Die Reifenmontage bei einem Skoda Enyaq iV in Mlada Boleslav.

Seit 2020 wird der vollelektrische Skoda Enyaq iV in Mlada Boleslav gebaut. (Bild: Skoda)

Bislang galt das Volkswagen-Werk in Zwickau als Musterbeispiel für die Transformation hin zur Elektromobilität. Doch Skoda zieht an seinem ebenso traditionsreichen Standort in Mlada Boleslav nach. Seit 1905 werden nordöstlich der tschechischen Hauptstadt bereits Automobile gefertigt, ab 1925 unter dem heutigen Markennamen.

Knapp hundert Jahre später – im Mai 2022 – erlebten die rund 27.000 Mitarbeiter des Skoda-Stammwerks einen Meilenstein: In der Halle M6 wurde mit der Produktion von Batteriesystemen für vollelektrische Fahrzeuge auf Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) begonnen. Damit ist Mlada Boleslav die einzige europäische Produktionsstätte für MEB-Batteriesysteme außerhalb Deutschlands.

Der Autohersteller investierte 130 Millionen Euro in die auf 18.000 Quadratmetern befindliche Linie, die gemeinsam mit Kollegen des Volkswagen-Komponentenwerks Braunschweig eingerichtet wurde. Rund 250 Mitarbeiter fertigen dort 255.000 Batteriesysteme pro Jahr – nicht nur für die eigenen Modelle, sondern auch für VW, Audi und Seat.

Skoda-Stammwerk wird zur Smart Factory

Der Standort gewinnt damit jedoch nicht nur innerhalb des Konzerns an Bedeutung, er setzt auch Maßstäbe beim Thema Smart Factory. Von der Anlieferung der Batteriezellen bis zum Verladen für den Lkw-Transport wurde ein vollautomatisiertes Transportsystem implementiert. Die Montagelinie ist über Förderanlagen mit dem benachbarten Lager verbunden, fahrerlose Transportsysteme übernehmen alle übrigen Aufgaben.

Und auch die Fertigung der Batteriesysteme ist mit ihren 30 Robotern und 35 IT-Systemen derzeit State of the Art. An jeder der 70 Stationen können die transportierenden Carts digital nachverfolgt werden. Mit einem Mix aus Vollautomatisierung, Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) und manuellen Prozessen werde ein Automatisierungsgrad von 70 Prozent realisiert, erklärt Vaclav Hrncir, Koordinator der Produktionsplanung E-Mobility bei Skoda. In der Vormontage liege der Wert mit 64 Prozent nur geringfügig darunter.

Das Ende der Fahnenstange ist dies jedoch nicht: Bereits Ende 2023 soll auf einer Fläche von 8.000 Quadratmeter - in direkter Nachbarschaft - eine zweite Linie an den Start gehen. Sie würde die jährliche Gesamtkapazität auf 380.000 Einheiten erhöhen. Skoda kalkuliert hierfür weitere 180 Mitarbeiter sowie ein Investment von 57 Millionen Euro ein.

Skoda baut Verbrenner und E-Autos auf einer Linie

Zusätzlich produziert der OEM in der gleichen Halle bereits seit Herbst 2019 Hochvolt-Traktionsbatterien, die im Superb iV, Octavia iV und in Plug-in-Hybriden weiterer Konzernmarken eingesetzt werden. Aus anderen Hallen steuert er Motoren, Getriebe und Achsen bei. Sollte künftig gar eine eigene Zellfabrik in Tschechien angesiedelt werden, wie von Skoda-Produktionsvorstand Michael Oeljeklaus erhofft, könnte Mlada Boleslav zu einem zentralen Verteiler für Zellen, Batterien und Komponenten werden, der sternförmig andere europäische Standorte beliefert.

Für die eigene Produktion von Elektrofahrzeugen werden die Batteriesysteme hingegen mittels Lkw zur Halle M13 transportiert. Von den täglich 2.360 produzierten Fahrzeugen am Standort laufen hier derzeit rund 350 vollelektrische Enyaq iV und Enyaq Coupé iV vom Band. Das Besondere: Die Linie ermöglicht die parallele Fertigung von MEB- und MQB-Fahrzeugen. Ob Verbrenner, Hybrid oder Elektroauto – Skoda lebt konzernweit die flexible Produktion vor und hat in die erforderlichen Umbauarbeiten rund 32 Millionen Euro investiert.

In den kommenden Jahren könne das Produktionsvolumen für vollelektrische Fahrzeuge sukzessive gesteigert werden, betont Oeljeklaus. Bereits im Jahr 2023 solle der tägliche Output auf 500 Einheiten steigen. Im Jahr darauf seien 800 Autos pro Tag geplant. Ob Mlada Boleslav nach dem Vorbild Zwickau zu einem Mehrmarkenwerk transformiert wird, ließ der Produktionsvorstand offen. „Wir sind noch nicht so weit, eine finale Werkbelegung zu entscheiden.“ Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Belegung zukünftig anhand von Plattformen anstelle von Marken erfolgt.

Welche Modelle werden in Mlada Boleslav gebaut?

Aktuell produziert Skoda in seinem tschechischen Stammwerk die Modelle Fabia, Octavia, Ocavia iV, Kamiq, Scala, Enyaq iV und Enyaq Coupé iV.

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