektrisch sind. Gegenüber Ende 2025 hat sich der absolute BEV-Auftragsbestand nach Konzernangaben ungefähr verdoppelt.

Ein Teil der zusätzlichen Nachfrage entfällt auf die neue Electric Urban Car Family mit VW ID. Polo, ID. Cross, Cupra Raval und Škoda Epiq. Für die vier Modelle lagen kurz nach der Markteinführung bereits knapp 150.000 Bestellungen vor.

Für die Werke Martorell und Pamplona, in denen Volkswagen die neue Modellfamilie produziert, ist das ein wichtiges Signal. Wie schnell die Bestellungen in tatsächliche Auslieferungen übergehen, hängt allerdings vom Produktionshochlauf, der Teileversorgung und der verfügbaren Kapazität ab.

China bleibt das große Problem von Volkswagen.

Weltweite BEV-Auslieferungen trotzdem rückläufig

Der europäische Aufwärtstrend kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Volkswagen weltweit weniger reine Elektroautos ausgeliefert hat. Bis September waren es 678.700 Fahrzeuge und damit 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Neben China belastet insbesondere das US-Geschäft die Bilanz. Dort gingen die BEV-Auslieferungen um 78,4 Prozent auf 14.900 Fahrzeuge zurück. Volkswagen nennt unter anderem das Ende staatlicher Förderprogramme und die Belastung durch Importzölle als Ursachen.

Stärker gefragt waren weltweit dagegen Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender. Von ihnen lieferte der Konzern zusammen rund 368.000 Einheiten aus, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung verdeutlicht, dass der Wandel der Antriebstechnologien regional unterschiedlich verläuft. Für einen global aufgestellten Hersteller wie Volkswagen erschwert das die Abstimmung von Modellangebot, Entwicklungsressourcen und Fertigungskapazitäten.

Škoda wächst, VW und Audi verlieren

Auch zwischen den Konzernmarken zeigen sich erhebliche Unterschiede. Škoda steigerte seine Auslieferungen um 6,1 Prozent auf 812.400 Fahrzeuge. Volkswagen Nutzfahrzeuge legte um 2,8 Prozent zu. Bei der volumenstärksten Marke VW gingen die Auslieferungen dagegen um 13,7 Prozent auf 3,01 Millionen Fahrzeuge zurück. Audi verlor 11,4 Prozent und kam auf gut 1,04 Millionen Fahrzeuge, Porsche verzeichnete ein Minus von 16 Prozent.

Dass die Marken so unterschiedlich abschneiden, lässt sich nicht allein mit der Entwicklung einzelner Regionen erklären. Auch Modellmix, Produktlebenszyklen und die unterschiedliche Nachfrage nach Antriebsarten spielen eine Rolle. Für den Konzern kommt es nun darauf an, die wachsende europäische Elektroauto-Nachfrage in ausreichende Stückzahlen umzusetzen, ohne gleichzeitig zusätzliche Kapazitätsprobleme in schwächeren Märkten aufzubauen. Die aktuellen Auslieferungszahlen zeigen vor allem, wie unterschiedlich die Voraussetzungen in den einzelnen Regionen inzwischen sind.